Claus Dieter Storm ist im Rahmen des kasachstanisch-deutschen Lehrerentsendeabkommens als Fachberater für Deutsch in Kasachstan. Er betreut ausgewählte Schulen mit vertieftem Deutschunterricht und ist Prüfungsvorsitzender für das Deutsche Sprachdiplom

Das ist schon erstaunlich: Sogar die Lehrer eines Landes, in dem Englisch offizielle Sprache ist, sind bei weitem nicht so gut, wie man denken möchte. Beim nationalen Sprachtest ist die Mehrzahl der Englischlehrer in Hongkong, bis 1997 britische Kolonie, durchgefallen. 70 Prozent der über Tausend Englischlehrer Hongkongs bestanden im Jahr 2004 den schriftlichen Test nicht. Im mündlichen Test fielen sogar 60 Prozent durch.

Und in Kasachstan? Neben hervorragend qualifizierten Sprachlehrern findet man hier viele, die das, was sie vermitteln sollen und wollen, selbst nur mangelhaft beherrschen. Hier zeigen sich die Folgen davon, dass bislang die Fremdsprachenausbildung nicht nur stehen geblieben, sondern sogar zurückgegangen ist. Die älteren Kolleginnen glänzen mitunter, und auch einige jüngere haben gute Sprachkenntnisse. Doch das sind wenige, und im mittleren Altersbereich sieht es ähnlich aus.

Mit den Aufnahmeprüfungen an den Hochschulen kann sich das vielleicht verbessern. Die dortigen ENT-Tests zeigen schon Wirkung. An den Schulen hat das ENT-Fieber begonnen: Jetzt reicht ja nicht mehr das Schul-Diplom, jetzt müssen die Schüler am Ende der Schulzeit Wissen und Können beweisen. Und von den Schülerergebnissen kann man auch Rückschlüsse ziehen auf den Schulunterricht – das macht einige Lehrer schon nervös. Und was die Universitäten anbetrifft, so erhofft man sich von den dort nun obligatorischen Zwischenprüfungen nach dem zweiten Studienjahr auch eine erhöhte Lernmotivation, mehr Eifer und bessere Leistungen der Studenten.

Doch bis eine verbesserte Ausbildungsqualität in den Schulen gängig ist, werden noch viele Jahre vergehen. Man sollte nicht nur auf die nächste Generation warten, sondern schon jetzt gezielt erste Maßnahmen in der Lehrerfortbildung ergreifen. Als unterstützenden Teil der Bildungsreform sollte es ähnliche Tests wie in Hongkong auch in Kasachstan geben. Solche Kompetenztests dienen dazu, die Kenntnisse und Anwendungsfähigkeiten der Sprachlehrer festzustellen, so dass auf dieser Basis deutlich wird, wo Sprachlehrer stark oder eben schwach sind und ein zusätzliches Training benötigen.

Man sollte die Kompetenten belohnen. Aber man darf die Lehrer nicht bestrafen, wenn man Unterrichtsmängel feststellt. Diese sollten eher den Ausschlag geben, um in der Fortbildung gezielt Verbesserungen zu erreichen. Auch könnte es helfen, die Lehrer zu ermutigen, spezielle Prüfungen für ein Fremdsprachenzertifikat abzulegen. Es gibt solche Prüfungen, die auch international anerkannt sind und eine klare Kompetenzbeschreibung nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen liefern.

Ein Bruchteil mehr von dem, was jetzt für die Bildungsetats verwendet wird, könnte dazu dienen, die Qualität und die Ergebnisse des Sprachenunterrichts deutlich zu verbessern. Die kasachstanischen Kinder, der Staat und die Gesellschaft hätten den Nutzen von kompetenteren Sprachlehrern.

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