Auf Einladung des Honorarkonsulates der Republik Kasachstan für Baden-Württemberg fand am 10. November im Kunstgebäude Stuttgart, in der Großen Landesausstellung „Weltsichten – Blick über den Tellerrand“, ein Empfang anlässlich des 20. Jahrestags der Unabhängigkeit der Republik Kasachstan statt.

/Kasachische Jurte in der Ausstellung „Weltsichten“/ 

Das Staatliche Museum für Völkerkunde in Stuttgart, auch Linden-Museum genannt, präsentierte in dieser Ausstellung neben Objekten aus aller Welt auch Exponate zu Bräuchen und Traditionen des kasachischen Volkes. Natürlich durfte da die kasachische Jurte als traditionelle Behausung zentralasiatischer Nomadenvölker nicht fehlen.

Die Ausstellung „Weltsichten“ war ein wunderbarer Ort für den Empfang. Die Honorarkonsulin der Republik Kasachstan, Fr. Dorothea Haller–Laible, begrüßte als Erste die Gäste mit einem Grußwort. Der Botschafter der Republik Kasachstan in der Bundesrepublik Deutschland, Herr N. Onzhanow, und der Generalkonsul der Republik Kasachstan in Frankfurt, Herr A. Alpysbajew, hielten die Festreden und unterstrichen die guten Beziehungen zu Baden-Württemberg. Erwähnt wurden die positiven Seiten der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan. Deutschland hatte die Unabhängigkeit Kasachstans früh anerkannt. Auch Kanzlerin Merkel hat Kasachstan bereits zweimal besucht. Deutschland und Kasachstan sind erfolgreiche Strategiepartner.

Die Jurte ist symbolisch für die kasachische Kultur und war ein Blickfang auf der Ausstellung. Die Referentin des islamischen Orients im Linden-Museum, Dr. Annette Krämer, erzählte den Gästen, wie sie dazu kam, die kasachische Jurte zu erwerben und aufzubauen.

Die Jurte in der Ausstellung ist als symbolische Inszenierung zu verstehen. Das textile Inventar im Inneren der Jurte wurde zum Teil vom Generalkonsul der Republik Kasachstan in Frankfurt-Main gespendet. Frau Dr. Krämer erklärte den Gästen außerdem die Bedeutung des kasachischen Musikinstruments, die Dombra, für die Kasachen selbst. „Der Kasache ohne Dombra – ist kein Kasache“. Besucher der Ausstellung können eine Dombra in der Ausstellung sehen, eine weitere Laute sogar selbst in der Jurte ausprobieren.

Auf Kasachisch heißt die Jurte „kiyiz uj“, Filzhaus. Die prominenten Gäste hatten die Möglichkeit, in die Jurte einzutreten und ihr spezielles Raumgefühl zu erfahren. Das wichtigste Element in der Jurte ist der Schanyrak (Himmelsloch oder Dachkranz). Er fungiert nicht nur als Rauchabzug der Jurte, sondern gilt den Kasachen als Symbol für das Heim, die Familie, als Sinnbild für die Öffnung zur Welt. Der Schanyrak wird traditionell vom Vater an den jüngsten Sohn vererbt. Alle Bestandteile der Jurte können ausgewechselt werden – der Schanyrak jedoch bleibt, so lange wie möglich. Die Jurte ist eine praktische Wohnstatt, warm im Winter, kühl im Sommer, variabel in Größe und Ausstattung. Das Innere der Jurte ist traditionell aufgeteilt – in eine rechte Hälfte für die Frauen und eine linke für die Männer. Rechts wird der Hausrat aufbewahrt, links die Gegenstände für die Männer, etwa die Jagd. Im Innern der Jurte finden sich Teppiche und Truhen, Kissen und Taschen – alles mit kasachischen Ornamenten geschmückt.

Der Abend im Linden-Museum Stuttgart war untermalt von bezaubernder kasachischer Musik. Die musikalische Gestaltung des Abends durch die Folklore-Gruppe „Turan“ war eine gelungene Darbietung der Künste des Folklore-Ensembles „Turan“. Die Folklore-Gruppe wurde 2008 von Absolventen des Kasachischen Nationalen Konservatoriums „Kurmangasy“ gegründet. Zu ihm gehören Maksat Medubek, Bauyrschan Bekmuchanbetow, Korlan Kartenbajewa, Serik Nurmoldajew und Absal Arykbajew. Sie spielten auf kasachischen Volksinstrumenten, u.a. der Dombra, Sybyzschy, Shanchobyz, Saz-Surnai, Schetigen. Der Künstler Absal Arykbajew beherrscht außerdem die alte Kunst des Kehlkopfgesanges. Das Ensemble hat bereits zahlreiche Preise bei internationalen Wettbewerben gewonnnen, u.a. in Europa, Südkorea und in den USA, wie auch mehrere CDs eingespielt. Im März 2011 nahmen die Künstler von „Turan“ an einem gemeinsamen zentralasiatischen Naurys-Fest im Hotel Maritim in Berlin teil und traten vor der Deutsch-Kasachischen Gesellschaft in der Landesvertretung Thüringen auf.

Von Ruchsara Dschasybajewa

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