Eine Europawoche startete am Sonntag, den 14. März, in Almaty mit einem festlichen Auftakt in der Schybek-Scholy-Straße, dem „Arbat“. Organisiert von der Europäischen Kommission, präsentierten sich die 25 Länder der Union mit Informationsständen entlang der Fußgängerzone. Tänze wurden vorgeführt, begleitet von einem Chor. Man konnte sich über Europa informieren, den Tag genießen, oder die Gelegenheit zum internationalen Austausch bei einem Bier nutzen.

Auf der Schybek-Scholy-Straße, der einzigen Fußgängerzone inmitten Almatys, ist mehr Publikumsverkehr als sonst. Von weitem hört man schon einen Chor singen, grüne Sonnenschirme säumen den Weg. Einige Menschen haben Plastikbecher mit Bier in der Hand, ein würziger Geruch von gegrillten Bratwürsten steigt in die Nase. Mädchen in bunten Trachtenkleidern lassen sich bereitwillig von Passanten fotografieren und lächeln in die Kameras. Auch der Schriftsteller Pavel Kohout, der anlässlich der Europawoche einen Vortrag hält, ist unter den schlendernden Besuchern. In Gesellschaft seiner Ehefrau und dem Leiter der Deutschen Botschaft, Gebhardt Weiss, witzelt er von der guten Atmosphäre beflügelt: „Wenn ich morgen noch lebe, dann halte ich den Vortrag in Almaty“, und zeigt auf sein halbleeres Becherchen mit Schnaps. Die Europäische Woche hat begonnen.

Einigkeit demonstrieren

Organisiert von der Europäischen Kommission unter der Leitung von Adriaan van der Meer, den Botschaften und dem Goethe-Institut Almaty, präsentieren sich die Länder Europas mit ihren Ständen. Neben dem Programm auf dem „Arbat“ werden anlässlich der Kulturwoche europäische Filme mit russischen Untertiteln bis zum Sonntag, dem 21. Mai, im Kino Caesar gezeigt. Im „Cafe Poetry“ gibt es einen Lyrik-Wettbewerb. Die Bedeutung des vielseitigen Festivals erklärt van der Meer: „Die EU zeichnet sich durch ihre große Diversität aus. Diese wollen wir in Kasachstan repräsentieren, und mit dieser Veranstaltung zeigen, dass man in und mit dieser Unterschiedlichkeit zusammenarbeiten kann. Sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht, als auch in kultureller. Es ist wichtig zu betonen, dass die europäische Identität gewachsen ist. Dabei wollen wir mit unseren kasachischen Freunden gemeinsam aktiv sein.“ Die Vertreter der europäischen Länder sind motiviert, geben bereitwillig Antwort auf die Fragen der Passanten. Am deutschen Pavillon informiert zum Beispiel der Akademische Austauschdienst (DAAD) über Sprachkurse. Die Resonanz ist groß, viele Menschen drängen sich vor den Tischen. Antje Krüger vom DAAD freut sich darüber: „Manche Leute packen alle Info-Broschüren ein, egal ob sie sie lesen können oder nicht.“

Die gute Stimmung zählt

Ein großes Plakat ziert die etwas erhöht stehende Tribüne. „Europäische Woche“ steht darauf, die Almatyer Bergkulisse ist ebenfalls abgebildet. Bevor dort das Programm startet, hält der österreichische Ratspräsident eine kurze Ansprache: „Kasachstan ist ein wichtiger Partner der EU. Das soll mit diesem Fest besonders spürbar werden.“ Der Applaus für das darauf folgende Ständchen eines Streichquartetts fällt kräftiger aus, als der für den Redner. Die Kultur und das Vergnügen stehen im Mittelpunkt des Festes, das wird schnell durch die gute Stimmung deutlich. Mädchen in griechischer traditioneller Kleidung laufen umher. In weißem Gewand, Kopftuch und roter Schürze warten sie aufgeregt, bis sie an der Reihe sind, ihren Tanz auf der Bühne vorzuführen. Ein Sprecher leitet schwungvoll durch die Veranstaltung, Jugendliche zeigen einen modernen Tanz mit komödiantischer Einlage zum Lied „Hit the road, Jack“. Dicht an dicht stehen die Zuschauer unter den wenigen Bäumen, de nur spärlich Schatten spenden. Trotz der großen Hitze klatschen sie unermüdlich mit.

Für das leibliche Wohl ist gesorgt, am griechischen Stand kann man Knoblaucholiven probieren, anderswo wird Kuchen gereicht. Bier, als deutsches Markenzeichen, darf natürlich nicht fehlen, und in der heißen Sonne dient es als willkommene Abkühlung. Das Gedränge der Menschen hält einige Jungen nicht davon ab, sich Platz zu erkämpfen und mit dem Ball auf eine Torwand zu schießen. Gegenüber lädt ein liebevoll mit Länderfähnchen geschmückter Buchbasar zum Stöbern ein.

„Rumgucken“ und sich informieren

Für jeden ist was dabei, obwohl die Besucher mit verschiedenen Motivationen zur Europawoche gekommen sind. So berichtet die Studentin Saure Jessirkejewa: „Internationale Veranstaltungen interessieren mich, weil ich an der Almatyer Weltsprachenuniversität studiere. Ich will mehr Informationen über die Länder bekommen und deren Kultur kennenlernen. Hier kann ich außerdem viele Menschen treffen, zu Hause sitzen ist mir zu langweilig.“ Der deutsche Ingenieur Horst Haberstroh will „nur ’rumgucken’, sich unterhalten und Informationen über Kulturzentren einholen“. Nicole Stoika aus Rumänien findet „alles interessant, aber den Pavillon unseres Landes am besten“.

So sprechen Almatyer Bürger, die in großer Anzahl gekommen sind, mit Rumänen, Franzosen und Spaniern. Als Plattform für den Dialog zwischen den Ländern ist die Europawoche ein Erfolg. Die Fußgänger, mal Bratwurst, mal Samsa kauend, stehen vor den Ständen und blättern in Broschüren, oder unterhalten sich, manche gestikulieren wild und lachen dabei. Ein klein wenig Europa ist auf dem „Arbat“ greifbar, auch wenn die Bratwurst dick mit Mayonnaise und nicht mit Senf bestrichen ist.

Von Eva Hotz

19/05/06

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