In Deutschland ist der Atomausstieg beschlossene Sache. Auch andere europäische Staaten, wie zum Beispiel Österreich, Italien oder Belgien, wollen in Zukunft auf Kernenergie verzichten. Doch vor allem im postsowjetischen Raum setzt man weiterhin auf nukleare Energie. So baut nicht nur Russland seine Atomkraftanlagen weiter aus, sondern unterstützt auch die Länder Zentralasiens bei der Nutzung von Kernenergietechnik.

Usbekistan baut erstes Atomkraftwerk

In Usbekistan entsteht Zentralasiens erstes Atomkraftwerk seit dem Zerfall der Sowjetunion. Am 7. September 2018 unterzeichneten Russlands Präsident Wladimir Putin und der usbekische Präsident Schawkat Mirsijojew die Vereinbarung zum Bau eines Kernkraftwerks. Die russische Behörde für Atomenergie Rosatom ist für das zehn Milliarden Euro teure Projekt zuständig. Anfang Mai dieses Jahres einigten sich beide Seiten auf einen Standort in der Nähe des Tuzkansees in der Region Jizzax. Mit dem Bau soll 2022 begonnen werden. Die Inbetriebnahme der russischen Druckwasser-Reaktoren mit je 1200 Megawatt Leistung ist für 2030 geplant.

Usbekistan hat darüber hinaus bedeutende Uranvorkommen. Es bestehen Kooperationsvereinbarungen mit chinesischen, japanischen und russischen Firmen zur Erschließung dieser. Laut Qazaq Times werden momentan 86 Prozent der Energie aus Wärmekraft- und 14 Prozent aus Wasserkraftwerken gewonnen. Erstere werden vor allem mit Erdgas betrieben, ein geringerer Teil mit Kohle. Experten gehen davon aus, dass Usbekistan mit seinen 33 Millionen Einwohnern schon im nächsten Jahr mit Energieknappheit rechnen muss.

Kasachstan setzt auf konventionelle Energieträger

Davon ist Kasachstan noch weit entfernt. Im Gegenteil: Momentan wird sogar zu viel Strom produziert. Allerdings werde der Stromverbrauch aufgrund der Entwicklung der kasachischen Wirtschaft bis 2050 auf 172 Milliarden Kilowattstunden steigen, sagte Energieminister Kanat Bosumbajew Mitte Mai in Nur-Sultan (vormals Astana). Der wachsende Strombedarf und die Stilllegung alter Anlagen – 39 Prozent der kasachischen Kraftwerke wurden vor 1980 gebaut – erfordern nach Angaben des Ministers den Bau neuer Kapazitäten. Bis 2050 sollen 32 bis 36 Gigawatt hinzukommen – ohne erneuerbare Energiequellen zu berücksichtigen. Diese sollen 2050 eigentlich die Hälfte des benötigten Stroms erzeugen. Demnach setzt Kasachstan ganz offiziell auch in Zukunft auf konventionelle Energieträger wie Kohle, Gas, Öl und Kernkraft.

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Seit der Stilllegung des AKW Aqtau im Jahr 1999 gibt es immer wieder Pläne, ein neues Kernkraftwerk zu errichten. Am 3. April diese Jahres schlug Putin dem kasachischen Präsidenten Qassym-Schomart Toqajew den Bau eines Kernkraftwerks mit russischer Technologie vor. Nur einen Tag später verkündete der stellvertretende Energieminister Kasachstans, dass das Dorf Ulken, 300 Kilometer von Almaty entfernt, ein geeigneter Standort für das AKW sei. Die Nachricht löste heftige Diskussionen und Proteste aus. Toqajew sagte daraufhin, dass man die Entscheidung über einen Bau nicht gegen die Bevölkerungsmehrheit durchsetzen werde. Bisher haben Unternehmen aus den USA, China, Russland, Südkorea und ein französisch-japanisches Konsortium ihr Interesse an der Errichtung bekundet.

Kasachstan hat sich der friedlichen Nutzung der Atomenergie verschrieben. Und obwohl es selbst (noch) keine Atomenergie erzeugt, ist das Land der weltweit größte Uranproduzent.

Uranabbau in Kirgisistan und Tadschikistan

Weder in Kirgisistan, Tadschikistan noch Turkmenistan gibt es derzeit Pläne zum Bau von Atomkraftwerken. Doch auch hier wird nach Uran gesucht. 2017 unterzeichneten Russland und Tadschikistan ein Abkommen über die friedliche Nutzung der Atomenergie. Tadschikistan nutzt vor allem Wasser- und Gas zur Stromerzeugung, hat aber auch Uranvorkommen. Das Abkommen sieht unter anderem die Errichtung eines Forschungsreaktors und die Nutzung von Nukleartechnologie in Industrie, Medizin und Landwirtschaft vor. In Kirgisistan bauen kanadische, US-amerikanische, chinesische und australische Unternehmen Uran ab. Bis 2015 war eine Uranmühle in der Nähe von Bischkek in Betrieb, die Uran für die kasachische Produktion aufbereitete.

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