Ainara Askar ist eine ehemalige Schülerin des Deutschen Schulkomplexes № 46 in Astana. Seit sie im Jahr 2010 die Schule mit der goldenen Medaille und dem Deutschen Sprachdiplom der Stufe C1 verlassen hatte, absolvierte sie in Deutschland ein Studienkolleg und studiert nun Informatik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Auf Einladung ihres Deutschlehrers Mario Schönfeld sprach sie in ihrer „alten“ Schule vor Lehrern, Eltern und Schülern über ihr „neues“ Leben als Studentin, über positive Momente, aber auch über Schwierigkeiten, die sie in Deutschland durchlebte.

Wie alle Mädchen und Jungen hatte Ainara lange über ihre zukünftige Fachrichtung nachgedacht. Als Schülerin einer Schule mit vertieftem Deutschunterricht war sie davon überzeugt, dass sie mit Hilfe der deutschen Sprache Übersetzerin oder Spezialistin im Bereich der internationalen Beziehungen werden könnte. Aber bereits in der 9. Klasse hat sie festgestellt, dass ihre Zukunft in der Wissenschaft liegt, und sie hat sich dafür entschieden, einen anderen Weg im Leben zu wählen. Sie wollte Berufsinformatikerin werden, weil ihr Fächer wie Mathematik und Informatik leicht fielen. Wegen der intensiven außerschulischen Vorbereitung auf dieses Ziel hatte Ainara fast keine Zeit für andere Fächer und wollte auch nicht an der DSD-Prüfung teilnehmen. Aber dank ihres Deutschlehrers, der ihr empfohlen hatte, ihren Traum an einer deutschen Universität zu verwirklichen, hat sie sich wieder stärker auf Deutsch konzentriert, das Deutsche Sprachdiplom mit Bravour bestanden und sich um ein DAAD-Stipendium beworben. Noch vor Schuljahresende kam die unglaubliche Antwort vom DAAD aus Deutschland, dass sie ein Stipendium für ein Studium in Deutschland erhalten habe.
Als sie im folgenden Herbst nach Deutschland kam, hatte sie festgestellt, dass viele ihrer Erwartungen bezüglich des Studiums falsch waren. Neben der jungen Studentin aus Kasachstan mit einem ausgezeichneten Zeugnis gab es auch andere hervorragende Studenten, die schon lange programmierten und viel Erfahrung hatten. Für Ainara war es anfangs schwierig, mit dem Lernprozess zurechtzukommen, denn sie hatte erstmals in einem fremden Land gewohnt, und die Belastung war viel größer als in der Schule. Viele Abende hat sie in der Bibliothek verbracht und sich durch deutschsprachige Fachliteratur gekämpft. Auch fehlten ihr ihre Mutter, die Verwandten und Freunde. Wer weiß, ob sie ohne ihre Unterstützung die Anfangszeit so gut überstanden hätte. Der Kontakt in die Heimat war für sie unentbehrlich, auch wenn er nur aus der Entfernung und via Internet kam.

Allen ersten Eindrücken zum Trotz, wurde Ainara sofort eine der aktivsten Studenten, sie wurde zur Gruppensprecherin nicht nur in ihrer Fakultät, sondern auch im ganzen Studienkolleg gewählt. Zusätzlich hat sie Englischkurse und die Umgebung von Karlsruhe besucht. Da sie sehr kontaktfreudig ist, hat sie schnell Freunde gefunden, und die Abende nach dem anstrengenden Alltag wurden viel geselliger und angenehmer. Die Studenten haben einander bei allen Kleinigkeiten geholfen. «Man darf einfach keine Angst haben, jemanden um Hilfe zu bitten», – sagt Ainara. Deutsch zu sprechen fiel ihr leicht, und viele wunderten sich, wie sie die Sprache in der Schule so gut gelernt hatte und jetzt frei auf Deutsch sprechen konnte.

Für Ainara, die in Kasachstan im Sommer immer Ferien hatte, war es außerdem auch schwierig, sich auf die im Sommer stattfindenden Abschlussprüfungen für das Studienkolleg zu konzentrieren. Aber sie wusste, dass von diesen Prüfungen ihr weiteres Studium abhängen würde, und deshalb hat sie sich zielstrebig darauf vorbereitet und am Ende ausgezeichnete Ergebnisse erzielt.

Wenn sie von ihren Semesterferien nach Karlsruhe zurückkehrt, beginnt für sie das zweite Semester an der Uni Karlsruhe und ihrem Institut. Das erste Semester hat sie erfolgreich gemeistert. Sie fand ihren Rhythmus, machte sich einen Plan für die vielen selbstständig zu lösenden Aufgaben und gab nie auf. Dafür musste sie so manches persönliche Vergnügen verschieben. Den Studienabschluss hat sie fest im Blick, und danach möchte sie wieder nach Kasachstan zurückkehren und ein Teil der positiven Entwicklung im Lande werden. Aber bis dahin warten neue Herausforderungen und neue Eindrücke auf sie. Doch schon heute kann sie sagen: «Es hat sich gelohnt».

So positiv, wie der Vortrag der DAAD-Stipendiatin Ainara Askar zu Ende ging, so viele Fragen wurden im Anschluss von den tief beeindruckten Zuhörern gestellt.

Von Olga Kirilenko

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