Für Musikliebhaber begann der Oktober in Almaty gut. Es gab zwei ganz unterschiedliche Festivals: Für Jazz-Liebhaber den „Jazzia Oktober“ und für alle Fans der elektronischen Musik das Festival „Replika“ im Club „Da Freak“. Das Goethe Institut Almaty lud zu beiden Festivals Musiker aus Deutschland ein.

Beim Festival „Jazzia October“ gab es Gelegenheit, den kasachischen beziehungsweise russischen Jazz mit dem europäischen Jazz zu vergleichen. Eingeladen vom Goethe-Institut Almaty, gab am letzten Tag des Festivals die deutsche Band „Angelika Niescier Sublim“ ihr Konzert. Angelika Niescier belebt seit einiger Zeit die deutsche Jazzszene und versieht sie mit neuen Konturen. Im Jahr 2000 gründete sie ihr Quartett „Sublim“. Zur Band gehören außer ihr noch drei starke Männer: Sebastian Räther, Daniel Schröteler und Florian Weber.

Musik, die lebt

Für die Almatyer Konzertbesucher ist Jazz etwas Neues. Bevor Bandmitglied Florian Weber nach Zentralasien kam, hat der Musiker die USA besucht. „In Amerika ist Jazz eine Art Volksmusik. Jazz ist dort überall anzutreffen, er gehört dort einfach zum Leben. In Kasachstan ist Jazz noch etwas Ungewöhnliches. Ich denke, das ist eine große Chance – sowohl für Kasachstan als auch für die Jazzmusik. Ich habe hier fantastische kasachische Musiker gesehen. Deshalb bin ich sicher, dass der Jazz in Kasachstan eine Zukunft hat“, so Weber.

Konzertbesucher und Jazzfan Andrej Mussin hat sich besonders darüber gewundert, dass in der Band eine Frau die Hauptrolle spielt. Er hofft, dass in Zukunft noch mehr Leute Jazzkonzerte besuchen werden. „Obwohl die Eintrittkarten, mit 3000 Tenge recht teuer waren, bin ich sehr zufrieden mit dem Konzert“, lächelt Mussin. Vielen anderen Zuhörern ging es an diesem Abend ähnlich. Ihr erster Kontakt mit Jazz hat Lust auf mehr gemacht. Die Bandleaderin Angelika Niescier meint Jazzmusik müsse man unbedingt live erleben. „Auf der Bühne stehen junge Menschen, die den Jazz weiterentwickeln. Das ist Musik, die lebt“ so Angelika Niescier.

Nichts für „Schlafmützen“

Zu einem ganz anderen Festival kamen viele junge Leute im Club „Da Freak“ zusammen. Sie lauschten den elektronischen Klängen des „Replika“ Festivals. Es fand in Almaty in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal statt. Im Programm waren verschiedene Musiker aus der kasachischen und internationalen Club-Szene zu finden. Auch in Kasachstan wird elektronische Musik jeden Tag populärer. Dieser spezielle Stil, der ohne Gesang auskommt, wird bereits in vielen Clubs gespielt.

„Elektronische Musik ist nichts für diejenigen, die schlafen möchten, sondern für die, die leben!“, sagt Pawel Kim, ein Besucher des Clubs „Da Freak“.

Auf Einladung des Goethe-Instituts Almaty war aus Deutschland Jan Jelinek mit einem Trio angereist. Jelinek arbeitet schon seit zehn Jahren mit elektronischer Musik. „Es ist eine besondere Art von Musik. Aber ehrlich gesagt, was ich mache, würde ich nicht als Musik bezeichnen. Ich bin Sound-Designer und arbeite mit dem Computer, der ja kein traditionelles Musikinstrument ist“, erzählt Jelinek. Er interessiere sich für den Klang, den man den Rechnern entlocken kann, um daraus eine Melodie zu machen.

„Deutschland exportiert nicht nur BMW und Mercedes, sondern hat auch eine wirklich starke E-Musikszene. In Russland ist das bereits bekannt, in Kasachstan wollen wir das mit unserem Festivalbeitrag unterstreichen“, erklärt Günther Hasenkamp, Leiter des Goethe-Instituts. Auf dem Festival haben viele junge Leute Lust bekommen, diese Technik zu beherrschen. „Es ist sehr leicht, das zu lernen“, erklärt Jelinek. „Man muss nur ein wenig technisches Wissen besitzen und sich sehr gut mit Computern auskennen“, schmunzelt Jelinek.

Nicht alle verstehen diese Art von Musik. Die Fans sind jedoch der Meinung, hier gebe es nichts zu verstehen. „Diese Musik strengt das Hirn nicht an. Man muss nicht nachdenken. Das ist Musik, die gute Laune macht“, so der 17-jährige Artur während des Festivals im „Da Freak“.

Von Aljona Judina

12/10/07

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