Aus einem kleinen Wortspiel, rein aus Jux, wird plötzlich ziemlicher Ernst, oh je! Und ich als Kölnerin und Gourmetköchin werde zur Alkoholikerin gestempelt. Das lasse ich mir nicht gefallen. Oh nein! Anlässlich einer kleinen Comic-Zeitung über ein Waldgrundstück habe ich meine Synapsen auf die Suche nach Wortkreationen rund um die Gattung Tier geschickt.

Nach längerem Streunen fanden sie unter anderem den Schluckspecht und die Schnapsdrossel, die allein schon wegen der Alliteration ein prima Paar abgeben und sich bestens für ein Comic über Alkoholismus eignen. Ich stelle mir einen verballhornten Selbsttest vor, dem sich meine beiden Protagonisten aus der Vogelwelt unterziehen müssen. Da wirklicher Wortwitz nur auf beinharter Fachkunde beruhen kann und ich bierernste Fragen brauche, um mit parodierten Antworten zu kontern, suche ich im Internet nach Selbsttests, die ich nun spaßeshalber durchführe.

Das Ende vom Lied bzw. Test: Ich werde als absolute Alkoholikerin mit einem ernstzunehmenden Alkoholproblem eingestuft, die sich dringend und sofort Hilfe bei einem Therapeuten suchen solle. Bitte?! Der Sache gehen wir mal auf den Grund und knöpfen uns die verheißungsvollen Fragen einzeln vor, die ich im ersten Durchlauf naiv-treudoof-grundehrlich beantwortet habe. Nicht, dass ich mich meinen Problemen nicht stellen will, aber über Multiple-Choice-Fragen bin ich schon im Studium gestolpert, da sie keinen Platz für die allesentscheidenden Nebensätze lassen, die den tatsächlichen Sachverhalt erst erklären lassen. Die Welt ist in all ihren Bestandteilen eben wahnsinnig komplex und auch die eigene Lebenswirklichkeit lässt sich nicht mit wenigen kurzen Hauptsätzen abbilden.

Aber der Reihe nach. Zum Beispiel die Frage nach der Anzahl der alkoholhaltigen Getränke an einem Trinkabend irritiert. Antworte ich einfach drauflos, gebe ich natürlich zehn Stück an, da bei uns das Kölsch in 0,2 – Gläsern abgefüllt wird. Alle anderen Menschen, die nicht in Köln leben, lachen immer über unsere kleinen Portionen und dürfen hier zwei bis drei Gläser angeben. In Litern gerechnet, wonach hier ja nicht gefragt wird, trinken wir alle die gleiche Menge, aber die Glasfrage macht mich Kölnerin zur Alkoholikerin. Was auch nicht in die kleinen Ankreuzkästchen passt, ist, dass ich eine Nachteule bin und sowieso gute Gene habe und nicht schnell müde werde. D.h. die zehn Kölsch verzehre ich an einem langen, langen Abend, aber was soll‘s, das will ja hier niemand wissen, zumindest der Test nicht. Gut, weiter.

Dann die Frage, wie oft ich im letzten Jahr an Alkohol gedacht habe. Natürlich täglich. Denn viele Getränke schmecken nicht nur beim Trinken lecker, sondern die meisten Gerichte werden mit einem Schuss Alkohol in der Soße umso schmackhafter. So wird man von der Gourmetköchin mirnichtsdirnichts zur Alkoholikerin. Also ehrlich! Die wirklich beinharten Alkoholikerfragen, ob man schon morgens den Stoff braucht, um in die Gänge zu kommen, ob man zittert oder Blackouts hat, kann ich alle mit einem glasklaren Nein beantworten.
Dann wieder eine Fangfrage. Ob mein Beruf Alkoholtrinken mit sich bringt. Natürlich. Nach Konferenzen ist es Sitte, als social event gemeinsam zu speisen, und dann trinkt man noch ein Gläschen zusammen. Dieses harmlose Ja führt mich wieder auf den Pfad des Lasters. Dann die Klassiker, ob ich mich selbstbewusster fühle, wenn ich Alkohol getrunken habe. Wer nicht?!

Und ob ich Stresssituationen und Ärger und Sorgen besser vergessen kann. Ja klar kann ich meinen Kram mit Alkohol besser vergessen als ohne. Antwort: Ja. Gerne würde ich zusätzlich antworten: Tue ich aber nicht. Ich spiele Klavier, gehe in den Wald und treibe Sport. Doch ich finde hierzu nicht die passende Frage. Also gut. D.h. schlecht, mein Testergebnis. Jetzt stellen wir uns weiter vor: Ich stelle das Ergebnis nicht in Frage, gerate in Panik, renne zu Therapeuten, Hilfe Hilfe! Ich bin Alkoholikerin, stempele mich selber ab, beichte meinen Verwandten, Freunden, Kollegen mein Alkoholproblem, renne in eine Selbsthilfegruppe, rühre kein Tröpfchen mehr an und verliere damit sämtliche Lebensfreude. Und das alles wegen eines rhetorisch schlecht ausgearbeiteten Tests, wie verantwortungslos!

Würde auf diese Weise getestet, ob ich eine hundsgemeingefährliche Waldkäuzchenjägerin bin, sicher würde ich bestehen und als hundsgemeingefährliche Waldkäuzchenjägerin entlarvt. Käuzchen, nehmt euch in Acht vor mir! Um den Schrecken und Ärger zu verdauen, genehmige ich mir erst mal einen Schnaps. Prost!

Julia Siebert

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