Tanzbar, knifflig und sogar jugendfrei: Am 20. fand in Ust-Kamenogorsk ein deutsches Sprachfest statt

Welches Tier wandert gerade wieder nach Deutschland ein? Und bevorzugt dabei ausgediente Truppenübungsplätze? Welche deutschsprachige Schriftstellerin erhielt im vergangenen Jahr den Nobelpreis für Literatur? Und welcher Politiker nahm in diesem Jahr zum ersten Mal an der Parade zum Tag des Sieges auf dem Roten Platz in Moskau teil?

Über diesen und anderen Fragen brüteten am Sonnabend, den 20. Mai, die Teilnehmer einer Stadtralley, die im Rahmen des Festes der deutschen Sprache in Ust-Kamenogorsk stattfand. Im Haus der Freundschaft galt es, ein umfassendes Kreuzworträtsel zur deutschen Sprache zu lösen. Auf dem Weg zur nächsten Station blieb genug Zeit, die gestellten Fragen zu vertiefen und sich besser kennen zu lernen.

Nach ungefähr zwei Stunden trudelten die neun Teilnehmergruppen nacheinander wieder am Ausgangsort ein, dem deutschen Lesesaal in der Puschkin-Bibliothek, und Übergaben den Organisatorinnen der Ralley stolz die ausgefüllten Aufgabenblätter. Letztere machten sich wiederum fieberhaft an die Korrektur und die Diskussion um eine angemessene Preisverteilung. Währenddessen stand den erschöpften Ralley-Teilnehmern sowie den Festgästen das Tee- und Kuchenbüfett offen – bei dem mit drei Apfelstrudeln und drei Sacher-Torten die südlicher gelegenen deutschsprachigen Gebiete eindeutig überrepräsentiert waren.

Im Bibliotheksfoyer präsentierten die der deutschen Sprache verpflichteten Einrichtungen der Stadt Ust-Kamenogorsk an fünf Infotischen ihre Angebote: für den DAAD beriet Serik Abilow Interessenten an einem Studium in Deutschland, Reinhard Zühlke, Fachschaftsberater für DaF, stellte das Deutsche Sprachdiplom vor, der Deutsche Lesesaal warb neue Leser, das Sprachlernzentrum, Partner des Goethe-Instituts Almaty, reklamierte lebendigen und modernen Deutschunterricht, und auch die Gesellschaft der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ berichtete über ihre Aktivitäten.

Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete das Kulturprogramm mit der Preisverleihung für die Gewinner der Stadtralley und des Quiz „Unbekanntes Deutschland“.

Für Interessenten deutscher Kultur folgte im Anschluss Kino mit deutschen Kurzfilmklassikern: ein authentischer Spiegel der Jugend namens „Poppen“, jugendfrei, dann der Oskarpreisträger „Schwarzfahrer“ und das dreiminütige, schöne und überraschende Fazit „Handle with care“ (in Anlehnung an die überraschend englischsprachigen Werbeplakate des Goethe-Instituts). Den abendlichen Abschluss des Festes bildete eine Disco mit einer ausgewogenen Mischung aus deutschsprachigen, tanzbaren Scheiben und internationalen Hits.

Das Fest, das unter dem Motto „Deutsch mit Spaß“ stand, sollte neben den schon an der deutschen Sprache Interessierten auch einen größeren Kreis erreichen und in die Stadt hinaus wirken. Inwieweit gezieltere Werbung hier noch mehr erreichen kann, muss ein zukünftiges Sprachfest zeigen. Zwei Ziele indessen wurden sicher erreicht: die Teilnehmer hatten offensichtlich Spaß bei der Sache, und die Organisatoren haben sich bewiesen, was sie gemeinsam und mit Nutzen für alle Beteiligten auf die Beine stellen können. „Es war definitiv ein schöner Probelauf“, resümierte dann auch Reinhard Zühlke. Dann kann man sich wohl auf eine Wiederholung freuen.

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