Sucht man bei winterlichen Minus 15 bis 20 Grad Kälte eine sichere und angenehme Obhut, ist die Entscheidung, sich in ein Sanatorium zu begeben, sicherlich eine gute Idee. So bietet beispielsweise das Kurhaus „Koktem“ in Almaty, wie das kasachische Wort selbst sagt, einen „frühlingshaften“ Aufenthalt, und man kann außerdem den stressigen grauen Alltag in Almaty für eine Weile hinter sich lassen.

Nicht weit von Almaty, am Fuße des Tienschan auf 1.100 Metern Höhe, sind die Tore des Kurhauses „Koktem“, auf Deutsch „Frühling“, für jedermann geöffnet. Für umgerechnet 15 bis 35 Euro pro Nacht, je nach Kategorie, kann man sich so richtig verwöhnen lassen. Das vor etwa 15 Jahren eröffnete Sanatorium ist mit Eisengittern umzäunt und sorgt damit samt Wachpersonal für die Sicherheit seiner Kurgäste.

Die Kurtaxe beinhaltet zunächst die Unterbringung in einer hotelähnlichen Anlage im Doppelzimmer mit Balkon, ausgestattet mit Dusche/Toilette, Farbfernseher, Telefon und Kühlschrank. Die so genannte Deluxe-Kategorie verfügt über zwei Zimmer und ein etwas luxuriöseres Bad sowie Möbel höherer Qualität. Ein Ärzteteam und medizinisches Personal versorgen die Kurgäste. „Wir haben sehr sorgfältig hoch qualifizierte Ärzte ausgesucht, als wir im Jahre 1991 unser Sanatorium eröffnet haben“, versichert Generaldirektor Jergalym Altynbekow.

Große Palette für die Gesundheit

„Derzeit stehen zehn Ärzte verschiedener Fachrichtungen zur Verfügung, die sich bei Atemwegserkrankungen, Problemen im Magen-Darm-Trakt oder bei den Bewegungsorganen auskennen. Auch Patienten mit Herzbeschwerden sowie urologischen oder gynäkologischen Erkrankungen sind bei uns bestens aufgehoben“, fügt er hinzu. Eine große Palette von gesundheitsfördernden Maßnahmen können die Kurgäste täglich in Anspruch nehmen. Für den besten Kurerfolg wird von den Ärzten ein Aufenthalt von zehn bis 20 Tagen empfohlen.

„Der Schwerpunkt und sozusagen die Grundlage fast aller Behandlungen bei uns ist das hochwertige Mineralwasser, das aus einer Tiefe von 2.350 Metern strömt und bis zu 44 Grad warm ist“, erklärt Direktor Altynbekow. „Das ist das A und O unseres Sanatoriums. Um die wohltuenden Therapien gerade mit dem Mineralwasser zu erleben, kommen unsere Kurgäste nicht nur aus der Umgebung von Almaty hierher, sondern aus ganz Kasachstan. Man gönnt sich sonst nichts!“, hebt er diese Tatsachen stolz und lächelnd hervor. Das Sanatorium „Koktem“ kann bis zu 330 Gäste beherbergen.

Im „Koktem“ möchte man für alle da sein und bezahlbares Kuren anbieten. „Wir wollen unsere Preise stabil halten und das Geld, das wir verdienen, unter anderem in Renovierungsarbeiten, Weiterbildungskurse für unser Personal und für Neuerungen reinvestieren“, betont Direktor Altynbekow.

Pilgerreise durch die Vorzimmer

Nachdem der neuangekommene Kurgast sein Quartier bezogen hat, geht es als erstes zu einer gründlichen Konsultation, bei der die Ärzte verschiedene Untersuchungen, Behandlungen oder längere Therapien verordnen. Darauf folgt dann eine kleine „Pilgerreise“ von einem Vorzimmer zum nächsten innerhalb des dreistöckigen Gebäudes. Die Schwestern notieren die verordneten Behandlungen und tragen den jeweiligen Behandlungstermin in ein kleines Heft ein. Das Büchlein wird dann zum ständigen Begleiter während des Kurens und ist vor jeder Behandlung vorzulegen.

Zu einer der Attraktionen des Sanatoriums gehört die „Salzhöhle“. Dort versammeln sich täglich für 15 bis 20 Minuten Patienten mit Atemproblemen wie beispielsweise chronischem oder Bronchialasthma. Man sagt, es gibt kaum einen Almatyer, der wegen der hohen Luftverschmutzung, insbesondere in den Wintermonaten, Probleme der Atemorgane nicht kennt. In einem naturgetreu aus Steinen nachgebildeten etwa 15 Quadratmeter großen Raum sitzt man dann auf Holzbänken in mönchsähnlichen Kutten. Diese Spezialkleidung ist erforderlich, um den Körper und die Bekleidung vor dem aus der Wand strömenden Salzdampf zu schützen. Beim tiefen Ein- und Ausatmen dringen dann die ebenfalls mit Mineralwasser vermischten Salzdämpfe bis zu den kleinsten Bronchien vor und reinigen bzw. beruhigen sie. Um diese Therapie zu unterstützen, wandert man anschließend in einen anderen Raum, wo ein so genannter Negativ-Ionisator steht, der nicht nur die Lunge, sondern auch die Nerven beruhigen soll. Dort sitzt man entspannt etwa zehn Minuten lang. Diese zwei medizinischen Anwendungen sollen dann mit der Zeit die Atemorgane gegen diverse Allergene immun machen, die sonst dort die Entzündung hervorrufen und somit die Bronchien verengen.

Für weitere Entspannung sorgt dann das tägliche halbstündige Badevergnügen in den für Männer und Frauen getrennten Schwimmbädern mit 35 Grad Celsius warmen Thermalwasser. Um dorthin zu gelangen, muss man sich allerdings einem Bluttest unterziehen, um Haut- oder Geschlechtskrankheiten auszuschließen. Neben den Schwimmbädern steht dann aber auch eine finnische Sauna gegen einen Aufpreis von 1.600 Tenge oder umgerechnet 10 Euro pro Stunde von morgens neun Uhr bis Mitternacht offen. Viele Kurgäste reisen entweder mit Familienangehörigen oder Freunden an, so dass die Sauna auch von bis zu vier Personen gemeinsam benutzt werden kann. In dem Saunakomplex steht außerdem noch ein Tauchbad, ebenfalls mit Mineralwasser, und ein gemütlicher Ruheraum, ausgestattet mit bequemen Möbeln, Essgarnitur und Kühlschrank.

Finnisches Saunieren gegen Aufpreis

Dort kann man sich wiederum nach der Sauna mit einem kalten Bier oder Obst erfrischen. Um allerdings einen Platz in der Sauna zu ergattern, sollte man sich rechtzeitig am besten gleich zu Beginn der Kur für mehrere Termine entscheiden.

Wer seinen Verdauungsorganen etwas Gutes tun möchte, der wählt eine aus zwei Sitzungen bestehende Entschlackungskur. Man muss zwar dabei auf das Frühstück verzichten, nachdem dann aber die Gedärme mit lauwarmem Mineralwasser durch mehrfachen Einlauf gereinigt wurden, fühlt man sich wie neugeboren.

Außerdem ist natürlich die klassische Heil- und Unterwassermassage im Angebot. Diese fördert die Durchblutung im ganzen Körper, und der kräftige Wasserstrahl intensiviert dann die Lymphdrainagezirkulation und beruhigt das vegetative Nervensystem.

Für ausreichendes Essen und Trinken sorgt das Küchen- und Bedienungspersonal im Restaurant des Sanatoriums. In den drei Speiseräumen, in denen die Kurgäste je nach gebuchter Kategorie aufgeteilt sind, bekommt man eine Palette von diversen mittelasiatischen Spezialitäten geboten. Das Menü, auch wenn es für europäische Geschmäcker manchmal ungewohnt ist, soll sehr gesund sein. Direktor Altynbekow beteuert: „Bei uns kennt man keine Dosenware oder Konservierungsstoffe. Wir kaufen alles von umliegenden Bauernhöfen und sorgen dafür, dass das Essen den Kriterien einer gesunden Ernährung entspricht.“ Während des Mittagsessens wählt man zwei Tage im Voraus das Menü von der Speisekarte. Geflügel- oder Lammfleisch, Kartoffelpüree oder Reis als Beilage, sowie diverse Salate werden täglich sowohl zum Mittags- als auch zum Abendessen, nicht selten aber auch zum Frühstück, serviert. Kefir oder die berühmte Kamelmilch, die Schubat, darf abends nie fehlen.

Auch Tierfreunde kommen im Park des Sanatoriums auf ihre Kosten. Die auf dem Sanatoriumsgelände herumlaufenden Katzen und völlig harmlosen Hunde lassen sich von den Essensresten, die man ohne weiteres vom Mittags- oder Abendtisch mitnehmen darf, gerne verwöhnen.

Zum Frisör vor der Kurdisko

Und noch etwas: Für die Damen, die zusätzlich auch etwas für ihr Äußeres tun wollen, um beispielsweise im Speisesaal oder in den Abendstunden bei der im Flur improvisierten Diskothek schick auszusehen, steht täglich ein Friseursalon zu Diensten. Es befinden sich außerdem ein kleiner Lebensmittelladen und ein Kiosk sowie ein Zeitungsstand im Gebäudekomplex.

Direktor Altynbekow möchte aber noch mehr für seine Kurgäste tun. Er ist dabei, mehrere Räume renovieren und herrichten zu lassen, um diese für Fitness, Billardtische, oder einfach für gemütliche Stunden beim Schachspielen anzubieten. Sein Sanatorium ist zwar für mehrere Wochen, ja Monate im Voraus ausgebucht, er würde es aber durchaus begrüßen, wenn Interessenten auch aus dem Ausland kämen. „Dann werden wir einfach unsere Informationen beispielsweise ins Deutsche übersetzen lassen und Dolmetscher zur Verfügung stellen, Service muss sein“, blickt er optimistisch in die Zukunft. „Aber um sich von unseren Dienstleistungen ein reales Bild machen zu können, kommen Sie am besten selbst“, empfiehlt er.

Von Josef Bata

10/03/06

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