Hohe Energiepreise lassen Mietrechungen steigen und Investoren nach Renditechancen im Rohstoffsektor suchen. An der Frankfurter Börse ist erstmals ein Ölwert mit Kerngeschäft in Russland und Kasachstan notiert. Die Aktie lockt Investoren.

Mit Rohstoffinvestments wie Geldanlagen in Öl- und Minenaktien oder Schwellenländer- und Rohstofffonds und deren steigenden Notierungen ist seit Jahresanfang gut Kasse zu machen. Die Nachfrage nach Rohstoffen hält an, das Angebot ist weiter knapp und damit Anlagen bei Rohstoffanbietern attraktiv. Laut Analysen werden die Rohstoffpreise zumindest in den kommenden drei bis vier Jahren auf dem heutigen Niveau verharren oder eher ansteigen.

Rohstoffboom an Frankfurter Börse

Erstmalig können deutsche Aktienanleger an der Frankfurter Wertpapierbörse direkt am Ölboom in Kasachstan und Russland partizipieren und ihre Euros zu geringen Transaktionskosten und ohne Wechselkurs- und Liquiditätsrisiko in die Aktie einer vor Ort tätigen Firma investieren. Seit dem 4. Mai ist die österreichische C.A.T. Oil AG, eine der führenden Ölfeld-Service-Anbieter in Russland und Kasachstan, in Deutschland börsennotiert. Das Unternehmen beschäftigt 2.200 Mitarbeiter. Das Gros davon ist in Russland und Kasachstan tätig. Catoil weist einen Jahresumsatz von 150 Millionen Euro aus. Das Unternehmen wirbt in seinem Internetauftritt mit dem Symbol eines dynamischen Tigers und „etablierten Geschäftsbeziehungen in Russland und Kasachstan.“ Die Catoil-Teams wüssten genau, wie mit dem harten Klima, dem kulturellen Umfeld und dem anspruchsvollen Markt umzugehen sei, um exzellente Ergebnisse zu erzielen, so die Eigenwerbung. Bisher überzeugte die Aktie und das dahinter stehende Geschäftsmodell die Anleger. Trotz des schwierigen Umfeldes für Neuemissionen wollten sich mehr Investoren die Aktie ins Depot legen, als  das Angebot hergab. Catoil hätte viermal so viel Aktien  in Frankfurt platzieren können. Die Emission war vierfach überzeichnet, wenn auch ihr Ausgabepreises von 15 Euro am oberen Ende der vorbörslichen Bewertungsspanne, der „bookbuilding“-Spanne, rangierte. Der erste Börsenpreis lag bei 17,20 Euro, rasch kletterte der Kurs bis auf 20 Euro. Kurzfristig orientierte Spekulanten konnten hohe Gewinne verbuchen. Derzeit wird die Catoil-Aktie für etwa 18 Euro gehandelt.

Gute Marktposition  – wenig Transparenz

„Als erste Ölfeld-Service-Aktie im „Prime Standard“ der Frankfurter Wertpapierbörse wollen wir unseren Beitrag leisten, um diesen zukunftsträchtigen Sektor weiter in das Blickfeld der Kapitalmarktöffentlichkeit zu rücken“, so der Vorstandsvorsitzende der Catoil, Manfred Kastner. Auf lange Sicht will man vom „Prime Standard“ genannten Qualitätssegment als erste Ölaktie in den noch prestigeträchtigeren Aktienindex M-DAX der Deutschen Börse aufsteigen. Dafür muss die Catoil-Aktie noch an Wert zulegen und sich ihr Streubesitzanteil erhöhen. Potenzial für Kursgewinne ist im boomenden Ölsektor vorhanden. Laut Kastner vor allem für seine Firma. „In unseren Zielmärkten Osteuropa und Asien gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Ölvorkommen, bei denen die Förderung mit modernen Methoden stimuliert werden muss, um die Rohstoffe schneller und besser fließen zu lassen. Wir rechnen damit, dass mit der zunehmenden Ausschöpfung der Öl- und Gasreserven die Nachfrage nach unseren Dienstleistungen weiter steigen wird.“ Zu den Kunden der seit 1993 in Russland und seit drei Jahren in Kasachstan tätigen Catoil zählen führende kasachische und russische Energiekonzerne wie KazMunaiGaz, Gazprom, Lukoil oder TNK-BP. Trotz glänzender Geschäftsaussichten stören sich bisher einige Investoren an der fehlenden Transparenz im Umfeld der Catoil. Die Firma gehört einer Holding mit Sitz in Zypern, die wiederum in Besitz einer weiteren zypriotischen Holding ist, über deren Eigentümer man wenig weiß und lange Geheimniskrämerei betrieben wurde. Böse Zungen werfen Catoil zuviel Anpassung an das kulturelle Umfeld ihrer Kernmärkte vor. Der Gang auf das Börsenparkett in Frankfurt kann Abhilfe schaffen, denn die Börsennotierung bringt Zulassungs- und Folgepflichten in Bezug auf die Firmentransparenz mit sich. Die Deutsche Börse verlangt von im internationalen Prime Standard-Segment gelisteten Firmen die Einhaltung von Transparenzkriterien. Im M-Dax, dem Auswahlindex der 50 größten Aktienwerte des „Prime Standards“, wo die Catoil hin will, sind die Anforderungen an die Firmentransparenz, und dies vor allem von Analystenseite, noch höher.

Von Gunter Deuber

19/05/06

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