Warum eine Aussiedlerin nicht Mitglied im Kleingartenverein werden darf

Lydia Reschetnikowa lebt in Celle, stammt aus Kasachstan und wünscht sich einen kleinen Garten. In der Schreberkolonie „Friedrichslust“ wird eine Parzelle frei. Pächter und Interessentin sind sich schnell einig. Einer stellt sich quer: Manfred Wolf ist Vorsitzender des Kleingärtnervereins und weist ihre Bewerbung zurück. Einem Reporter sagt er: „Sonst laufen uns die guten deutschen Gärtner noch weg.“

In der Kolonie der Bahnlandwirtschaft am Nelkenweg ist alles geregelt. Sogar eine Ausländerquote gibt es. Und die ist längst erreicht, sagt Manfred Wolf, immerhin seien 40 Prozent der Vereinsmitglieder Ausländer.

Der Koloniechef weiß, wo der Schuh drückt: Die Ausländer bauen zu große Lauben, sind zu laut, und beim Grillen gibt es zu viel Rauch. Welcher Menschenschlag sich da besonders hervortut, ist ihm ebenfalls nicht verborgen geblieben: „Gerade die Russen denken, sie wären noch immer in Sibirien.“ Die „Russen“ sind Aussiedler aus Sibirien oder Kasachstan, die in Celle eine neue Heimat gefunden haben. Und deren Kleingartendisziplin ist wohl nicht nach Wolfs Geschmack. 30 Aussiedler gärtnern in der Kolonie „Friedrichslust“, doch nur einer achte die Vereinssatzung. Die Frage, ob Lydia Reschetnikowa denn gedenke, sich etwa an Grillregeln oder Bauvorschriften zu halten, hat der Vorsitzende ihr gar nicht erst gestellt. „Es geht einfach nicht mehr“, meinte er in der „Celleschen Zeitung“, „alle Beschwerden, die wir bekommen, haben mit Deutschrussen zu tun.“

Die 48-Jährige „Deutschrussin“ lebt mit Mann und deutschem Pass seit 1997 in Celle und verdient ihr Geld mit Putzarbeiten. Einen Garten zu pflegen, würde ihr gefallen, denn

„wir haben zwei Hände zum Arbeiten wie alle anderen auch, und mehr wollen wir doch gar nicht“. Und gewiss ist Manfred Wolf keine Unmensch und ausländerfeindlich schon gar nicht, daher hat er für Frau Reschetnikova den wohlmeinenden Rat, sich doch nach einem anderen Garten bei einem anderen Verein umzuschauen.

Was würde der Vorsitzende wohl über den Zustand der Welt denken, erführe er, dass es unweit in der Landeshauptstadt Hannover gar multikulturelle Kleingartenvereine gibt, deren Satzungen mehrsprachig, auch russisch, sind. Doch jetzt könnte es für „Friedrichslust“ Ungemach geben. Der Landesvorstand der „Niedersächsischen Gartenfreunde e.V.“ ist aufmerksam geworden und zeigt sich von dem Quotenerlass in Celle überrascht. „Wer sich so benimmt, der schadet unseren Idealen“, meint Schatzmeister Helmut Günther. Möglicherweise wird den Laubenpiepern in Celle die Gemeinnützigkeit entzogen. (ID)

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