Zum ersten Mal veranstaltete das Sprachlernzentrum Astana in Zusammenarbeit mit der Nationalbibliothek Astana und mit dem Lehrstuhl der Fremdsprachenphilologie der Eurasischen Nationalen Universität L. Gumilev eine SchreibGeschichtenWerkstatt für Germanistikstudenten. In einem zweitätigen Workshop verfassten die Teilnehmer eigene Texte und diskutierten über die Themen Jugend, Alltag, Identität und Fremdheit. Die Deutsche Allgemeine Zeitung präsentiert eine Textauswahl.

/Bild: privat. ‚Kreative Atomsphäre in der Textwerkstatt’/

An der SchreibGeschichtenWerkstatt nahmen Germanistikstudenten des dritten Studienjahres teil, die sich jenseits des regulären universitären Unterrichts mit grundlegenden Begriffen der Literaturwissenschaft und der deutschen Literaturgeschichte vertraut machen wollten und gerne junge deutschsprachige Literatur lesen. Gelesen wurden u.a. „Sommerhaus, später“ von Judith Hermann und die Erzählung „Ophelia“ von Terizia Mora.

Anschließend hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, an einem zweitägigen Workshop „Kreatives Schreiben“ teilzunehmen, indem sie zum selbständigen Verfassen kurzer literarischer Texte angeregt wurden. Die Idee der Schreibprozessvarianten basierte auf den zuvor gelesenen Erzählungen. Es wurde zudem lebhaft über die Themen Jugend, Alltag, Identität und Fremdheit diskutiert.

Spielen mit der Sprache

Die Teilnehmer hatten auch die Gelegenheit, eine Phantasiereise an einen unbekannten Ort zu unternehmen, eine Geschichte zu einem Bild zu erzählen oder einfach nur Gedichte zu verfassen. Es handelte sich dabei um kreative Methoden und Arbeitstechniken, die die Entwicklung der Schreibfertigkeit und -fähigkeit bei den Teilnehmern fördern sollten. Dabei war nicht die Textart entscheidend, sondern die kreative Herangehensweise und das Spielen mit der Sprache.

Die Ergebnisse wurden anschließend in einem gemütlichen „Literarischen Textsalon“ in der Nationalbibliothek Astana vor einem deutschsprechenden bzw. deutschlernenden Publikum vorgetragen und diskutiert.

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Der Nachhauseweg

…Samstag, 18.30 (halb Sieben)…Der Regen ist so frech, dass er wie eine Mauer vom Himmel fällt und ich bis auf die Haut nass werde…Der Himmel ist so leer, so grau…und soooooo schwer, dass ich ihn mit meinem Rücken fühle…Na ja…wie der Atlant, der all sein Leben lang den ganzen Himmel auf seinen Schultern tragen sollte… Brrrrr…Der verdammte November!…
…Die Leute laufen hin und her, mit großen, verrückten Augen… Und diese, die mit mir auch an dieser Bushaltestelle warten, sehen wie zerzauste Sperlinge aus…Gott sei Dank! Mein Bus! … Die Spatzen stoßen einander an, und jeder will den besten Platz kriegen… Dschungelgesetz… Jeder für sich selbst…

…Dieses Busschaukeln ist mein Lieblingszustand… Vorwärts-rückwärts… Vorwärts-rückwärts… Es ähnelt einer Wiege, und in meinem Gedächtnis taucht das Lied auf, das mir meine Mutter immer sang…Ruhige und schöne Melodie… Es gibt keine Probleme mehr… Und keine Alltagsgedanken… Mein Körper bleibt hier, aber meine Seele macht einen Flug… Sie fliegt überall… Mein Körper kann sich nicht mehr bewegen, nur schaukeln, aber meine Augen können die Passagiere betrachten…

…Diese Frau, die neben dem Fenster sitzt… Na ja…. Eine typische Hausfrau… Sie hat eine große Tasche mit Lebensmitteln… Sie fährt nach Hause … In zehn Minuten beginnt sie das Abendessen zu kochen… Und jetzt denkt sie… Fisch oder Fleisch?… Vielleicht Gemüse?…

…Diese Drei… Die Schüler… Jetzt ist Samstagabend, und sie haben Freizeit… Viele lustige Pläne für das Wochenende… Keine Sorgen überhaupt… Sie trinken nach Herzenslust aus der Lebenstasse…

…Eine Rentnerin mit dem Hündchen… Sie sieht sooooo klein und so allein aus… Nein… Sie ist nicht allein… Dieses Geschöpf, das sie in den Händen hat, ist überhaupt das Einzige, das bei ihr bleibt… Und sie wird sich diesem Tierchen widmen…

Mmm…Was für ein Blick… Solche hellen und blauen Augen in dieser Bushektik… Er ist wie aus einer parallelen Welt… Ein Mann, der etwa 30 Jahre alt ist… Nichts besonderes… Vielleicht hat er eine einfache Arbeit… und eine einfache Familie… Aber der Blick… Das ist der Blick eines Träumers… Wovon träumt er? Ich weiß es nicht… Niemand weiß es… Aber es scheint, dass in seinen Augen tausende Lichtfeen tanzen… Nein… In diesem Moment ist er nicht 30… Er ist so jung…. Er kann träumen…

STOP! Das Schaukeln ist weg! Mein Flug ist weg! Die Haltestelle…

…19.15 (Viertel nach Sieben)…Lustlos schleppe ich mich mit meinen Beinen entlang dieser nassen schmutzigen Straße… Die Blätter wie Brei unten den Beinen… Oh, Gott! Ich kann diesen Himmel nicht mehr ertragen! Schnell! Weg! Weg von diesem Himmel! Weg von diesen Straßen! Weg von dieser Welt!…

Na ja, hier ist es… Aber das ist nicht mein Haus… Das ist meine Lieblingskneipe… Zwei Minuten nachdenken, auf das Schild gucken, eintreten… Jaaaaa… Ein anderes Leben! Nichts ist ruhig und phlegmatisch! Laute, betrunkene Stimmen, lustige Musik, Geruchsmischung… Alles pulsiert wie ein Herz…. Und das Bier in meinem Seidel pulsiert auch… Es tanzt, springt und schreit mir etwas zu… Aber ich verstehe nicht… Wieder keine Gedanken…Und kein Flug mehr… Dieser verfluchte Lärm zerdrückt meinen Kopf!

Weg! Schnell! Nach Hause!…

Regenguss, Pfützen, Schmutz…Egal!
In fünf Minuten erreiche ich mein Haus… MEIN Haus… Meine eigenen vier Wände…
Sofa, TV, warme Socken, heißer Tee…
Ich bin ruhig und gelassen…
Ich bin glücklich…
Ich bin soooo glücklich…
Ich bin ZU HAUSE…

Von Anastassija Sadownikowa

Der Elefantentext

Heute in der Nacht habe ich einen wirklich seltsamen Traum gesehen. Der Traum hatte keinen Anfang und kein Ende. Aber das Erste, was ich gesehen habe, war ein Elefant, der gesungen und getanzt hat. Der Elefant befand sich im Dschungel. Er fühlte sich gut und war in guter Stimmung, aber er wollte nichts machen. Nur tanzen und singen. Auf dem Kopf hatte er eine Buddhastatue. Buddha hatte mir zugezwinkert. Ich war total überrascht. Ich kam näher zum Elefanten. Vielleicht mochte ich ihn kennenlernen oder ich wollte mich vorstellen. Daran kann ich mich jetzt nicht genau erinnern. Aber ich habe verschiedene Stimmen gehört. Ich wusste nicht, woher sie stammten. Wahrscheinlich war es ein unbekannter Stamm, sie machten wirklich viel Lärm. Ich vermutete, dass sie ein Ritual begingen. Ich meine, dass ich in diesem Moment Angst hatte. Deshalb entschied ich mich, einen anderen Platz in der Welt zu besuchen. Da es ein Traum war, konnte ich mich frei entscheiden. So war ich im nächsten Moment in einer Oase, ich badete, ich war ganz allein (deshalb war ich wirklich froh). Ich badete und dachte nach. Ich habe mir verschiedene Gedanken gemacht, mich an viele Sachen erinnert. Ich war ganz entkräftet, aber glücklich. Und plötzlich wieder dieser Elefant mit dieser Statue, aber dieses Mal war er schon in einem Heißluftballon.

Von Swetlana Dowschenko

Das Wasser

Wasser, du bist für mich ein Stoff, ohne den unser Leben unmöglich und unvorstellbar ist. Wasser, du hast weder Geschmack noch Farbe noch Aroma. Man schmeckt dich, ohne dabei einen bestimmten Geschmack nennen zu können. Es fällt mir schwer, dich nicht zu beschreiben, nicht zu schätzen. Unser Leben ist mit dir sehr eng verbunden. Es hängt völlig von dir ab. Du hast das erste Wesen in die Welt gebracht und dem Erdball das Leben geschenkt. Aber du kannst es sehr leicht zurücknehmen. Deine Kraft und Gewalt lassen uns immer vor dir Angst haben. Natürlich haben wir heute Schiffe und Unterseeboote, wir können Meere und Ozeane überqueren, wir denken, dass wir das Wasser erobert und unterworfen haben, aber es ist nicht so, weil du unbesiegbar bist. Manchmal benimmst du dich sehr schlecht, du zerstörst Städte und tötest Menschen, aber trotzdem hast du für uns eine Bedeutung und wir verzeihen dir alles. Du bist eine solche Flüssigkeit, die in verschiedenen Zuständen sein kann. Nicht alle deine Eigenschaften sind den Wissenschaftlern bekannt. Wasser, du bist unersetzbar, weil es keine Alternative gibt. Für mich sind die zwei Begriffe „Wasser“ und „Leben“ fast gleich, aber das Leben ist ohne Wasser unmöglich. Das bedeutet, dass wir so lange leben werden, bis wir zu Wasser werden.

Von Asamat Assaubajew

Gedichte

Wer ist das? Wer macht hier Spaß?
Es ist mein Sohn.
Der ist so schön…
Du siehst so süß aus, wie deine Mutter.
Ich werde dich essen, wie die Butter.
Ich werde dich schützen, wie die Tiere
Schützen ihre kleinen Kinder.
Du wirst auch so groß, wie ich
Nur mache alles ich für dich.
Du bist mein Schatz, ich werde mit dir
In dieser Welt sein, nur mit dir.

Alles hat seinen Anfang.
Jeder Anfang ist interessant.
Egal, ob es dir gefällt oder nicht,
Du weißt, dass alles zu Ende geht.
Vergiss nicht, dass du nicht allein bist.
Da gibt es Freunde und Musik,
jeder hat seine Kritik.
Mach alles, was du kannst und
bekommst,
Was du dir erworben hast.
Du bist ein Mensch und vergiss nicht,
Dass du hier nicht allein bist.

Von Ilja Sokolow

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Das Treffen mit Freunden – keine schlechte Idee!
Wir verbrachten die Zeit hier sehr lustig
Die Atmosphäre war freundlich, jeder sagte eigene Meinung.
Das Treffen mit Freunden – keine schlechte Idee!
Auf der Straße ist’s kalt, aber wir sind im SLZ,
Das kreative Schreiben, oh!!!
Das Treffen mit Freunden – keine schlechte Idee!
Wir verbrachten die Zeit hier sehr lustig!
Von Marina Justus

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Sechster Februar. Samstag. Und wir sind zusammen.
Wir arbeiten fließend, aktiv und entspannend.
Viele Gedanken, Musik und das Schreiben.
Sechster Februar. Samstag. Und wir sind zusammen.
Draußen friert es. Und drinnen so warm ist.
Angenehmer Geruch, schmackhafter Kaffee.
Sechster Februar. Samstag. Und wir sind zusammen.
Wir arbeiten fließend, aktiv und entspannend.

Von Jelena Schardina

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