Umweltbewusstes Handeln von Verbrauchern und Unternehmern wirkt sich auch auf den Erdölverkauf aus. Denn langfristig wird die Benzinnachfrage fallen. Prof. Dr. Bodo Lochmann fragt, ob es sich langfristig für Kasachstan rentieren wird, Erdöl zu fördern.

Der Ölpreis hat sich momentan bei etwa 60 Dollar pro Barrel relativ stabilisiert. Die Ölproduzenten hoffen jedoch, dass er auf diesem ziemlich niedrigen Niveau nicht allzu lange verweilt, vor allem aber sich wenigstens nicht weiter nach unten bewegt. Von einer Entwicklung in Richtung 80 Dollar kann momentan nur geträumt werden.

Für die Ölförderer ist die heutige Preissituation klar traumatisch, nach den vielen Jahren der Dollarschwemme infolge der hohen Ölpreise plötzlich nur noch die Hälfte dessen überwiesen zu bekommen, an das man sich gewöhnt hatte. Zwar sind für die nächsten ein, zwei Jahre keine seriösen Aussagen zu konkreten Preisen für das schwarze Gold machbar, doch langfristige Trends lassen sich wohl erkennen. Danach sieht es eher nicht gut aus für die Ölproduzenten.

Nicht nur, dass sich das Angebot auf den Weltmärkten durch den Einsatz sogenannter unkonventioneller Fördermethoden stetig ausweitet, auch die Nachfrage sinkt tendenziell. Das lange Zeit teure Erdöl, das immer noch fast 40 Prozent des Primärenergieverbrauchs der Welt sichert, hat mit zu einem wichtigen Bewusstseinswandel und davon abgeleiteten Handlungsweisen geführt. Rationelle Nutzung von Energie, insbesondere von teurer, ist mittlerweile zum Standardmodus vieler Wirtschaftszweige geworden. Das hat zuallererst ökonomische Gründe, schließlich ist der Energieverbrauch ein nicht unwesentlicher Kosten– und damit Wettbewerbsfaktor.

Am sichtbarsten für ein breites Publikum ist das Ganze an der Autoproduktion. Zwar wurden auf den Automessen der letzten Monate wieder viele große und damit kraftstoffaufwändige Modelle vorgestellt, doch die Masse der heute verkauften PKW unterscheidet sich im Verbrauch wesentlich von den Modellen von vor 10 oder 15 Jahren. Optimierung der Motoren, Leichtbauweise, höhere Verdichtung und andere technische Maßnahmen haben zu deutlichen Verbrauchsreduzierungen geführt. Allerdings haben die Autoproduzenten nicht unbedingt von sich aus oder gar aus Einsicht in die ökologische Notwendigkeit gehandelt. Wesentlicher Handlungsdruck ging und geht von den scharfen staatlichen Verbrauchsvorgaben aus, die vor allem in den USA, China und Europa erlassen wurden. Diese Regionen haben in der Vergangenheit besonders unter den wachsenden Autolawinen und dem entsprechenden Abgasausstoß gelitten und leiden auch heute noch.

Speziell in Europa ist es zudem de facto Tradition, auf den Verbrauch zu schauen und in der Masse Mittelklasse– oder Kompaktwagen zu nutzen. Auch in den USA, die noch vor nicht allzu langer Zeit für ihre spritfressenden Ungetüme bekannt waren, hat sich in den letzten Jahren eine Revolution im Image von PKWs im Bereich Kraftstoffverbrauch vollzogen. Das haben zwar ursprünglich vor allem die ausländischen Produzenten wie Toyota bewirkt, mittlerweile sind jedoch auch die reinen US-Firmen auf den Zug verbrauchsärmerer Autos aufgesprungen, manchmal durch staatlichen Druck, manchmal infolge veränderter Marktnachfrage. Bis 2025 haben die USA-Produzenten den Kraftstoffverbrauch ihrer Neufahrzeuge nochmals um mehr als die Hälfte zu reduzieren. Der schöne Nebeneffekt ist, dass die Umwelt auch davon profitiert, denn langfristig wird die Benzinnachfrage fallen. Davon zeugen die intensiven Bemühungen der bekannten Autoproduzenten, aus dem Verbrennungsmotor in Sachen Verbrauchsreduzierung alles herauszuholen, was technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, sowie die parallel laufende intensive Suche nach neuartigen Antriebssystemen. Ob das wirklich der elektrische Antrieb in Reinform oder in Kombination mit einem Verbrennungsmotor oder die Brennstoffzelle sein wird, ist erst einmal nebensächlich, weil die neuen Antriebe ohne Benzin auskommen werden. Die Folgen eines umfassenden Übergangs zur Nutzung technologisch neuer Motoren werden heftig sein. Bis zu 20 Millionen Barrel Öl werden voraussichtlich in etwa 30 Jahren weniger benötigt – pro Tag. Zum Vergleich: die aktuelle Tagesförderung Kasachstans liegt bei etwa 1,5 Mio. Barrel. Also eher trübe Langfristperspektiven für das schwarze Gold. Ob Kaschagan sich noch rentieren wird?

Bodo Lochmann

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