Auf dem richtigen Weg? Kooperation zur Energiewende

Beispiele für Best Practice im kasachischen Pavillon in Sachen erneuerbare Energien.
Beispiele für Best Practice im kasachischen Pavillon in Sachen erneuerbare Energien. | Bild: Julia Popowa

„Energy on Track – Energie auf dem richtigen Weg“ lautet das Motto des deutschen Pavillons auf der diesjährigen Expo in Astana. Auf über 1.700 Quadratmetern werden Exponate zu aktuellen Entwicklungen rund um Geothermie, Biomasse, Wasserkraft, Solar- und Windenergie ausgestellt. Einen Schwerpunkt bilden Smart Grids, intelligente Netze, die für eine breitere Nutzung regenerativer Energien unabdinglich sind. In einem Bereich des Pavillons zeigt das Fraunhofer-Institut sogar, dass unter bestimmten Voraussetzungen bereits heute eine Versorgung nur mit regenerativen Energien in Deutschland möglich wäre. Die Energiewende „made in Germany“ – ein Vorbild für die über 100 anderen Ausstellerländer?

Wenn es nach dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geht, lautet die Antwort ganz eindeutig: ja. Mit seiner Energieausrichtung hätte Deutschland bereits international eine Vorreiterrolle eingenommen und sei auch beim Ausbau erneuerbarer Energien führend. Von den aktuellen Skandalen rund um die deutsche Autoindustrie sowie dem verschleppten Ausstieg aus dem Kohleabbau einmal abgesehen, muss sich dieses „Ja“ auch an der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern messen. Was läge da näher, als den deutschen Einfluss auf Kasachstans Energiewandel genauer zu betrachten.

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Zieht man die Außenhandelsbilanz der beiden Länder zurate, fördert Deutschland bislang Industrien, die nicht unbedingt im Zusammenhang mit neuen Energien stehen. Erdöl und Erdgas sind mit Abstand der größte Posten kasachischer Exporte nach Deutschland, gefolgt von Metallen und chemischen Erzeugnissen. Im letzten Jahr stieg Kasachstan damit sogar zum fünftgrößten Öllieferanten Deutschlands auf. Die sehr energieintensive Industrie Kasachstans wird durch Strom betrieben, der überwiegend aus Kohle erzeugt wird. In einer Antwort auf eine kleine Anfrage im Bundestag zeigt die deutsche Bundesregierung zumindest, dass dieses Problem erkannt wurde: Ein Schwerpunkt der bilateralen Zusammenarbeit sei das Erzielen einer höheren Energieeffizienz in der Schwerindustrie; ferner würden auch Unternehmenskooperationen im Sektor Erneuerbare Energien gefördert. Über Informationsveranstaltungen hinausgehende, konkrete Vorhaben wurden allerdings nicht aufgezeigt.

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Das bislang größte gemeinsame Projekt für Erneuerbare Energien entstand in Zusammenarbeit mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Vor den Toren Astanas wurde in Jereimentau der erste Windpark des Landes errichtet. Mit einer Kapazität von 50 Megawatt können so im Vergleich zur konventionellen Energiegewinnung jährlich 120.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Das Vorzeigeprojekt kann man im deutschen Pavillon auf der Expo genauer begutachten: An einem Terminal wird ein Kontrollzentrum des Windparks simuliert, und man bekommt live aktuelle Daten aus Jereimentau übermittelt. Ironischerweise entspringt der Strom, der zum Betrieb des Terminals aufgewendet wird, nicht aus der gewonnenen Windkraft. Ursprünglich hatten die Organisatoren geplant, dass der Strom für die Expo ausschließlich aus lokalen erneuerbaren Energien bestritten wird, nun nutzt man aus Kostengründen herkömmlichen Strom, der momentan nur zu rund einem Prozent nachhaltig ist.

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Für eine weniger kostenintensive Energietransformation steht indes der russische Pavillon, der von der russischen staatlichen Agentur für Atomenergie gesponsert wird. Auch Kasachstan, das einer der größten Uran-Produzenten der Welt ist, plant bis 2025 erstmals ein Atomkraftwerk in Betrieb zu nehmen. Ob Deutschland durch intensivere Zusammenarbeit Kasachstans Energie „auf den richtigen Weg“ bringen könnte, bleibt abzuwarten. Fest steht nur, dass im Jahr 2017 der Weg zur Energiewende noch ein langer ist.