Fast eine halbe Million junger Menschen begann in diesem Jahr ein Hochschulstudium in Deutschland. Dabei müssen die Unis sich auf immer jüngere Studenten einstellen.

 

Es ist ein Rückgang auf hohem Niveau: nach Angaben des Statistischen Bundesamtes begannen im Jahr 2012 insgesamt 492.700 Menschen ein Studium in Deutschland. Das sind zwar fünf Prozent weniger im Vergleich zu 2011 – damals allerdings hatte die Zahl der Studienanfänger mit 518.700 auch einen Rekordwert erreicht. Die knapp halbe Million Neustudenten im laufenden Jahr stellen den zweithöchsten Wert aller Zeiten dar.

Zwei Abiturjahrgänge auf einmal

Das Rekordergebnis von 2011 hatte zwei Hauptursachen: den Wegfall der Wehrpflicht sowie doppelte Abiturjahrgänge in mehreren Bundesländern. Nachdem die Bundesregierung Ende 2010 beschlossen hatte, die Wehrpflicht für männliche Deutsche auszusetzen, strömten im folgenden Sommer sowohl frischgebackene Abiturienten an die Unis als auch der letzte Jahrgang, der regulär seinen Wehr- oder Zivildienst abgeleistet hatte. Dieser Effekt fiel 2012 weg, wodurch die Zahl der männlichen Erstsemester gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent sank, während die Zahl der Studienanfängerinnen um ein Prozent stieg.
Zweiter Grund für das Gedränge in Hörsälen sind die sogenannten Doppelabiturjahrgänge in mehreren Bundesländern. Sie entstanden überall dort, wo die Schulzeit bis zum Erwerb des Abiturs von dreizehn auf zwölf Jahre verkürzt wurde und infolgedessen zwei Jahrgänge gleichzeitig ihren Abschluss machten. Erstes Bundesland mit einem Doppelabitur war 2007 Sachsen-Anhalt. 2011 gab es Doppelabiturjahrgänge in den bevölkerungsreichen Bundesländern Bayern und Niedersachsen, 2012 in Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg und Bremen.

Studenten werden jünger

Kürzere Schulzeiten und Wegfall der Wehrpflicht stellen deutsche Universitäten vor ganz neue Herausforderungen: erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik beginnen minderjährige Studenten in größerer Anzahl ein Hochschulstudium. Ein Bericht von Spiegel online zählt die damit verbundenen Probleme auf: Nicht nur hochprozentiger Alkohol auf Feiern ist für die sogenannten „Campusküken“ tabu, selbst für das Beantragen eines Bibliotheksausweises oder das Anmelden zum Unisport wäre theoretisch eine Unterschrift der Erziehungsberechtigten notwendig. Erst langsam beginnen die Hochschulen, sich auf die neue Klientel einzustellen.
Das Durchschnittsalter von Studienanfängern lag übrigens laut Statistischem Bundesamt im Studienjahr 2011/2012 bei 21,7 Jahren und sank damit um 0,3 Jahre gegenüber 2010/2011. Zahlen für das Jahr 2012/2013 lagen noch nicht vor.

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