Praxis ist das Wichtigste, was man braucht, um sich eine Fertigkeit anzueignen. Das gilt vor allem auch für Sprachen. Der DAAD-Klub in Almaty ist ein Beispiel dafür, wie man das Gelernte regelmäßig in der Praxis abrufen kann. Ein Beitrag der Jungen Redakteurinnen Darja Losa und Dilana Mustafajewa.

Die DAAD-Deutschrunde in Almaty organisiert seit langem einen deutschen Sprach-Klub. In den letzten Wochen lag die Veranstaltung zwar aus den bekannten Gründen auf Eis. In normalen Zeiten aber – und hoffentlich demnächst bald wieder – können Deutschlernende mit unterschiedlichen Sprachniveaus hier zusammen die deutsche Sprache und Kultur kennenlernen. Jeden Freitag um 17:30 Uhr treffen sie sich in der Deutsch-Kasachischen Universität. Die Besucher des Sprach-Klubs sind immer ganz verschieden, aber sie verbindet eine Sache – der Wunsch, Deutsch zu lernen, oder ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.

Als der Deutsch-Klub das letzte Mal vor der Quarantäne stattfand, beantwortete der Leiter Thorsten Kaesler unsere Fragen über die Geschichte des Klubs und erzählte uns über seine Eindrücke von Kasachstan.

Herr Kaesler, wie kam die Idee zustande, eine solche Veranstaltung für die Deutschlernenden in Almaty zu leiten?

Ich bin Lektor des DAAD. Zu meinen Aufgaben gehört es nicht nur, Deutsch an Universitäten zu unterrichten, sondern auch, Sprachangebote für alle anderen Leute zu schaffen. Vor allem will ich auch ein authentisches Deutschlandbild vermitteln. Die Deutschlernenden sollen ja nicht nur Grammatik und Texte verstehen. Sie sollen auch wissen, was in Deutschland passiert, welche Themen dort diskutiert werden, die Deutsche Geschichte kennenlernen und deutsche Filme sehen. Nur wer das kann, ist echter “Deutschlandexperte”.

Welche Eindrücke hatten Sie nach den ersten Unterrichtseinheiten? Welche Unterschiede haben Sie zwischen den Schülern in Kasachstan und Deutschland bemerkt?

Ich habe noch nie Deutsch in Deutschland unterrichtet, deshalb ist die Frage schwierig zu beantworten. An den Universitäten sind die Studenten in Kasachstan noch nicht sehr selbständig. Sie brauchen klare Regeln und müssen genau wissen, was sie tun sollen. An deutschen Unis lernen fast alle Studenten freiwillig und eigenständig. Und sie machen im Unterricht keinen Lärm.

Zum Goethe-Club kommen die Teilnehmer, weil es ihnen Spaß macht. Deswegen sind immer alle motiviert und möchten auch gerne sprechen und etwas lernen. Für mich ist das einfacher als an der Uni.

Gibt es in Kasachstan etwas, was Ihnen besonders gut gefällt?

Die Menschen in Kasachstan sind sehr aufgeschlossen, jedenfalls den Deutschen gegenüber. Man kommt schnell ins Gespräch und bekommt viele Einladungen. Ich habe mich nie unwillkommen gefühlt. Das gefällt mir.

Eine andere Perspektive auf den Deutsch-Klub hat Jesugechan Sabitow. Er hat uns seine Eindrücke als Teilnehmer geschildert.

Hallo, Jesugechan. Wie lange lernen Sie Deutsch?

Ich habe in der fünften Klasse angefangen, Deutsch zu lernen. Das bedeutet, dass ich bereits fünf Jahre meines Lebens dieser schönen Sprache gewidmet habe.

Wie hast du davon erfahren, dass es einen solchen Sprach-Klub gibt? Und warum hast du dich dafür entschieden, ihn zu besuchen?

Mein Mitschüler hat mir davon erzählt. Ich musste nicht lange überlegen, um “Ja” zu sagen. Warum? Weil ich immer “Ja” sage zu allem, was mir hilft, mein Deutsch zu verbessern. Außerdem bin ich immer auf der Suche nach neuen Bekanntschaften und Kontakten, nach neuen Wegen der Entwicklung.

Haben Sie sich etwas unbehaglich gefühlt, als sie das erste Mal da waren?

Nein. Ich war nach meinem ersten Besuch sehr beeindruckt. Bemerkenswert waren für mich die freundliche Atmosphäre und unser Lektor, Herr Torsten Kaesler, dem es perfekt gelang, Menschen unterschiedlichen Alters in einem solch freundlichen Team zusammenzubringen.

Aber nicht für alle Mitglieder war die erste Erfahrung positiv. Im Gegensatz zu Jesugechan erinnert sich Schachnosa Halmetova an ein mulmiges Gefühl, als sie am ersten Tag zum Sprach-Klub stieß: “Beim ersten Mal war ich total ängstlich. Ich weiß nicht, warum. Aber das Wichtigste ist, dass es nicht das letzte Mal war.”

Schachnosa, was denkst du: Hat dir der Deutsch-Klub geholfen, die Sprachbarriere zu beseitigen?

Ich habe keine Sprachbarriere. Ich bin immer aktiv und offen für Kommunikation. Ich habe keine Angst davor, Fehler zu machen oder nicht verstanden zu werden. Ich analysiere immer und ziehe Schlussfolgerungen aus meinen Handlungen.

Was kannst du Menschen empfehlen, die noch mit dem Deutschlernen anfangen möchten, aber Angst vor der Teilnahme an einem Deutsch-Klub wie dem vom DAAD haben?

Zuerst muss man sich ein Ziel setzen, für das man die Sprache lernen möchte. Dann sollte man jede Möglichkeit nutzen, die einem hilft, die eigenen Sprachkenntnisse zu verbessern: Nachhilfeunterricht, Sprachkurse, Kontakt mit einem Muttersprachler, Lieder, Filme, Bücher. Man sollte einen Plan aufstellen. Und wenn es einem wirklich wichtig ist, findet man auch Zeit, um Deutsch zu lernen. Der Weg zum Erfolg ist nicht leicht, er liegt hinter Tausenden von Hindernissen und Rückschlägen. Doch wer alle Schwierigkeiten überwindet, egal was passiert, wird das Ziel erreichen.

Darja Losa und Dilana Mustafajewa