Nun scheint doch etwas Unruhe unter den Experten und Politikern wegen der hohen Auslandsschulden Kasachstans auszubrechen. Zumindest mehren sich in letzter Zeit die Publikationen und Konferenzen zu diesem Thema.

Das ist auch nicht verwunderlich, schließlich sind diese Schulden nicht nur in einer sehr kurzen Zeit außerordentlich schnell gestiegen, sondern sie sind auch noch der Hauptgrund dafür, dass eine Reihe von Banken und Unternehmen mit dem Rücken zur Wand stehen und ihre Zahlungsfähigkeit kaum noch oder gar nicht mehr sichern können. In der Folge ist denn auch das Kreditrating Kasachstans heftig in den Keller gefallen, was wiederum erhöhte Zinsen für neue Kredite bedeutet, falls man diese überhaupt noch bekommt.
Zum Jahresende 2008 (die Statistik hinkt immer fast ein halbes Jahr hinterher) haben die Auslandsschulden Kasachstans etwa 107 Milliarden Dollar betragen und sie waren damit um 11 Prozent höher als Ende 2007. Schulden an sich sind ja kein besonderes Problem, wenn sie in einer richtigen Relation zum Vermögen oder in diesem Falle zur Wirtschaftsleistung stehen. In dieser Hinsicht war die Relation schon mal schlechter. Noch vor zwei Jahren waren die Auslandsschulden fast so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt, heute ist diese Quote auf etwa 90 Prozent gefallen. Statistisch gesehen ist das eine Verbesserung. Absolut betrachtet sind die Schulden allerdings weiter gewachsen, und sie wachsen infolge der teilweise ausgesetzten Rückzahlungen auch weiter. Als kritische Größe gilt international ein Niveau von etwa 70 Prozent, Kasachstan befindet sich also nach wie vor klar im roten Bereich und kann sich trotz der vorhandenen Devisenreserven keinesfalls entspannt zurücklehnen.
Von Interesse sind die strukturellen Veränderungen der Auslandsschulden. Zwischen 2008 und 2007 haben sich die Auslandsschulden des Staates auf 1,6 Milliarden Dollar erhöht (plus 10 Prozent), die des Finanzsektors  auf 12, 1 Milliarden Dollar (minus 89 Prozent) und die des Bankensektors auf 39 Milliarden Dollar (minus 15 Prozent) verringert. Den Löwenanteil der Auslandsschulden vereinen nach wie vor die Unternehmen der sonstigen Wirtschaftsbereiche auf sich, damit vor allem die Industrie im weitesten Sinne des Wortes. Deren Gesamtschulden betragen stolze 67 Milliarden Dollar und haben sich somit innerhalb nur eines Jahres um 36 Prozent erhöht. Die Statistik verschweigt allerdings, um welche Unternehmen es sich konkret handelt. Wahrscheinlich unterliegen solche Dinge der Geheimhaltung von Firmendaten, was aber eine Analyse der Prozesse erschwert.
Wie wird nun mit diesem Schuldenberg umgegangen? Hinsichtlich des Bankensektors hat sich ja die Regierung mächtig engagiert und mehrere Banken mit staatlichen Mitteln versorgt, so dass sie erst einmal ihre Zahlungsverpflichtungen in den letzten Monaten erfüllen konnten. Damit wollte man zunächst Zeit gewinnen, die man braucht, um vielleicht über den Zuwachs der Spareinlagen der Bevölkerung und juristischer Personen die weiteren, bald fälligen Zahlungen leisten zu können. Dieses Kalkül scheint nicht ganz aufzugehen. Zwar wachsen die Spareinlagen noch etwas, aber längst nicht in dem Maße, wie das für die Zahlungsverpflichtungen notwendig wäre. Demnach braucht man weitere Zeit, um die Restukturierungsverhandlungen mit den Gläubigern in relativer Ruhe führen zu können.
Diesen Weg hat nun die Regierung eingeschlagen. Das heißt, weiteren Banken, die in Zahlungsschwierigkeiten sind, wird nicht mit weiteren großen Geldsummen geholfen, sondern eher durch Unterstützung bei den Verhandlungen zu Umschuldungen und Kreditverlängerungen. Solche Maßnahmen sind international üblich und haben in den Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte, zum Beispiel in den Zahlungskrisen Mexikos, Russlands und südosteuropäischer Staaten durchaus Wirksamkeit gezeigt. Die heutige Situation unterscheidet sich jedoch wesentlich von der vor 10 bis 15 Jahren. Damals war das westliche Bankensystem im Kern gesund und konnte solche Veränderungen der ursprünglichen Kreditbedingungen leicht verkraften. Heute haben die meisten Geberbanken selbst genügend Probleme und brauchen oftmals selbst Kredite für ihr normales Funktionieren oder gar das einfache Überleben.
Noch einen Schritt hat die kasachische Regierung zur Entspannung der Lage durchgeführt. Per 1. Januar des laufenden Jahres wurden wesentliche Sätze für Unternehmenssteuern herabgesetzt, um so den Unternehmen Liquidität zu erhalten. Die Steuersenkungen betragen bis zu 10 Prozent, sie sind also signifikant. Damit ist der Staat eher auf eine marktwirtschaftliche Lösung eingeschwenkt, nun müssen sich die Unternehmen selbst bemühen. Allerdings fehlen diese geringeren Steuern sofort wieder im Staatshaushalt, was hier Probleme schaffen wird – allerdings in etwas anderer Art und eher längerfristiger Natur.

10/07/09

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