Im vorösterlichen Deutschland dieses Jahres beherrscht ein Thema wesentlich die öffentliche Diskussion: die Energiepreise und die Energieversorgung der Zukunft. Anlass für die meisten kleinen Leute sind die ständig steigenden Energierechnungen, die für manchen Haushalt schon die Grenze der maximalen Belastung erreicht haben.

Ein Liter Benzin kostet jetzt etwa 1,40 Euro, die Gaspreise sind zum vierten oder fünften Mal in den letzten 12 Monaten angehoben worden, diesmal um etwa 15 Prozent. In den Massenmedien haben Hinweise und Diskussionen zum Energiesparen Hochkonjunktur. Die Politiker auf der Ebene der EU und der G8 diskutieren das neue, alte Thema der energetischen Sicherheit wieder, die deutsche Energiewirtschaft hat der Kanzlerin versprochen, in relativ kurzer Zeit 60 Mrd. Euro in die Sicherung der Energieversorgung Deutschlands zu investieren. Energiesparberatungen  und die Produzenten von energiesparenden Geräten, von Messeinrichtungen und von Technik für die Nutzung regenerativer Energieträger haben Höchstkonjunktur. Die Käufer von Sonnenkollektoren z.B.  müssen je nach Typ bis zu zwölf Monate auf die Lieferung warten, die Preise steigen infolge der hohen Nachfrage auch hier. Der deutsche Staat hat wieder umfangreiche Subventionsprogramme aufgelegt, um vor allem Energieeinsparung und die Nutzung regenerativer Energiequellen zu beschleunigen. Das Schöne dabei ist, das die Bevölkerung auch mitmacht. Zwar ist die Energieintensität der deutschen Produktion im Vergleich z.B. mit der Kasachstans bereits viermal geringer, und die deutsche Wirtschaft verbraucht trotz steigender Produktion absolut immer weniger Energie, dennoch gibt es natürlich Reserven. Zunehmend gerät die einfache Wahrheit in das Bewusstsein vieler Menschen, dass die fossilen Brennstoffe endlich sind. Einmal eingesetzt, kehren sie im Unterschied z.B. zu Metallen nicht mehr in den Wirtschaftskreislauf zurück.
Die hohen Energiepreise sind zwar kurzfristig für die europäische Wirtschaft nicht unproblematisch, langfristig aber eine große Chance. Sie stimulieren die Suche nach Möglichkeiten der Energieeinsparung ohne Komfortverlust, sie machen neue technische Möglichkeiten der Energieerzeugung schneller rentabel, sie treiben mit Macht den Strukturwandel in der Energieversorgung voran. Großflächig entsteht industriell nutzbares Know-how, dass auf vielen Märkten der Welt gefragt ist. Der technologische Vorsprung Europas und anderer Industrieländer wird so weiter steigen. Die niedrigen Energiepreise in Kasachstan und anderen energiefördernden Staaten dürften langfristig eher ein Nachteil, denn ein Vorteil für diese Länder sein. Ganz zu schweigen davon, was der Natur durch die alltäglich gewaltige Verschwendung von begrenzten Ressourcen und dem Heizen des Himmels über die geöffneten Fenster antun. Höhere Energiepreise auch im Energieland Kasachstan wären ein Fortschritt. Die sozialen Aspekte könnte man regeln. Notwendig wäre aller-dings auch hier zuerst eine Bewusstseinsänderung. Diese erkenne ich allerdings auch in Ansätzen nicht.

Bodo Lochmann

21/04/06

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