Tanja Fichtner ist Expertin für Unterricht des Goethe-Instituts und betreut das Programm Schulen: Partner der Zukunft. Frau Fichtner koordiniert die Arbeit an den Partnerschulen in Kasachstan, Kirgisistan und Turkmenistan.

/Interview in der 2. Klasse./

Frau Fichtner, was ist das Besondere am PASCH-Konzept und am Deutsch-Unterricht in PASCH-Schulen?

Der Deutsch-Unterricht gestaltet sich an den weltweit 1400 Schulen ganz unterschiedlich: angefangen von den deutschen Auslandsschulen bis hin zu den FIT-Schulen, die vom Goethe-Institut betreut werden, muss man hier variieren. Die FIT-Schulen heißen so, weil an ihnen die FIT-Jugendprüfungen des GI abgenommen werden. Sie haben oft einen mehr natur-wissenschaftlichen Schwerpunkt mit dem Sprachprofil Deutsch als erste oder zweite Fremdsprache. Damit kann die Anzahl der Deutsch-Stunden je nach Schule und Ausrichtung zwischen zwei bis fünf Wochenstunden betragen.

Ziel in allen PASCH- und FIT-Schulen ist die Vermittlung eines modernen Deutschunterrichts. Wir wollen Schüler und Lehrer im weltweiten PASCH-Netzwerk untereinander vernetzen.
Das Netzwerk basiert auf internationalen Jugendkursen und unserer Online-Präsenz www.pasch-net. Sowohl Schüler, als auch Lehrer haben im PASCH-Netzwerk die Möglichkeit, sich untereinander kennenzulernen. Lehrer und Schüler können sich durch die virtuelle Welt des PASCH-net miteinander austauschen, Diskussionen online führen usw. Darüber hinaus werden über das PASCH-net zahlreiche Kulturprogramme angeboten, Konzerte und Ausstellungen organisiert, die natürlich auch eine gute Gelegenheit zur Netzwerkbildung bieten.

Wie viele Sonderschulen werden weltweit betreut und wie viele in Kasachstan/Zentralasien?

Das Goethe-Institut betreut fünf Schulen in Kasachstan, zwei in Kirgisistan und eine in Turkmenistan. Ich bin als PASCH-Koordinatorin des Goethe-Instituts Almaty für diese acht Schulen verantwortlich.

Die Anzahl der Deutschlerner an PASCH-Schulen ist in den letzten Jahren gestiegen. Woran liegt das und wie kann dieser Trend verstärkt werden?

Ich denke, diese Entwicklung liegt an der Besonderheit des PASCH-Programms. Wir haben in der Tat einen Anstieg der Deutschlernerzahlen feststellen können, und dieser Trend könnte noch verstärkt werden durch unser PASCH-Konzept: Deutschunterricht an PASCH-Schulen ist ein sehr medienzentrierter Unterricht, in dem multimediale Lehrmittel genutzt werden. Die modernen Unterrichtsmaterialien tragen maßgeblich dazu bei, Deutsch als moderne Sprache zu vermitteln. Die Lehrkräfte werden gezielt für diese Unterrichtsmethodik fortgebildet, um modern und kommunikativ Deutsch zu unterrichten. Die Teilnahme am PASCH-Programm bietet interessante Möglichkeiten wie die Bewerbung für Jugendkursstipendien, welche ein starker Anreiz zum Deutschlernen sind.

Dieser Trend kann noch verstärkt werden, wenn wir den Schülern in den PASCH-Schulen konkret Berufsperspektiven und verschiedene Möglichkeiten der PASCH-Initiativen aufzeigen. Zum Beispiel wird in Kirgisistan eine naturwissenschaftlich-technische Sommerschule angeboten, an der auf Deutsch unterrichtet wird. Diese Sommerschule soll die Teilnehmer sprachlich auf ein technisches Studium in Deutschland vorbereiten. Im Prinzip ist so ein Projekt auch für Kasachstan denkbar.

Wie können PASCH-Schulen und –Lehrer dazu beitragen, ein modernes Deutschlandbild zu vermitteln?

Die Vermittlung eines modernen Deutschland-Bildes funktioniert über Begegnungen, über Kulturprojekte, über die Vernetzung im „PASCH-net“. So bieten wir beispielsweise Kulturprogramme mit deutschen Künstlern an. Das moderne Deutschlandbild wird den Pädagogen in Lehrerfortbildungen und Seminaren nähergebracht. Nicht zuletzt sind moderne Lehrmittel, wie Lehrbücher, CDs und Multimedia-Tools wichtig, um über eine visuelle Gestaltung Wissen und Werte zu vermitteln. Diese Aufbereitung bietet sowohl Lehrern, als auch Schülern einen Anreiz, Deutschland und die deutsche Sprache noch besser kennenzulernen.

Stichwort Mehrsprachigkeit? Welchen Stellenwert nimmt Deutsch als Fremdsprache an PASCH-Schulen ein?

Wir freuen uns natürlich über jeden Schüler, der Deutsch als 1. Fremdsprache wählt, aber uns ist auch die große Bedeutung von Englisch klar. Deshalb bieten wir auch spezielle Lehrerseminare für Deutsch nach Englisch an, um die Verwandtschaft der beiden Sprachen als Chance zu nutzen und zu begreifen. Deutschland ist ja auch kein einsprachiges Land, gerade im Bildungssektor dominiert immer mehr die Zweisprachigkeit. Für ein erfolgreiches Studium im In- und Ausland ist Englisch als erste Fremdsprache absolut notwendig. In diesem Sinne lernt Deutschland auch von der mehrsprachig geprägten globalisierten Welt.

In Kasachstan möchten wir erreichen, dass die Schüler Deutsch als Chance verstehen und als erste oder zweite Fremdsprache wählen. Nach Englisch fällt das Deutschlernen dann auch viel leichter.

Kurz und knapp: Welchen Vorteil hat es für kasachstanische Schüler, Deutsch an einer PASCH-Schule zu lernen?

Die Schüler kommen in den Genuss eines modernen, kommunikativen und interessanten Fremdsprachenunterrichts, der in Kasachstans Bildungslandschaft eine hohe Qualität hat. Die Schüler werden in das weltweite PASCH-Netzwerk eingebunden, welches ihnen beste Möglichkeiten zum Austausch untereinander bietet. Die Teilnahme an Jugendkursstipendien ist darüber hinaus eine wunderbare Motivation, Deutsch zu lernen und seine Deutschkenntnisse auf einer Reise nach Deutschland aufzubessern.

Welche zukünftigen Projekte planen Sie als PASCH-Beauftragte mit Deutschmittlern und Partnern?

Wir planen momentan ein Projekt, das als „Studienbrücke“ konzipiert ist. Wir wollen den Schüler, die die PASCH-Schule gewöhnlich mit dem A2-Level abschließen, die Chance auf studienbegleitenden Deutschunterricht geben, so dass sie fit sind für ein Masterstudium in Deutschland.

Außerdem bereiten wir gerade ein gemeinsames Projekt mit den DSD-Schulen zum 200. Jubiläum der Herausgabe der Grimmschen Hausmärchen vor. Es gibt also noch viel zu tun!

Frau Fichtner, vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Malina Weindl

Weitere Informationen: www.goethe.de, www.pasch.net

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Die Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) wird seit 2008 vom Auswärtigen Amt koordiniert und gemeinsam mit dem Goethe-Institut, der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst und dem Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz umgesetzt. Das Ziel der PASCH-Schulen ist eine Stärkung des weltweiten Netzwerkes von ca. 1500 Partnerschulen mit besonderer Deutschlandbindung. Von Bedeutung ist die Vermittlung eines modernen Deutschlandbildes und die Förderung der deutschen Sprache. Die Arbeit in PASCH-Schulen wird von vier zentralen Leitgedanken geprägt: Perspektiven durch Bildung, Horizonterweiterung durch Mehrsprachigkeit, Zugang zu Sprache und Bildung und gemeinsames Angehen von Zukunftsproblemen als internationale Lerngemeinschaft.

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