Ideen zu Kasachstans Energiewende

Sanzhar Kettebekov, Geschäftsleiter von Almaty Tech Garden, spricht über die Herausforderungen für Kasachstans Energiewende.
Sanzhar Kettebekov, Geschäftsleiter von Almaty Tech Garden, spricht über die Herausforderungen für Kasachstans Energiewende. | Foto: kas.de

Bei einer Podiumsdiskussion, die sich mit der Energiewende Kasachstans auseinandersetzte, ergaben sich innen- sowie außenpolitisch diverse Vorschläge.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) veranstaltete gemeinsam mit dem Europäischen Zentrum für Energie- und Ressourcensicherheit (EUCERS) vom King’s College London und dem Autonomous Cluster Fund „Park of Innovative Technologies“ eine Podiumsdiskussion zum Thema „Innen- und geopolitische Herausforderungen für Kasachstans Energiewende“. Teilnehmende waren Staatsvertreter aus Kasachstan und Europa, Vertreter der Energieindustrie und internationaler Organisationen sowie Fachleute aus professionellen und akademischen Kreisen.

Ziel der Veranstaltung war es, einen Austausch zwischen Vertretern verschiedener Länder und Hintergründe zu ermöglichen, die Schaffung einer Ideenfabrik und eines Expertennetzwerkes in Asien mit Europa voranzutreiben, den Weg für weitere transregionale Kooperationen zu ebnen, nachhaltige regionale Entwicklungen zu fördern und zu einer langfristigen umweltfreundlichen Energiepolitik und –sicherheit beizutragen.

Weltweite Hoffnung

Im ersten Teil der Podiumsdiskussion sprachen Experten aus Kasachstan, Deutschland, Asien und der Europäischen Union über die regionalen Herausforderungen für Kasachstans Energiewende. Schon in den Einleitungen wurde immer wieder betont, wie viel Potenzial Kasachstan besitzt. Selbstredend wurde auch die EXPO 2017 mit dem Thema „Future Energy“ von allen Sprechern miteinbezogen. Die Hoffnung, dass dadurch weltweit Aufmerksamkeit auf eine dringend notwendige globale Energiewende erregt wird, ist groß.

Kohleverwendung eindämmen

Das Ziel der Energiewende: Eine niedrigere Abhängigkeit von den sicherheitspolitisch heiklen Öl- und Gasreserven.
Das Ziel der Energiewende: Eine niedrigere Abhängigkeit von den sicherheitspolitisch heiklen Öl- und Gasreserven. | Foto: wikimedia.org

Auch Kasachstans enorme Erdöl- und Erdgasreserven wurden immer wieder angesprochen – meist in einem Zug mit dem riesigen, einstweilen weitestgehend noch nicht ausgeschöpften Potenzial an Wind- und Sonnenenergie. Professor Dr. Friedbert Pflüger, Direktor des EUCERS am King’s College London, hat jedoch betont, dass es angesichts des derzeitigen Energiemixes von Kasachstan (zu 56% auf Kohle basierend) nicht nur wichtig ist, nach erneuerbaren Energien zu suchen, sondern insbesondere die Kohleverwendung einzudämmen.

Dr. Pflüger hat den Rückgriff auf Gas statt auf Kohle und die generelle Modernisierung der Kohlekraftwerke vorgeschlagen – mit Verweis auf deutsche Technologie.

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Ideen und Wirklichkeit

Mehrmals wurde betont, dass es viele Ideen gibt, die nur mithilfe entsprechender Zusammenarbeit umgesetzt werden können – der Fokus lag hierbei am Ausbau alternativer Energien und natürlicher Energiespeichersysteme. Insbesondere von deutscher Seite wurde die Wichtigkeit der internationalen Kooperation und die Bereitwilligkeit, Investitionen zu tätigen, immer wieder hervorgehoben.

Es wurde ebenso an die kasachstanischen Vertreter appelliert, das Wissen Deutschlands bzw. Europas anzunehmen, welches bereitwillig zur Verfügung gestellt wird. Denn dass eine globale Energiewende dringend notwendig ist, sei bekannt – es sei aber auch klar, dass niemand so eine immense Aufgabe allein bewältigen könne, so Jörn Rosenberg, Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Almaty. Laut dem Generalkonsul sei vor allem ein besonders enger Dialog zwischen Regierungen und Zivilbevölkerungen vonnöten.

Investitionsattraktivität

Dr. Joachim Lang, der Hauptgeschäftsführer des BDI, verwies auf wertvolle Lektionen, die von der EU gelernt werden können und die verhindern können, dass bei Kasachstans Energiewende dieselben Fehler noch einmal begangen werden. So sollte man zum Beispiel nicht zu viele Ziele auf einmal verfolgen – CO2 reduzieren und aus der Atomenergie aussteigen und im Energiesektor importunabhängig werden –, sondern vielmehr Kompromisse eingehen.

Der zweite Teil des Workshops setzte sich mit den Themen Energiemarktintegration, Handel und regionale Stabilität auseinander. Dr. Anatole Boute, Professor an der Chinese University Hong Kong, stellte zunächst fest, dass öffentliche Subventionen immer notwendig sind, um die Produktion von erneuerbarer Energie zu ermöglichen, da diese sonst im Vergleich zu fossilen Energiegewinnungsquellen wirtschaftlich unrentabel seien. Dabei ist für etwaige Investoren die Verlässlichkeit seitens des Subventionsgebers, also der Regierung, von besonderer Wichtigkeit. Anhand zahlreicher Beispiele in der EU wird ersichtlich, dass zugestandene Subventionen und Begünstigungen keineswegs immer garantiert sind, was Investoren skeptisch stimmt. Kasachstan ist laut Boute jedoch in dieser Hinsicht gut aufgestellt, da es sich an internationale Handelsgesetze bindet und potenziellen Investoren weitreichende Garantien gewährt. Dies bedeutet, dass das Land im Bereich der erneuerbaren Energien als relativ investitionsattraktiv erscheint.

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Außenpolitische Uneinigkeit

So klar der innenpolitische Abschnitt der zweiten Sitzung war, so kompliziert erschien der außen- und geopolitische Teil. Frank Umbach, Direktor des EUCERS, erläuterte die wichtige Rolle der EU als zweitstärkster Handelspartner Kasachstans nach China und ihre Bemühungen um die Diversifizierung der Energiequellen inner- sowie außerhalb der EU. Dabei betonte er, dass die anderen wichtigsten Handelspartner des Landes, China und Russland, an solch einer Diversifizierung der Energiewirtschaft nicht interessiert seien. China kontrolliere etwa 40 Prozent der kasachischen Öl- und Gasreserven, während das „nullsummenüberzeugte“ Russland, das der Ansicht sei, dass es bei jedem Beschluss Gewinner und Verlierer gibt, die Eurasische Wirtschaftsunion als Erweiterung seiner politischen und militärischen Kräfte zu einer echten wirtschaftlichen Integration nutze. Die EU sei jedoch an einer Diversifizierung der Energieressourcen in Kasachstan interessiert, um sich von den politisierten fossilen Ressourcen entfernen zu können. Auf der kasachstanischen Seite versuchte man, politische Statements zu vermeiden. Sanzhar Kettebekov, Geschäftsleiter von Almaty Tech Garden, nannte etwa die Ereignisse in der Ukraine nach dem Assoziierungsabkommen mit der EU als warnendes Beispiel, das nicht zu wiederholen sei.

Alles in allem bekam man während der gesamten Konferenz den Eindruck, dass die deutsche Seite geradewegs dazu erpicht war, den kasachstanischen Vertretern ihr Knowhow weiterzugeben, um nicht zu sagen, ihnen ihr Wissen und ihre Erfahrungen aufzudrängen. Die kasachstanische Seite wiederum, schien die Lehrstunde der Deutschen nur widerwillig anzunehmen. Was die Redezeiten während des von der Konrad-Adenauer-Stiftung veranstalteten Workshops betrifft, so waren die Deutschen eindeutig im Vorteil. Dazu ist allerdings auch anzumerken, dass die Vertreter Kasachstans, die zu Wort kamen, eher allgemein über den aktuellen Energiemix in Kasachstan sprachen und kaum konkrete Vorschläge für die Realisierung der kasachstanischen Energiewende einbrachten.

Ob die von deutscher Seite eingebrachten Ideen zur „Vergrünung” der kasachstanischen Energiewirtschaft Implementierung finden werden, bleibt abzuwarten. Die Anzahl der bevorstehenden Herausforderungen ist groß – Industrie diversifizieren und upgraden, widerstandsfähiger gegenüber externen Faktoren werden, Importe verringern, Konsumverhalten ändern, neue Regeln und Regierungsinstitutionen schaffen.

David Živković, Claudia Schwaiger