Soya Falkowa versuchte mit ihrer Soundinstallation die Menschen auf das Thema Klimawandel und Gletscherschmelze aufmerksam zu machen. Über ihre Motive und Ideen spricht sie im Interview.

Das Goethe-Institut stellte dir die Gletschertöne bereit, die auf der Expedition zum Tujuksu-Gletscher aufgenommen wurden. Was hat dich zusätzlich dazu zu deinem Projekt „Orchester der schmelzenden Gletscher“ inspiriert?

Die eigentliche Idee war eine ganz andere. Doch als ich begann, das grobe Konzept dafür zu erstellen, hatte ich urplötzlich eine andere Idee, woran ich sofort zu arbeiten begann. So ist alles entstanden.

Deine Installation „Orchester der schmelzenden Gletscher“ hat einen sehr interaktiven Charakter. Welche Reaktion von Besuchern darauf hat dich am meisten erstaunt?

Das war bereits in der Installationsphase. Die Arbeiter, die sich normalerweise nicht weiter für Kunst interessieren, sprangen unter der Installation herum und spielten damit, um Töne zu erzeugen. Das fand ich sehr erstaunlich, aber letztlich bestätigte dies meine eigentliche Absicht – Menschen zu erreichen und ihnen Raum zu geben.

Wie intensiv hast du dich bereits vor der Teilnahme am „Gletschermusik“-Projekt mit der Thematik der schmelzenden Gletscher in der Region auseinandergesetzt?

Dies ist bereits das dritte Projekt zu Umweltfragen, an dem ich teilgenommen habe, und das vom Goethe-Institut veranstaltet wurde. Außerdem engagiere ich mich stark in der zivilgesellschaftlichen Bewegung „Schützt Kok-Schailau”, die versucht, den Bau eines Skiresorts im Kok-Schailau-Tal zu verhindern. Diese Initiative hängt letztlich auch stark mit der Problematik der schmelzenden Gletschern in der Region zusammen.

Eines der Hauptziele des „Gletschermusik“-Projektes ist die Schärfung des Bewusstseins für Umweltprobleme und speziell für die schmelzenden Gletscher in Zentralasien. Welchen Beitrag kann Kunst dabei leisten?

Bewusstsein ist vergleichbar mit einem Virus, der sich Tropfen für Tropfen weiter verbreitet. Das ist zwar ein langsamer Prozess, der aber irgendwie angestoßen werden muss. An diesem Punkt spielt Kunst eine signifikante Rolle. Es geht darum, Menschen kreativen Raum zu geben, in dem sie möglicherweise Antworten auf Fragen finden können oder einfach Stimuli, um bestimmte Themen neu zu überdenken. In diesem Kontext besteht die Möglichkeit, Menschen auf einer spielerischen Ebene zu erreichen, auch wenn es sich um schwierige und komplexe Themen handelt.

Was wird die Zukunft für die Gletscher Zentralasiens bringen?

Ich habe gemischte Gefühle. Ich denke aber, dass es das indianische Sprichwort am besten beschreibt: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“ Der Planet tendiert bereits jetzt zu instabilen Bedingungen. Zwei Grad Celsius globaler Erwärmung mögen nicht viel sein, aber die Auswirkungen, die sich daraus auf Gletscher ergeben sind außerordentlich desaströs. Auch wenn Menschen beginnen, für solche Umweltprobleme Sorge zu tragen, dann nicht aus altruistischen Gründen, sondern aus ihrem Eigennutz heraus – wo wir wieder bei dem Sprichwort gelandet wären! Vielen Dank für das Gespräch. (Goethe-Institut)

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