Helene Peniuk ist Koordinatorin der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) in Bischkek. Im Interview mit der DAZ zieht sie Bilanz zum Schuljahresende und erzählt über die Spracharbeit in Kirgisistan. Mit der studierten Germanistin sprach Redakteurin Cornelia Riedel.

Wie entwickelt sich aus Ihrer Sicht das Interesse an der deutschen Sprache in Bischkek und in Kirgisistan?

Insgesamt ist die Zahl der Deutschlerner rückläufig, doch das Interesse an vertieftem Deutschunterricht und Spezialschulen wie der 23., der Goethe-Schule in Bischkek, steigt. Unsere Aufgabe beim ZfA ist es, guten und vertieften Deutschunterricht anzubieten. Wir konzentrieren uns nicht auf die Breitenbildung, sondern setzen Schwerpunkte. Die Kontakte zwischen Deutschland und Kirgisistan werden aus unserer Sicht am nachhaltigsten unterstützt, wenn man innerhalb der Elite die deutsche Sprache fördert. Und das bedeutet mehr als zwei Stunden Deutschunterricht pro Woche. Außerdem bilden wir Deutschlehrer weiter. Unser Ziel ist, dass die Schüler die Prüfung des „Deutschen Sprachdiploms“ erfolgreich ablegen. Mit diesem Diplom können die Schülerinnen und Schüler in Deutschland studieren ohne eine weitere Sprachprüfung zu benötigen.

Welche Aufgaben verfolgen Sie außerdem?

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Projektarbeit. Wir veranstalten landesweite Wettbewerbe. In diesem Jahr sollten Schüler Prospekte und Produkte für deutsche Touristen entwickeln. Dabei legen wir darauf wert, dass sie auch neue Arbeitstechniken und Sichtweisen lernen. Außerdem bieten wir kirgisischen Lehrern Hospitationsstipendien für Aufenthalte in Deutschland an und organisieren einen Schüleraustausch zwischen Schulen in Kirgisistan und Deutschland.

Welches Konzept verfolgt die Goethe-Schule, was ist das Besondere dort?

An der Schule 23 gibt es vertieften Deutschunterricht, Geografie- und Biologieunterricht auf Deutsch und den Deutschen Zweig. Der Deutsche Zweig bedeutet, dass die Kinder in der Grundschule ungefähr die Hälfte ihrer Unterrichtsstunden (also mehrere Fächer) auf Deutsch erhalten.

Die kostenlose Prüfung zum Sprachdiplom wird in der 11. Klasse abgenommen. Meistens studieren die kirgisischen Studenten zunächst hier in Kirgisistan. Einige gehen nach zwei Jahren Studium in Kirgisistan als Aupair nach Deutschland, bevor sie dort ihr Studium beginnen. Andere versuchen, ein Stipendium zu erhalten. Für den Fachunterricht auf Deutsch werden an der Schule einheimische Fachlehrer ausgebildet, damit sie auf Deutsch Fachunterricht erteilen können. Auch deutsche Lehrerinnen unterrichten an der Schule. Leider ist die Fluktuation bei den einheimischen Lehrkräften sehr hoch, denn die Lehrer verdienen nur durchschnittlich 25 Euro pro Monat.

Wie wird sichergestellt, dass die Schüler über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, bevor sie in die Schule kommen?

Wir bieten eine Vorschulklasse an, in der neben Russisch und Mathematik 50 Prozent Deutsch unterrichtet wird. Einen solchen Kurs gibt es an der 3. Schule in Talas und an der Schule 23 in Bischkek. Aber natürlich fangen die meisten Kinder in der Grundschule erst an, Deutsch zu lernen.

Welche konkreten Pläne und Projektideen haben Sie für das kommende Schuljahr? Was wird sich gegebenenfalls ändern?

Wir bereiten uns auf die neuen Prüfungen vor, die nächstes Jahr eingeführt werden und wollen die Projektarbeit vertiefen. Für uns ist es auch wichtig, einen Austausch zwischen verschiedenen Schulen in Kirgisistan zu ermöglichen, an denen Deutsch unterrichtet wird. Das haben wir bereits begonnen. In diesem Jahr besuchten sich erstmals Schülerinnen und Schüler aus Rotfront sowie Schüler aus Talas und Osch einander. Das bedeutet für viele Kinder in Kirgisistan, dass sie zum ersten Mal eine andere Stadt kennen lernen als ihre Heimatstadt. Zugleich hat ein solcher Austausch einen Deutsch-Schwerpunkt. Die Kinder verschiedener Schulen erarbeiten in dieser Zeit gemeinsam ein Projekt.

Sie lernen viel voneinander, stellen sich gegenseitig ihre Erfahrungen mit dem Deutschunterricht vor und erweitern ihre Kenntnisse. Und dann gibt es natürlich noch jede Menge Arbeit, die auch getan sein will: Stipendien, Fahrten nach Deutschland und Wettbewerbe.

Frau Peniuk, wir bedanken uns für das Gespräch!

04/08/06

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