Die Auswahl der IPS-Stipendiaten, die 2020 ein Praktikum im Deutschen Bundestag absolvieren, geht in die entscheidende Phase. In der vergangenen Woche kam eine Auswahldelegation nach Kasachstan, um die Kandidaten kennenzulernen.

Einmal im Deutschen Bundestag zu arbeiten, ist für viele Studenten und Uni-Absolventen ein Traum. Dank des Internationalen Parlamentsstipendiums (IPS) steht die Tür für ein Praktikum im Berliner Parlament aber nicht nur Deutschen offen, sondern auch jungen Menschen mit guten Deutschkenntnissen aus anderen Ländern. Auch in Kasachstan, wo es eine deutschsprachige Universität und deutsche Sprachdiplomschulen gibt, hat sich das Programm rumgesprochen. In der vergangenen Woche wurde es nun ernst für die Bewerber: Sie bekamen Besuch von einer prominent besetzten Auswahldelegation aus Deutschland.

Der Bundestagsabgeordnete Jan Metzler (CDU), der Vizepräsident der Berliner Humboldt-Universität Peter Frensch und Beate Hasenjäger vom Deutschen Bundestag legten zuvor allerdings einen Zwischenstopp in Aserbaidschan ein. Denn auch dort warteten IPS-Bewerber auf ihre Auswahlgespräche. Zudem standen eine Großveranstaltung an der Sprachenuniversität ADU in Baku sowie ein Besuch im Landesparlament Milli Meclis an, wo Gespräche mit Abgeordneten der Freundschaftsgruppe geführt wurden.

In Almaty klang die Reise der IPS-Auswahldelegation schließlich mit einem Empfang aus. Mit dabei: die acht Kandidaten für das IPS-Programm, die es letztlich in die engere Auswahl geschafft haben. Gemeinsam mit den neun Kandidaten, die aus Aserbaidschan verblieben sind, kommen so insgesamt 17 Kandidaten auf neun Stipendien. Ein Novum ist, dass unter den acht Kandidaten, die sich in Almaty vorstellten, auch drei aus der Mongolei sind.

Gute Sprachkenntnisse allein reichen nicht für ein IPS-Stipendium

Insgesamt gibt es etwa 120 Parlamentsstipendien für Bewerber aus aller Welt – selbst aus den Vereinigten Staaten. Das entspricht in etwa der Zahl der Bundestagsabgeordneten, die sich ihrerseits um einen Stipendiaten bewerben. So kommt letztlich auf jeden fünften bis sechsten Abgeordneten ein Stipendiat. Bewerben können sich Staatsbürger des jeweiligen Heimatlandes, die das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, Deutsch mindestens auf B2-Niveau beherrschen und einen Universitätsabschluss in der Tasche haben.

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„Wir legen zudem Wert darauf, dass die Kandidaten den Wunsch haben, später eine Rolle in der Politik ihres Heimatlandes zu spielen“, so Delegationsmitglied Frensch am Rande des Empfangs. Eine Rolle spielt bei der Auswahl zudem, ob die Interessen und fachlichen Schwerpunkte der Kandidaten zu den Aufgaben im Bundestag passen. Für Absolventen aus den Ingenieurs- oder Naturwissenschaften ist es daher naturgemäß schwieriger als etwa für Juristen oder Politologen.

Die fünfmonatigen Praktika finden unter anderem in den Büros von Abgeordneten statt. Grundsätzlich können die erfolgreichen Bewerber dabei bei jeder Partei landen. In der Regel werden sie den Abgeordneten nach dem jeweiligen Bedarf und fachlichen Schwerpunkt zugeordnet, Wünsche bezüglich der Parteizugehörigkeit können daher nicht immer erfüllt werden.

Gutes Auskommen trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit

Der ehemalige IPS-Stipendiat Philipp Semyonov erinnert sich gut an den Spruch, den ein Verantwortlicher aus der Bundestagsverwaltung häufig wiederholte: „Das Leben ist kein Wunschkonzert.“ Philipp, am vergangenen Donnerstag als Alumni ebenfalls zu Gast beim IPS-Empfang, landete schließlich aber doch bei seiner Wunschpartei: den Linken. „Ich glaube, dass circa 80 Prozent der Stipendiaten bei den Parteien gelandet sind, die sie wirklich ausgewählt hatten.“

Die Parteizugehörigkeit der jeweiligen Abgeordneten während des Praktikums habe dabei keinen Einfluss auf das zwischenmenschliche Verhältnis der Stipendiaten gehabt – selbst wenn sie etwa bei so gegensätzlichen Parteien wie AfD und Linken oder Grünen landeten. „Wir hielten die anderen Stipendiaten für ganz normale Menschen, mit denen man offen diskutieren kann. Auch die Ukrainerinnen und die Russen haben sich ganz gut verstanden und ohne Probleme miteinander geredet.“

Interessant ist der Lebensweg, den die Stipendiaten nach Ablauf des Praktikums bestreiten. Schon während ihrer Zeit im Bundestag können sie dank einer Hochschulkooperation in der Hauptstadt Lehrveranstaltungen an allen Berliner Hochschulen belegen – darunter neben der Humboldt-Universität an der Freien Universität und der Technischen Universität. Bei vielen weckt das den Wunsch, nach dem Praktikum ein weiterführendes Studium zu absolvieren. Laut Peter Frensch von der Humboldt-Universität nutzen etwa 25 Prozent der IPSler diese Chance. Knackpunkt ist allerdings für viele die Voraussetzung, dass man die Fähigkeit zur selbständigen Finanzierung des Studiums nachweisen muss. Das kann über ein Stipendium, ein Arbeitseinkommen oder aber auch über die Eltern sein.

Christoph Strauch

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