Die Beiträge wurden von den Autoren im Rahmen einer Schreibwerkstatt während der Sommerschule der Sprachlernzentren Kasachstans und Kirgisistans sowie des Goethe-Instituts Almaty verfasst.

Einkauf kann auch lustig sein

 Sprachbarrieren, Kommunikationsprobleme und Missverständnisse – wie der Kauf einer Bluse im unscheinbaren polnischen Städtchen Stettin zu einer interkulturellen Herausforderung wurde.

Seit meiner Kindheit träumte ich davon, einmal nach Deutschland zu reisen. In einem glücklichen Moment nahm ich an einem Studentenaustauschprogramm teil und bekam eine Einladung, als Gaststudentin nach Deutschland zu reisen.

In Deutschland lernte ich viele junge Leute aus verschiedenen Teilen der Welt kennen, und gemeinsam fuhren wir einmal nach Polen. Die polnische Stadt hieß Stettin. Unsere Gruppe teilte sich in kleinere Grüppchen. Die Jungs wollten die technische Abteilung des Kaufhauses besuchen, die Mädchen gingen lieber – wie immer – in die Abteilung für Bekleidung. Ich blieb ganz alleine, aber das störte mich nicht.

Die Bluse war total geil

In einem Schaufenster sah ich eine schöne Bluse. Die Bluse war total geil. Ich konnte meine Augen nicht mehr von ihr abwenden. Ich ging also in die Boutique und fragte die Verkäuferin nach dem Preis der Bluse und nach der Größe. Ich fragte erst mal auf Deutsch, weil ich dachte, dass man in der Stadt deutsch spricht. Die Stadt liegt schließlich an der Grenze zu Deutschland. Aber meine Vermutung war falsch. Die Verkäuferin antwortete nicht. Dann versuchte ich auf Englisch zu erklären, was ich wollte. Ich versuchte mit Mimik und Gestik, mit Händen und Füßen, mit einer wilden Mischung aus Deutsch und Englisch mich verständlich zu machen, aber es hatte nicht geklappt.

„Ja tosche goworju po-russki“

Ich wusste nicht, was ich weiter tun sollte. In diesem Moment hörte ich, dass mich jemand auf Russisch rief. Es war Wladimir, ein Kumpel aus Russland. Plötzlich begann die Verkäuferin zu lachen und sagte im klarstem Russisch: „Ich kann doch auch Russisch“. Und ich dachte nur: Wie dumm von mir! Ich hatte alle Sprachen versucht, die ich kannte, alle außer Russisch. Dann erklärte ich alles auf Russisch und kaufte die Bluse. Und jetzt – wann immer ich die Bluse anziehe – erinnere ich mich an diese lustige Geschichte. Ich wusste nicht, dass Einkaufen so lustig sein kann.

 Freundschaft

Wahre Freunde trifft man in der Not – diese Erfahrung musste fast schon jeder einmal machen, so auch in dieser Fabel, in der zwei Hasen in Seenot geraten.

Von Naserke Kasenowa und Syrga Abdullajewa

Eines schönen Tages fuhren zwei zarte Hasen mit dem Tretboot auf einen See hinaus. Als sie in der Mitte des Sees angekommen waren, bekamen sie ein Problem mit der Technik des Bootes. Sie bemühten sich, es zu reparieren, aber leider ohne Erfolg. Einer der beiden Hasen war ängstlich, denn er konnte nicht schwimmen. Deshalb schickten sie einen Notruf über den ganzen See: SOS, Hilfe, Hilfe!

Da kamen vier einheimische Wölfe vorbeigerudert. Aber die hatten weder Lust den Hasen zu helfen, noch wollten sie ihnen ihren Rettungsring ausleihen. Schließlich lockte im fernen Ajuda ein leckeres Eis. Aber aus der Richtung Ajudinka konnte man schon ein Boot voller Bären sehen. Weil die Bären stark und hilfsbereit sind und einen gutmütigen Charakter haben, waren sie sofort bereit, den Hasen zu helfen. Trotz großer Schwierigkeiten angelten die Bären nach dem Boot der Hasen und zogen es an das sichere Ufer.

Obwohl die Hasen mit den Wölfen bekannt waren, halfen diese den Hasen in ihrer Not nicht. Denn Grund dafür kennen sie nicht. Die Hasen aber haben durch dieses Erlebnis gelernt: Einen echten Freund erkennt man, wenn man ein Problem hat.

 Fünf Minuten vor der Zeit…

Wenn Kulturen aufeinander treffen, kann es leicht zu Missverständnissen kommen. Dass dies jedoch auch geschehen kann, wenn man sich mit der anderen Kultur und deren Eigenheiten auseinander gesetzt hat, zeigt die folgende Episode.

Von Lena Nedugowa

„Oh Gott“, denke ich, „Ich habe nur noch zehn Minuten Zeit. Ich darf auf keinen Fall zu spät kommen“. Jeder Mensch kennt diese Situation, aber ich bin unterwegs ins Sprachlernzentrum zu meiner ersten Unterrichtsstunde mit der Sprachlehrerin aus Deutschland. Da kann ich unmöglich zu spät kommen. Sicher wird sie denken: „Das ist aber sehr unhöflich“.

…das ist deutsche Pünktlichkeit

Zum Glück bin ich doch noch pünktlich gekommen – fünf Minuten früher. Aber als ich in das Büro eintrete, um am Unterricht teilzunehmen, sehe ich meine deutsche Lehrerin, die doch eigentlich pünktlich auf die Minute sein müsste, am Computer sitzen und gemütlich Tee trinken. Vielleicht geht meine Uhr vor, denke ich. Aber nein, inzwischen ist es schon 18.15 Uhr. Der Unterricht hätte schon längst beginnen sollen. Aber etwas einzuwenden, wäre doch unartig von mir. Ich bin, wie immer, etwas verwirrt. Sie ist doch schließlich Deutsche. Also kann sie sich unmöglich verspäten oder unpünktlich sein.

Unsere Unterrichtsstunde hat schließlich um 18.30 Uhr begonnen. Als ich am Ende der Stunde fragte, wann die nächste Stunde beginnen werde, antwortete „Frau Superpünktlich“: „Wie immer um 18 Uhr. Daran hat sich nichts geändert.“ Da musste ich dann einfach nachfragen: „Wie um 18 Uhr wie immer? Heute haben wir doch erst um 18.30 Uhr begonnen?“. Dabei fragte ich so höfflich nach, wie ich nur konnte. Die deutsche Lehrerin antwortete darauf nur: „Ja, wir müssen eigentlich um 18 Uhr beginnen. Aber da ich weiß, dass in Kasachstan nie etwas pünktlich beginnt, beginne ich den Unterreicht auch immer mit einer kleinen Verspätung.“

Nicht nur Bier und Lederhosen

Dieser Satz war der größte Kulturschock in meinem Leben. Und jetzt weiß ich, dass vielleicht nicht alle Deutschen Bier trinken, Lederhosen tragen und pünktlich auf die Minute sind. Und ich sage mir jetzt immer: Der Deutschunterricht beginnt um sechs…ich komme zur Zeit.

Von Andrej Klein, Julia Wolf und Schanar Sadykowa

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