Im Blickpunkt der europäischen Zeitungen stand in dieser Woche die Debatte über den für 2007 geplanten Beitritt Rumäniens und Bulgariens zur Europäischen Union.

BASLER ZEITUNG

„Es sieht danach aus, dass Rumänien und Bulgarien der EU im Jahr 2007 beitreten werden. Zwar listet die EU-Kommission in ihrem Bericht noch gravierende Mängel auf. Dass sie sich bis Oktober, wenn die Kommission mit ihrer Empfehlung den definitiven Entscheid der Regierungschefs vorspurt, noch entscheidend beheben lassen, erscheint unwahrscheinlich. (…) Weil man sich an die gegebenen Versprechen halten will, wird bei der Erfüllung der Kriterien ein Auge zugedrückt.“

LE MONDE (Paris)

„Eile tut not, und deswegen gilt es abzuwarten. Dies ist die Empfehlung der Brüsseler Kommission an die Staats- und Regierungschefs der EU. (…) Das Abwarten der Kommission spiegelt die Fragen der Europäer über den gesamten Erweiterungsprozess wider. Bei den Referenden in Frankreich und den Niederlanden sind zumindest Zweifel deutlich geworden. (…) Bulgarien und Rumänien könnten die ersten Opfer dieser Zweifel sein.“

LUXEMBURGER WORT

„Bulgarien und Rumänien stoßen erst 2007 zur EU, weil fünf Jahrzehnte sozialistischer Misswirtschaft in diesen Ländern tiefere Wunden hinterlassen haben als anderswo jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs. Zusätzlich tobten in unmittelbarer Nähe der beiden EU-Neulinge die jugoslawischen Erbfolgekriege. Auch wenn mittlerweile die Waffen schweigen, ist der westliche Balkan von politischer und wirtschaftlicher Stabilität noch weit entfernt. Der EU-Beitritt Bulgariens und Rumäniens wird den gesamten Balkan stabilisieren und die Regierungen in Belgrad, Podgorica, Pristina, Tirana und Sarajevo mittelfristig an die EU heranführen.“

THE INDEPENDENT (Großbritannien)

„Auf eine Art hatten Bulgarien und Rumänien wenig Glück. Indem sie die große Erweiterung verpassten, die die baltischen Staaten und die meisten früheren Mitglieder des verblichenen Warschauer Paktes in die EU brachte, waren beide Länder im Nachteil. Die Entscheidung, ihnen mehr Zeit für die Einhaltung der EU-Bedingungen abzuverlangen als zum Beispiel den baltischen Staaten, war richtig. Aber auf diese Weise wurden sie von der Welle der Euphorie abgeschnitten, die nach dem Ende des Kalten Krieges entstand.“

GUARDIAN (Großbritannien)

„Es war immer klar, dass diese beiden weiteren ehemals kommunistischen Länder, die ärmer als die große Mehrheit sind und immer noch unter den Altlasten von Nicolae Ceausescu und Todor Schiwkow zu leiden haben, ein wenig länger warten müssen. Es ist bemerkenswert, dass sie jetzt so nahe dran sind. Ceausescu und Schiwkow würden ihren Ohren nicht trauen, wenn sie dies hören würden.“