Die Premiere des Theaterstücks „Das Mädchen und der Tod“ von Maxim Gorki wurde am Deutschen Theater in Almaty aufgeführt. Die Regisseurin Irina Simonowa hüllt den altbewährten Stoff rund um die Liebe in eine moderne Inszenierung. Am 30. Juni wird das Märchen nochmals im Deutschen Theater zu sehen sein.

Düstere Musik und rund 100 Zuschauer füllen den kleinen Raum des Deutschen Theaters in Almaty. Das Stück „Das Mädchen und der Tod“ von Maxim Gorki hatte am 9. Juni Premiere. Gleich zu Anfang wirbeln Gestalten in schwarzen Kutten und mit Holzsensen bewaffnet auf der kleinen Bühne umher. Man sieht es sofort, klassische Elemente benutzt die Regisseurin Irina Simonowa, um den Tod und seine Gehilfen darzustellen. Doch auch kontrastreiche Überraschungen bieten sich, denn unter den Mänteln kommen plötzlich Akteure in weißen Leinentuniken zum Vorschein. Und der Tod stellt sich nicht als böser alter Mann heraus, sondern als weißhaarige Frau. „In der deutschen Nachdichtung von Alfred Kurella ist der Tod ein Mann. Ich finde aber einen weiblichen Tod, so wie es in Gorkis Stück beschrieben ist, passender“, erklärt die 38-jährige Regisseurin. Als „Märchen für Erwachsene“ ist das Stück betitelt, und so wirkt es auch. Die Geschichte handelt von der Entstehung der ersten, echten Liebe und dem Tod, der diese bedroht. Das Mädchen und ihr Geliebter, Michael, werden von der todbringenden Gevatterin heimgesucht. Diese wird dabei von ihren Getreuen, Kain und Juda, unterstützt. Das Stück wurde auf Deutsch aufgeführt. Wer die Sprache nicht beherrschte, bekam am Eingang einen tragbaren Rekorder, mit dem entsprechenden russischen Text.

Die Schauspieler, allesamt Russischsprachler, hatten über zwei Monate lang Deutschunterricht. Ein hartes Stück Arbeit für die Lehrerin Katharina Schmeer und die Lernenden, von denen einige mit der bis dahin fremden Sprache nicht konfrontiert worden waren. Sie mussten den gesamten Text der deutschen Fassung auswendig lernen, die Betonung der Wörter üben und sich an den Sprachrhythmus gewöhnen. Am besten gelingt dies dem Tod, verkörpert von Lydia Hahn, sie spricht die Worte deutlich und im richtigen Tempo aus. Einer bösen Hexe gleicht sie mit ihrer knarrigen Stimme, die Betonungen wechseln von grell und hoch zu tief und bedächtig.

Das Schauspiel ist kurzweilig, denn die Vorführung hat Elemente eines Musiktheaters. Tänze sind in die Aufführung integriert, und Lieder werden von den Schauspielern vorgetragen. Die Musik wurde eigens für das Stück komponiert und Choreographien einstudiert. Viele Requisiten werden nicht benötigt, auf der Bühne steht nur eine Holzkonstruktion, die sich auf einem Rad um die eigene Achse drehen lässt. Ein einfaches weißes Leinentuch grenzt die Bühne nach hinten ab, die Silhouette eines Mädchenkopfes ist darauf zu erkennen.

Viel Arbeit, viel Engagement

Die puristische Gestaltung tut der Vorführung keinen Abbruch, im Gegenteil, sie lenkt den Blick auf das Wesentliche, die Handlung und das Spiel der sieben Akteure. Simonowa ist stolz auf ihre Kollegen, lobt deren Einsatz: „Ich bin sehr froh, dass die Schauspieler die Arbeit gemocht haben. Das ist für die Qualität des Stückes und auch für mein Herz gut!“

Herzschmerz begeistert immer wieder

Das Publikum klatscht besonders laut, wenn eine Liebeszene dargestellt wird. Die große Sorgfalt und der Aufwand, mit der die Inszenierung erstellt wurde, ist somit spürbar. „Die Liebe darzustellen, ist schwer, Liebe kann man nicht ’machen’, sie muss da sein“, erklärt Simonowa lächelnd. Durch das realistische Spiel der Darsteller wirkt die Szene glaubhaft, die Gäste sind begeistert. „Sie ist mein, sie ist mein“, und „Nichts ist heller als der Liebe Licht“, die Sätze erscheinen fast kitschig, hört man sie losgelöst vom Zusammenhang des Stückes. Doch eingebunden in die Handlung und dargestellt durch das Engagement der Schauspieler, vermitteln sie, wie wichtig die Liebe für die Menschen ist, dass jeder die Liebe kennt, die Gefühle nachvollziehen kann, egal, in welche Worte sie gekleidet sind. Ainura Kabajewa sieht in der Handlung ebenfalls „eine Frage des Lebens, die allen vertraut ist. Es ist ein beeindruckender Stoff, der immer aktuell ist.“ In der Erzählung von Gorki stirbt keiner der Verliebten, weder das Mädchen noch Michael. „Ich erlaub`s, das Leben sei dein“, zeigt sich die Gevatterin zu Ende gnädig. Statt zu töten, hängt sie sich unzertrennlich für alle Zeit an die Liebe: „Doch von heut an werd ich mit dir gehen, ewig bei dir sein.“ Leben und Tod sind durch die Liebe verbunden, so sieht es der Schriftsteller in der Essenz. Das Wesentliche für die Zuschauer scheint der Herzschmerz des Stückes gewesen zu sein, denn in den Unterhaltungen ist nach 60 Minuten Theater allerorten „Ach wie schön, es war so gefühlvoll!“ zu hören. Wer nicht wie Gorki über die Entstehung der Liebe nachdenken wollte, konnte das Stück auch wie Maria Sinajewa „einfach nur romantisch“ finden.

Von Eva Hotz

16/06/06

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