„Wie war Ihre erste Liebe?“ Diese Frage stellten die Teilnehmer der XIII. Zentralasiatischen Medienwerkstatt während einer Übung Passanten. Hier sind einige der Antworten zusammengetragen.

„Ich kann mich nur an ihre grünen Augen erinnern“

Auf der belebten Arbat-Straße in Almaty tummeln sich die Menschen. Auf einer Bank sitzen drei Jugendliche und unterhalten sich lautstark, darunter Asam Ali, ein 20-jähriger Deutscher, der gerade in Almaty zu Besuch ist. Er studiert in Bonn International Business. Jedes Jahr fliegt er mit seiner Familie nach Almaty, um die dort noch lebenden Verwandten zu besuchen. Er sei in Köln geboren, sagt er, und tippt dabei stolz auf die Hülle seines Handys, die mit einem Sticker des FC Köln versehen ist.

Auf die Frage, ob er von seiner ersten Liebe erzählen könne, zögert er kurz und berichtet dann von seiner einwöchigen Klassenfahrt nach Bremen in der 7. Klasse. „In der Jugendherberge waren Schüler aus ganz Deutschland. Sie kam aus Bayern, das weiß ich noch“, sagt Asam Ali. „Wir waren an einem Abend auf der Kirmes“, erzählt er weiter und beginnt zu lachen. Er habe sich Mühe gegeben, meint er anerkennend, und ihr Kleinigkeiten gekauft. „Wir haben sogar kurz Händchen gehalten.“

Den Namen des Mädchens weiß er nicht mehr. „Ich kann mich nur noch an ihre grünen Augen erinnern“, sagt der junge Mann und sein Blick schweift kurz ab. Asam Ali gibt zu, dass er nicht häufig an seine erste Liebe zurückdenkt. „Ich war in der 7. Klasse, jung und naiv. In der 7. Klasse weiß man nicht, was Liebe ist. Aber solche Momente, wie diesen einen Abend behält man länger im Kopf.“
Von Karina Turan

Eine kleine Geschichte mit unglücklichem Ende

Es ist die Geschichte eines Mannes, der sich im Alter von 16 Jahren verliebte. Heute arbeitet er in einem Hotel und kann ohne Probleme darüber erzählen. Sie lernten beide in der Berufsschule. Für ihn war es Liebe auf den ersten Blick. „Worte können dieses Gefühl nicht vermitteln“, sagt er heute. Sie gingen aus. Er umwarb sie, schenkte ihr Blumen und andere Kleinigkeiten. Alles war gut. Doch dann war sie eines Tages verschwunden. Sie ging, ohne ein Wort zu sagen, und erschien nie wieder in seinem Leben.
Von Diana Issenturliyeva

Die Erinnerung zählt

„Über solche Fragen rede ich nicht mit Fremden“, ist die Antwort einer Dame, als ich sie nach ihrer ersten Liebe frage. Ist es wirklich so ein heikles Thema? Oder ist es einfach so unbedeutend, dass man nicht darüber sprechen möchte?

Wladislaw (47) erinnert sich ganz genau an seine erste Liebe. Es war 1978. Sein bester Freund und er durchquerten einen Hain, um die sechsjährige Marina zu treffen. Sie waren zusammen im Kindergarten. Er schenkte ihr Blumen und machte ihr kleine Geschenke. Doch dann, es war 1982, ließ sie sich ihre langen Haare abschneiden. So endete die junge Liebe von Wladislaw und Marina. Es ist egal, ob man von seiner ersten Liebe erzählen möchte oder nicht. Wichtig ist es, dass eine schöne Erinnerung ist.
Von Ksenia Voevoda

„Liebe muss viele Hindernisse überwinden“

„Die erste Liebe: Wie war sie?“ – „ Ehrlich gesagt, bisher hat mir niemand an meinem Arbeitsplatz so eine persönliche Frage gestellt!“, sagt Karina lächelnd. Die junge Frau arbeitet als Rezeptionistin in einem Hotel. Ich war mir nicht sicher, ob sie meiner seltsamen Bitte, über ihre erste Liebe zu erzählen, tatsächlich nachkommt. Aber meiner Meinung nach würde sie sonst ihre Arbeitspflicht nicht erfüllen. Zum Glück lief unser Gespräch erfolgreich.

Karina teilte mir mit, sie glaube, dass es keine richtige Liebe im jungen Alter gebe. Sie habe bisher keine echte Liebesgefühle erlebt, deshalb sei sie davon überzeugt, dass man eine Beziehung zwischen jungen Menschen nur als Sympathie oder, grob gesagt, als Austausch von Endorphinen bezeichnen kann.

Am Ende unseres Dialoges schloss Karina ab: „Die echte Liebe muss viele Hindernisse überwinden. Nur nach vielen gemeinsam durchlebten Problemen kann man davon überzeugt sein, dass dieses starke Gefühl zwischen zwei Menschen die LIEBE ist.“

Diese Antwort einer jungen Frau mag zwar traurig, und nicht romantisch klingen, aber sie ist wirklich realistisch und überzeugend.
Von Makhduma Safarova

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