Popcorn zum Abendessen gab es beim Filmfestival KINOgerMANIJA. Vom 23. bis zum 26. November zeigte das Filmtheater Caesar vier Nächte lang Filme aus Deutschland. Die Filmwoche fand im Rahmen des Jahres „Deutschland in Kasachstan“ statt.

/Bild: Filmverleih Pandora. ‚Der Film „Soulkitchen“ eröffnete das Filmfestival.’/

„Tut mir leid, es gibt keine Karten mehr!“, heißt es an der Kasse des Filmtheaters Caesar in Almaty, vor der sich ein gutes Dutzend Menschen drängen. In einer halben Stunde läuft jedoch kein Hollywood-Streifen wie der neue Harry-Potter-Film, sondern „Soulkitchen“, vom Hamburger Regisseur Fatih Akın. Der Film eröffnet die vom Goethe Institut organisierte deutsche Filmwoche „KINOgerMANIJA“.

Deutscher Kinoalltag in Kasachstan

Akıns Werk ist ein großer Teil des Filmfestivals gewidmet. Gleich fünf seiner Filme wurden an den ersten beiden Tagen des Filmfestivals an die Leinwand geworfen. Während er bei „Crossing the Bridge“ die Musikszene Istanbuls porträtiert, thematisiert Akın bei seinen anderen Filmen das Leben der Menschen in Deutschland, die, wie er, türkische Wurzeln haben. Denn auf der Leinwand bewegen sich die Figuren zwischen den Kulturen, wie es „Kurz und schmerzlos“ oder „Gegen die Wand“ auf eindrucksvolle Weise zeigen. Gewalt und Tod verbildlicht Akın auf teils brutal-realistische Weise. Er tabuisiert genauso wenig das Thema Sexualität: Als im Film „Soulkitchen“, den in Deutschland schon über 1,3 Millionen Zuschauer gesehen haben, nackte Brüste gezeigt werden, kichert der volle Kinosaal unsicher; bei einer Sexszene hört man Gemurmel und sieht Kopfschütteln. Was im deutschen Kino schon Alltag ist, wirkt auf das kasachstanische Publikum teils noch ungewohnt und bisweilen verstörend. „Wenn nicht wir schockieren, wer dann?“, sagt Barbara Fraenkel-Thonet, Leiterin des Goethe Instituts Almaty.

„Eine außergewöhnliche Nacht“

Schockieren will auch der Film „Deutschland 09“. Er stellt in 13 aneinander gereihten Kurzfilmen die Gedanken dar, welche die Regisseure zum damaligen Zeitpunkt umtrieben. Themen wie die präventive Terrorbekämpfung werden satirisch aufs Korn genommen. Der Kurzfilm „Krankes Haus“ verzerrt die Gesundheitsversorgung und freie Marktwirtschaft bis ins Groteske, als ein Arzt einen Patienten bei lebendigem Leibe seziert, dessen Organe aber mit Termini aus der Finanzwelt bezeichnet. Aber der Abend ist noch lange nicht zu einem Ende gelangt.

Der Kurator der Oberhausener Kurzfilmtage, Herbert Schwarze, hat über sechs Stunden Filmmaterial aus Deutschland mitgebracht. Er hat Filme jeden Genres, von Asien bis Europa dabei – düstere Stummfilme folgen auf Liebesgeschichten und diese auf Familiendramen. „Es ist eine außergewöhnliche Nacht. Denn wir übertreiben durch so viele Kurzfilme, sodass wir ein Gefühl wie im Delirium erzeugen; alles verschwimmt zu einem großen Film“, erklärt Schwarze. Bevor es mit der Kurzfilmnacht „Oberhausen on Tour“ losgeht, deckten sich die Zuschauer, die gut drei Viertel des Saales belagerten, verständlicherweise mit koffeinhaltigen Getränken und Süßigkeiten ein, um die Nacht zu überstehen. Doch schon nach den ersten modernen Kurzfilmen zeigte sich, dass nicht jeder die Ausdauer und das Sitzfleisch für ein solches Event hat.

Von Vinzenz Greiner

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