Die großen Mai-Feiern, an denen traditionell Tausende Menschen in Kasachstan teilnehmen, müssen in diesem Jahr etwas anders begangen werden als sonst. Besonders für die alternative Umsetzung des 1. Mai – Tag der Einheit des Volkes Kasachstans – mangelt es aber nicht an kreativen Ideen.

Es ist ein Tag, der Menschen mit unterschiedlichem ethnischen und kulturellen Hintergrund zusammenbringen soll: Am 1. Mai feiern die Kasachen gemeinsam mit den Vertretern der anderen Ethnien im Land den „Tag der Einheit des Volkes Kasachstans“. Als eines der schillerndsten und farbenprächtigsten Feste wird dieses Ereignis traditionell mit großen Veranstaltungen, Tänzen und sportlichen Wettbewerben auf den zentralen Plätzen und Straßen aller Städte begangen.

Die ethnokulturellen Zentren, die verschiedene Bevölkerungsgruppen repräsentieren, sind dabei fest mit eingebunden. Sie nehmen am 1. Mai mehr als sonst die Aufgabe wahr, die kulturellen Besonderheiten, das Brauchtum und die Traditionen ihrer Ethnie für die anderen sichtbar zu machen und damit einen Beitrag zur gesellschaftlichen Vielfalt sowie zum gegenseitigen Respekt zu leisten. Der größte Festumzug findet üblicherweise in der Hauptstadt Nur-Sultan auf dem zentralen Buchar-Zhirau-Prospekt statt – benannt nach einem berühmten kasachischen Volksdichter und -sänger.


Video: Jekaterina Loychenko

Aufgrund der außergewöhnlichen Situation rund um die Corona-Pandemie können die Menschen in Kasachstan in diesem Jahr ihre Nationalfeste nicht so feiern, wie sie es gewohnt sind. Für den Tag der Einheit gilt dies ebenso wie für die Parade zum „Tag des Sieges“ am 9. Mai, die Präsident Tokajew bereits im März mit dem Auftreten der ersten Infektionsfälle in Kasachstan abgesagt hat. Allerdings bedeutet die Absage von Großveranstaltungen nicht, dass die Bürger Kasachstans ganz auf’s Feiern verzichten müssen. So versprach etwa die Kultur– und Sportministerin Aktoty Raimkulowa, dass ihr Ministerium eine ganze Reihe von Veranstaltungen für die Mai-Festtage vorbereitet habe. Diese fänden nun im Online-Format statt.

Große Resonanz auf Aufruf zu Musikwettbewerb

Auch die Volksversammlung Kasachstans hat sich etwas einfallen lassen, um den für sie besonders wichtigen Nationalfeiertag zu retten. Wie es der Zufall will, feiert Kasachstan in diesem Jahr noch das 175-jährige Geburtstagsjubiläum des Nationaldichters Abai Kunanbajew. Aus diesem Anlass hat die Volksversammlung eine Aktion zum Einheitstag am 1. Mai gestartet. Das Hauptstadtbüro der Organisation rief die ethnokulturellen Verbände in Nur-Sultan dazu auf, Werke des Dichters auf den Instrumenten zu spielen, die für ihr Volk charakteristisch sind. Als Erste nahmen die Usbeken in der Stadt die Herausforderung an und boten Kunanbajews Werk in kasachischer Sprache dar – begleitet vom Rubob, einem lautenähnlichen usbekischen Nationalinstrument.

Nach den Usbeken stimmten auch die ethnokulturellen Zentren der Juden, Kirgisen, Slawen und Deutschen mit eigenen Beiträgen in das virtuelle Konzert ein. Das berühmte Lied „Kosimnin Karasy“ von Abai erklang unter anderem auf der Domra, die im ostslawischen Kulturkreis verbreitet ist, und dem kirgisischen Komus. Beides sind Lauteninstrumente. Insgesamt wurden bis zum 28. April über 40 musikalische Beiträge eingereicht, die in den sozialen Medien unter den Hashtags #Abai175, #1МАМЫР, #Birlikkuni und #BizBirgemiz veröffentlicht werden.

Die Leiterin der Volksversammlung in Nur-Sultan Ljassat Kusainowa rief auch die Angehörigen weiterer Ethnien zur Teilnahme an dem kleinen Wettbewerb auf. Sie erinnerte daran, dass es in der Hauptstadt 130 Ethnien gebe, vertreten von 23 ethnokulturellen Verbänden. „In der Quarantäne möchten wir die Musik als Mittel nutzen, um über sie das schöpferische Werk aller Volksgruppen bei der Stärkung interethnischen Einklangs und Friedens wiederzugeben“, so Kusainowa.

Christoph Strauch

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