Ajgerim Batyrbekowa nutzte die vom Projekt der Robert Bosch Stiftung „Frag deine Oma“ gebotene Chance, sich der Geschichte ihres Großvaters zu nähern, der sich vom begeisterten Soldaten zum begeisterten Gärtner wandelte. Das Interview führte sie mit ihrer Mutter.

Im Jahr 1930 überließ Batyrbek seine Felder und Haustiere freiwillig der Staatsregierung. Er war ein reicher Mann im Dorf Kara-Darja. Danach begann seine Tätigkeit in einer Kolchose-Farm. Batyrbek arbeitete viel und gut. „Mein Opa zählte zu den aktiven und ehrlichen Arbeitern der Kolchose”, sagt die Enkelin des Mannes, die fünfzigjährige Dschyldys Batyrbekowa.

An einem Tag des Jahres 1932 kamen Polizisten und nahmen Batyrbek fest. Obwohl er seinen Reichtum freiwillig abgab, ordnete die Regierung im Zuge der sogenannten Entkulakisierung Vergeltungsmaßnahmen gegen ihn an. „Mein Vater, Kainar Batyrbekow und Großmutter Pasilat waren allein geblieben“, erzählt Dschyldys. Sie ist Schneiderin von Beruf, lebt in Dschalalabat und ist Mutter zweier Töchter.

1942 studierte der Sohn Batyrbeks, Kainar Batyrbekow, an der pädagogischen Fachschule in Dschalalabat. Er war 17 Jahre alt, und es war die Zeit des Zweiten Weltkriegs. „Mein Vater hatte gelogen und gesagt, dass er bereits 18 Jahre alt sei. Er wollte so früher an die Front gehen”, fügt Dschyldys hinzu. Kainar wurde Panzerfahrer während des Krieges und verbrachte ein Jahr in Europa als Offizier.

1946 kam er nach Hause zurück und heiratete Malika. Malika kam aus Usbekistan und wollte ihrem Vater auf dem Basar behilflich sein. Sie war 20 Jahre alt, als sie geraubt wurde. „So ist unsere Familie entstanden”, kommentiert Dschyldys Batyrbekowa.

1947 stand Kainar Batyrbekow wieder als Soldat im Dienst der sowjetischen Streitkräfte in der Mandschurei und in der Mongolei. Nach dem Krieg kam er zurück nach Hause und begann ruhiger zu leben. Er hat in seinem Heimatland in vielen unterschiedlichen Bereichen gearbeitet. „Dienstlich reiste er viel in die Nachbarländer”, sagt die Tochter des Soldaten. Kainar erzählte immer den Kindern, dass die Städte in Usbekistan die schönsten in Zentralasien seien.

Der Kriegsveteran mochte Gärten und Blumen. Zu Hause übte er sich im Gärtnern und machte viele Versuche mit Blumen und Bäumen. „Deswegen hatte er den Spitznamen ‚Mitschurin‘”, erinnert sich Kainars älteste Tochter.

Kainar erzog seine Kinder zu Ehrlichkeit, Herzensgüte und Hilfsbereitschaft. Er sagte den Kindern, dass alle ihre Vorfahren gute und liebenswerte Menschen waren. „Darum verlangte er von uns, dass die nächste Generation ebenso sein sollte”, kommentiert Dshyldys Batyrbekowa.

Von seinen Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg erzählte er nicht viel. Er fand, dass Krieg eine grässliche Erscheinung in der Welt ist. Er wünschte niemandem den Krieg zu erleben. Der mit 60 Jahren gestorbene Veteran und Vater zweier Söhne und zweier Töchter wollte die Menschen nicht in Nationalitäten und Rassen teilen. Wenn es alle so täten, gäbe es vielleicht keinen Krieg mehr in der Welt.

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