Eine unserer Rubriken ist seit der Gründung unserer Zeitung 1966 eine Literaturseite. Mit der Zeit haben sich einige herausragende Werke russlanddeutscher Autoren angesammelt. Wir, das Redaktionsteam haben uns die Arbeit gemacht und nach den Schätzen geforscht, die im DAZ-Archiv schlummern. Daraus ist ein Gedichtband entstanden.

Die Redaktion der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ (DAZ) lädt herzlich zu einer Lesung in das Deutsche Haus Almaty ein. Dabei handelt es sich um eine Anthologie von Gedichten russlanddeutscher Schriftsteller, die das Redaktionsteam der DAZ aus dem eigenen Archiv zusammengetragen hat. Dank der Unterstützung des Generalkonsulats der Bunderepublik Deutschland ist es gelungen, einen 270 Seiten dicken Band zu drucken.

Seit 1966 gibt es die „Deutsche Allgemeine Zeitung“ in Kasachstan. Sie wurde unter dem Namen „Freundschaft“ gegründet und war ein wichtiges Medium für die Sowjetdeutschen. Viele Auslands– und Russlanddeutsche wurden nach dem Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion 1941 nach Kasachstan deportiert. Diees Schicksal traf auch einige Schriftsteller. Ihre neue Heimat wurde Kasachstan.

In dem Gedichtband sind ausgewählte Werke folgender Autoren zu finden: Rudolf Jaquemien, Friedrich Bolger, Nelly Wacker, Johann Warkentin, Robert Weber, Woldemar Herdt, Dominik Hollmann, Viktor Heinz, Viktor Klein, Nora Pfeffer, Rosa Pflug, Lia Frank, Viktor Schnittke, David Jost, David Löwen, Alexander Beck und Hermann Arnhold. Ihr Schaffen und ihre Lebenswege sind mit Kasachstan verbunden. Hier verbrachten sie nicht immer die besten Tage ihres Lebens, denn viele wurden in Arbeitsarmeen eingezogen oder mussten in Arbeitslagern schuften.

Doch der Gedichtband liefert ein differenziertes Bild vom Leben der Russlanddeutschen in Kasachstan. Natürlich klingt in einigen Texten Fernweh nach der alten Heimat heraus. Beispielsweise besingt Friedrich Bolger den Karaman, ein Nebenfluss der Wolga. Gleichzeitig lässt er seine Wahrnehmungen über die damalige kasachische Hauptstadt Alma Ata in seine Dichtung einfließen. Die Gedichte geben Einblick in die Alltagswelt, Träumereien und Naturerleben ihrer Autoren. Besonders spielen Pflanzen eine Rolle in der Literatur der Russlanddeutschen. Sie spiegeln eine tiefergehende Symbolik wider, denn Pflanzen gedeihen, wurzeln, können aber auch entwurzelt sein und eingehen.

Allerdings sind nur wenige der Texte ins kollektive Gedächtnis der Russlanddeutschen eingegangen. Eines der Gedichte, das ein breites Publikum gefunden hat, ist zum Beispiel das von Dominik Hollmann verfasste „Wiegenlied einer wolgadeutschen Mutter“, das sogar von David Franz vertont wurde.

Von Dominik Vorhölter

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