Es fing mit einem Scherz an. Jetzt ist es ernst. Aber niemand will es mir glauben. Ich habe eine Privatdetektei eröffnet, und jetzt machen sich alle Sorgen. Keine Ahnung, warum, aber die Reaktionen sind auch ohne Fälle schon spannend genug.

Und das war so: Meine Freundin wollte immer zum BKA und ich zum BND. Sie ist an den Klimmzügen gescheitert, ich an sonst was. Weil wir es aber für unsere Berufung halten, können wir es nicht lassen, das Detektivspielen. Und so habe ich dieses Jahr meiner Freundin zum Geburtstag einen Detektivkoffer schenken wollen. Aber Detektivkoffer ist was für Kinder, wir sind erwachsen, drum schenke ich ihr eine Detektei.

Und das war ganz einfach. Ich habe mich mit einer Ansprechpartnerin beim Gewerbeamt beraten, der Spaß kostete 20 Euro, der Eintrag des Gewerbes dauerte fünf Minuten, die Gestaltung der Homepage fünf Stunden, fertig! Dann noch ein paar Utensilien, Fachliteratur, und jetzt kann es eigentlich losgehen. Wir hatten zwischenzeitlich schon fünf Mitarbeiter, aber noch keinen Fall. Denn meine Bekannten, denen ich davon erzählte, wollten alle mitmachen. Eher mitspielen, wie sich nun herausstellt.

Zunächst war es lustig, beinahe jeder wäre gern Detektiv, was nicht so erstaunlich ist, da beinahe jeder gerne Krimis liest und fachmännisch miträtselt, wer der Mörder war. Elmer ist sofort in die Philip-Marlowe-Rolle verfallen, hat detektivisch geraucht und Whisky getrunken. Bevor ich ihm von der Detektei erzählt hatte, wollte er keinen Whisky trinken, unmittelbar danach wurden es dann ganze fünf! Man wächst mit seinen Aufgaben…

Zwei andere Kollegen fingen sofort an, die Umgebung zu observieren. „Julia, welche Fälle möchtest du übernehmen?“ fragte Youssef. Fälle gabs noch nicht zu verteilen, dafür aber andere Aufgaben. Als ich fragte, wer den Businessplan schreiben, wer die Gewerbeanmeldung vornehmen, wer die Steuerfragen klären und wer die Büroeinrichtung übernehmen wolle, duckten sich alle weg unter ihre gedachten Schlapphüte.

Als ich versehentlich in meinen ersten ungeahnten Fall taperte und meinen Kollegen aufgeregt davon erzählte, trat mein Team geschlossen den Rücktritt an. Im Flüchten zeigen sie hervorragende Kompetenzen, was man ja auch gut gebrauchen kann. Allerdings enthält das Geburtstagsgeschenk jetzt keine Mitarbeiter mehr. Auch egal.

„Ich würde lieber die lustigen Fälle übernehmen.“ sagte Youssef. Heute ging die Detektei an den Start, und die Reaktionen waren überraschend. Es kommt heraus, dass ALLE meine Freunde die Detekteieröffnung für einen Scherz gehalten haben. Schöne Freunde habe ich da, die mich nicht ernst nehmen! Mein Freund Dima macht sich ernsthaft Sorgen um mich. Auch er hatte gehofft, dass es nur ein Scherz sei. Am Anfang sei das lustig, doch dann würde das sehr übel.

Es würde schlecht auf mich wirken, weil es ein Job für Zyniker sei. Ich würde die Distanz zu den Fällen bzw. Kunden verlieren, und das würde mich auffressen. Später will er mit mir telefonieren. Bin gespannt, mit welchen weiteren Argumenten er aufwartet, um mich von dem zerstörerischen Job des Detektivs abzuhalten. Sicher, wie im Fernsehen zu sehen ist, bekommt man ab und zu einen auf die Nase, muss öfter mal schnell wegrennen, wenn man nicht gerade hinter jemandem herrennt, aber ich fürchte mich eher vor den Fällen, in denen wir treulose Ehemänner fotografieren oder Katzen von Bäumen holen sollen.

Mehr zu denken gab mir der ernst gemeinte Rat eines Ex-BND-Mitarbeiters und Berufsdetektivs, der sagte: Kein Humor im Detektivgewerbe! Na, wir werden ja sehen. Ich werde berichten.

Julia Siebert

15/01/10

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