In Almaty gibt es hochmoderne Einkaufszentren, quirlige Märkte und eine Vielzahl von Händlern, die ihre Waren auf der Straße verkaufen. Wir haben uns mit drei von ihnen unterhalten: Valeri Batalow verkauft seine Bilder in einem Park, die 75-jährige Gulbarschin bietet selbst gemachte Milchspezialitäten an, und der Sammler Viktor macht einen Teil seiner Anstecknadeln zu Geld.

Viktor verkauft Geschichte zum Anstecken. Der 62-jährige Sammler steht mit einer Mappe im Stadtzentrum von Almaty, der ehemaligen kasachischen Hauptstadt. Viktor ist spezialisiert auf Abzeichen aus der untergegangenen Sowjetunion, er verkauft Anstecknadeln, mit denen früher sportliche Leistungen ausgezeichnet wurden, er hat militärische Orden sowie Anstecker von kommunistischen Kinder- und Jugendorganisationen im Angebot. „Die Geschichte spiegelt sich in diesen Abzeichen wieder“, findet Viktor. Wenn der Sammler wieder mal ein für ihn unbekanntes Abzeichen in der Hand hat, sucht er alle Informationen darüber.

„Zu Sowjetzeiten war das Leben sicher, jetzt ist es umgekehrt“, sagt er und nennt ein Beispiel: „Ein Arbeiter konnte im Monat 150 Rubel verdienen – und es reichte. Heutzutage kannst du 1000 Dollar pro Monat haben und es ist immer noch nicht genug.“ Viktor hat in der Sowjetunion als Fahrer und Schweißer gearbeitet, jetzt fehlen ihm noch zwei Monate bis zur Rente.

Viktor ist leidenschaftlicher Sammler: wenn er mal wieder eine Ladung der kleinen Metallteile gekauft hat, setzt er sich zu Haus hin, sortiert alles und geht dann mit dem, was er doppelt hat, auf die Straße, um es zu verkaufen. „Jeder Anstecker kostet 500 Tenge (2,50 Euro)“, erzählt Viktor und zeigt auf seine Schätze. „Diese Abzeichen sind eine Bank. Mit den Jahren werden sie wertvoller.“ Das Geld werde hingegen immer weniger wert.

Seine Kunden sind meist Touristen und Sammlerkollegen. Das Geschäft läuft jedoch nicht mehr so gut: „Früher als die Hauptstadt Almaty war, habe ich mehr verdient“, berichtet Viktor. Seit Astana 1997 Hauptstadt wurde, fahren die meisten Touristen dorthin.

Er habe schon immer Briefmarken gesammelt, erzählt Viktor und zeigt ein Set aus Kuba, für das er 1000 Tenge (5 Euro) verlangt. In der Sowjetunion gab es einen regen Briefmarken-Tausch, so bekam er beispielsweise damals Marken aus Deutschland oder Kuba.

Für Viktor ist der Job als Straßenverkäufer beides: Arbeit und Hobby. „Ich bin froh, dass ich damit Geld verdienen kann. Das Sammeln und Verkaufen macht mir aber auch einfach großen Spaß.“

Diese Serie entstand im Rahmen der Zentralasiatischen Medienwerkstatt (ZAM) im August 2013 in Almaty.

Tatjana Buchtarowa, Merej Rachmuchan und Kathrin Schnurrer

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