Bitcoins, Mining, Blockchain: Wenn es um digitale Währungen geht, verstehen die meisten nur Bahnhof. Dabei sind die neuen Bezahlmethoden in vielen Ländern auf dem Vormarsch – unter anderem in Zentralasien.

Die Weltwirtschaftskrise von 2008 zeigte auch in den Ländern Zentralasiens ihre Auswirkungen. Die Zentralbanken sahen sich gezwungen, die heimischen Währungen immens abzuwerten. Erst 2014 folgte eine erneute Abwertung des Tenges um fast zwanzig Prozent. Das Vertrauen in die staatlichen Institutionen hat unter diesen Umständen gelitten. Als Folge griffen viele Menschen zu der Möglichkeit, ihr Geld in Euro und Dollar aufzubewahren – ein Mittel, von dem noch heute Gebrauch gemacht wird.

Ein ähnliches Problem gab es auch in anderen Ländern wie Argentinien. Nur investierte hier die Bevölkerung in Krypto-Währungen, die geheimnisvollen Bitcoins (Abkürzung: BTC). An digitales kontaktloses Bezahlen hat sich ein Großteil der Menschen sowieso schon gewöhnt. Und das Internet stellt jedes Jahr für immer weniger Menschen Neuland dar. Mittlerweile kann in Argentinien mit Bitcoins in öffentlichen Verkehrsmitteln bezahlt werden. Es ist also durchaus möglich, neue Bezahlmethoden in das tägliche Leben zu integrieren.

Aber wie funktionieren Kryptowährungen überhaupt? Das Geheimnis ist die sogenannte „Blockchain“, ein Werkzeug für Informatiker. Mit ihrer Erfindung machte die Welt des Digitalen einen Quantensprung. Wenn wir mit unserer Kreditkarte bezahlen, wird bei unserer Bank nachgefragt, ob wir über genügend Geld für den Einkauf verfügen. Mittels der Blockchain ist es jetzt möglich, in diesem Informationszyklus auf die Bank zu verzichten. Es ist wie mit Bargeld: Eigentlich geht es nur den Verkäufer und den Käufer etwas an, ob man das Geld hat oder nicht. In der Blockchain hat jeder alle Informationen und gleichzeitig hat sie auch keiner. Dieses Paradoxon ist das Juwel im Algorithmus.

Die Bank an dieser Stelle auszuschließen, bringt viele Vorteile mit sich: Man verliert kein Geld, wenn sie bankrott geht. Es fallen keine Gebühren für ein Konto an. Die Währung ist keiner Preisdoktrin eines Staates unterworfen. Der Quellcode ist für jedermann transparent und kann nicht verändert werden.

Enormer Stromverbrauch

Ein Nachteil darf dabei jedoch nicht unerwähnt bleiben: Das Geld kann nicht gedruckt werden. In der Computersprache heißt der Prozess, mit dem Krypto-Geld hergestellt wird, „Mining“. Um 1 BTC zu erhalten, muss eine mathematische Rechenaufgabe gelöst werden. Jedes Mal, wenn eine Aufgabe gelöst wird, wird die nächste Aufgabe einen Block länger, also schwieriger. Und so bildet sich eine gigantische „Blockchain“ (Deutsch: Block-Kette). Wegen dieser notwendigen Rechenleistung hat Bitcoin heute einen größeren jährlichen Strombedarf als das Land Portugal. Aufgrund dieser Tatsache ist Mining nur noch in den Ländern attraktiv, wo Strom sehr günstig ist.

Im Nachbarland Usbekistan zum Beispiel sorgen gewaltige Staudämme, die die von Menschenhand geschaffenen Naturkatastrophen wie jene rund um den Aralsee verstärken, und die reichen Öl- und Gasvorkommen für niedrige Strompreise. Nachhaltige Energieversorgung hat hier wenig Priorität. Das Land aber ist so interessant für große Konzerne in der Welt der digitalen Währungen.

Tatsächlich hat Usbekistan bereits Gesetze erlassen, um einen Schritt Richtung „Krypto-Nation“ zu gehen. So sollten die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit das Land attraktiver für ausländische Investitionen im Bereich des Finanzmarktsektors wird. Die Regierung in Taschkent hat allerdings inzwischen Maßnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass Usbekistan zum Lieferanten von Billigstrom für die internationale Finanzindustrie degradiert wird. Am 12. Oktober hat sie die Stromsteuer für das Mining verdreifacht. Es zeigt sich so, dass mit den neuen Technologien auch ein Lernprozess für die politische Führung einsetzt.

Regierung will Kontrollverlust vorbeugen

Kasachstan schlug von vornherein einen konservativeren Kurs ein als der Nachbar. Die Nationalbank und andere Regierungsbehörden halten Kryptowährungen für „ein geeignetes Instrument zur Geldwäsche und zur Steuerhinterziehung“, wie der frühere Präsident Nasarbajew 2018 im Gespräch mit dem Nachrichtensender Sputnik News sagte. Regierungen haben aber generell nur sehr geringe Möglichkeiten, Finanztransaktionen zu kontrollieren oder sogar zu verbieten.

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Die kasachische Regierung arbeitet seit über einem Jahr mit der maltesischen Firma „Exante“ an einer eigenen Kryptowährung. Diese würde dann zwischen den Kauf von BTCs mit Tenge geschaltet werden, um staatliche Kontrolle doch zu ermöglichen. Verbieten lässt sich der Kauf nur mit drastischen Eingriffen in den Bankensektor, was unvorhersehbare Risiken für den lokalen Markt mit sich bringen würde. Die bisherigen Maßnahmen der Regierung zeigen, dass man einem eventuellen Kontrollverlust vorbeugen will.

Die Nationalbank Kasachstans unterliegt den wirtschaftspolitischen Vorstellungen der Regierung. Sie kontrolliert den Kurs an den Wechselstuben. Mit den neuen Technologien ist es erstmals möglich, dem Staat diesen belastenden und bürokratisch sehr aufwendigen Verwaltungsakt abzunehmen.

In Krisenzeiten ist der Dollar fast überall in der Welt eine Fluchtmöglichkeit für privates Kapital. Aktuelle Beispiele wie die in Südamerika zeigen aber, dass das neue Geld das Potential hat, sich nicht nur von der lokalen, sondern auch der US-amerikanischen Währungsdoktrin zu lösen. Das hat auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg verstanden. Für Länder, deren Währungen starken Schwankungen unterworfen sind, möchte Facebook die digitale Währung „Libra“ anbieten. Doch hier ist Vorsicht geboten: Diese Alternative bietet keinen der genannten Vorteile. Im Informationszyklus würde die Bank nur durch Facebook ersetzt. Für den Käufer bestünde also kein Unterschied, ob nun der Staat oder ein Konzern willkürlich handelt: über beides hat der einzelne Bürger keinen Überblick.

Südamerika hat gezeigt, wie schnell das tägliche Bezahlsystem auf Bitcoins umgestellt werden kann. Eine Währung ist nur so stark wie der Glaube, den Menschen in sie stecken.

Auf www.bitcoinatmradar.com kann man herausfinden, wo man BTCs und andere Kryptowährungen für Tenge kaufen kann, doch Vorsicht: Hier lauern bis zu zehn Prozent Gebühren. Nähere Informationen rund um das Thema und zum Kauf über den Laptop finden sich auf www.buybitcoinworldwide.com. Für den Kauf und die Aufbewahrung von BTCs benötigt man ein „Wallet“ (deutsch: Brieftasche) – ein Programm für den Laptop. „Electrum“ ist dabei eine unter erfahrenen Händlern sehr verbreitete Software. Für das Smartphone ist die beste Lösung die App „MyCelium“. Man sollte unbedingt den Kurs vor und nach dem Kauf in regelmäßigen Abständen im Auge behalten, denn auch er ist Schwankungen ausgesetzt. Für den Einstieg gibt es unzählige Anleitungen und Erklär-Videos auf Youtube. Keine Angst: Das Ganze ist längst nicht so kompliziert, wie die Auswirkungen des europäischen Leitzinses zu verstehen.

Lukas Kunzmann

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