Die umgesetzten Aktivitäten der Assoziation der gesellschaftlichen Vereinigungen der Deutschen Kasachstans (ADK) „Wiedergeburt“ im Rahmen des BMI Programms zur Unterstützung der Deutschen Minderheit in Kasachstan standen Anfang Juni im Focus eines Workshops im Deutschen Haus in Almaty. Ein wirkungsorientiertes Monitoring soll in Zukunft zeigen, ob die Aktivitäten der „Wiedergeburt“ die Programmziele erreichen. Drei Monitoring-Expertinnen über das Vorgehen.

/Bild: Olesja Klimenko. ‚Dr. Annegret Westphal, Büro Deutsche Öffentliche Auftraggeber, Programme für Nationale Minderheiten, Ländermanagerin Zentralasien und Ukraine, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.’/

Welchen Auslöser hatte das Monitoring des BMI Programms zur Unterstützung der Deutschen Minderheit in Kasachstan?

Dr. Sabine Speiser: Monitoring ist nicht dasselbe wie Evaluierung. Bei einer Evaluierung gibt es oft einen konkreten Auslöser wie ein Problem oder das Ende einer Förderungsphase. Monitoring braucht keinen konkreten Auslöser. Hierbei geht es eher um eine dauerhafte Begleitung der Umsetzung und ein kontinuierliches Feedback an das Management des Programms.

Wie sieht das Monitoring konkret aus?

Dr. Annegret Westphal: Es handelt sich um kein traditionelles Monitoring, sondern um ein wirkungsorientiertes Monitoring. Das bedeutet, dass wir nicht nur die quantitativen Veränderungen messen, wie zum Beispiel die Anzahl der Personen aus der deutschen Minderheit, die an Sprachkursen teilgenommen haben, sondern die qualitativen Veränderungen, die durch die Aktivitäten des Programms entstehen. In diesem Beispiel: Welche Sprachkenntnisse sich die Teilnehmer angeeignet haben, ob sie die deutsche Sprache weiter in ihrem Alltag anwenden, vielleicht ein Stipendium für ein Studium in Deutschland bekommen haben etc. Die einzelnen Indikatoren für die Messung der Veränderungen erarbeiten die Vertreter der deutschen Minderheit selbst in unserem heutigen Workshop gemeinsam mit den Vertretern der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Können Sie schon vorab ein Beispiel nennen, wie so ein Indikator des Monitorings aussehen könnte?

Dr. Annegret Westphal: Ein Teil des Programmziels besteht in der Stärkung der Selbstorganisation „Wiedergeburt“. Hier könnte man zum Beispiel die Anzahl der registrierten Benutzer der Informationsquellen der Selbstorganisation (Internetportal der „Wiedergeburt“, Leser der Deutschen Allgemeinen Zeitung) messen, um zu prüfen, ob und wofür die Leistungen der Selbstorganisation genutzt und wie sie bewertet werden.

Welche positiven Effekte wird das Monitoring für die Arbeit der „Wiedergeburt“ haben?

Dr. Irina Hetsch: Wir sind ja gerade dabei, die Durchführung des Programms vollständig an die Partnerorganisation zu übergeben, deswegen ist es wichtig, dass die deutsche Minderheit auch die Wirkungen des Programms mit konkreten Daten belegen kann. Die Selbstorganisation kann das Monitoring auch als Instrument für ihre eigene strategische Planung nutzen.

Wie steht die deutsche Minderheit in Kasachstan in Bezug auf das wirkungsorientierte Monitoring im Vergleich zu Russlanddeutschen in anderen osteuropäischen Ländern da?

Dr. Annegret Westphal: Mit dem heutigen Abschluss der Arbeitssitzung haben wir in allen unseren Projektregionen Gleichstand erreicht. Hier in Kasachstan konnten wir heute die Phase der Operationalisierung und der Aufgabenverteilung, wer welche Daten erheben und auswerten soll, abschließen. Das Programmziel und die Komponentenziele sind bisher in allen Ländern dieselben, die Arbeitsfelder erstrecken sich auf die Bereiche ethnokulturelle Arbeit, Jugend, Sprache, Selbstorganisation, Eliteförderung und soziale Arbeit. Das Monitoring ist ein wichtiges Instrument für die deutsche Minderheit, die Erreichung der Ziele zu überprüfen und an uns und das BMI zurückzumelden, in welche Richtung der Weg in Zukunft führen soll, so dass wir das Programm stärker an den unterschiedlichen regionalen Anforderungen ausrichten können.

Wann sind erste Ergebnisse des Monitorings zu erwarten?

Dr. Annegret Westphal: Alle erhobenen Daten werden in eine elektronische Datenbank eingefügt und ausgewertet. Ich rechne mit ersten Ergebnissen im Laufe des Jahres, denn teilweise haben wir schon konkrete Ausgangsdaten für 2010, die können wir dann mit den Veränderungen in 2011 vergleichen.

Interview: Christine Karmann

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Dr. Annegret Westphal, Büro Deutsche Öffentliche Auftraggeber, Programme für Nationale Minderheiten, Ländermanagerin Zentralasien und Ukraine, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

Dr. Irina Hetsch, Leiterin der GIZ Vertretung für das BMI Programm zur Unterstützung der Deutschen Minderheit in Kasachstan.

Dr. Sabine Speiser, freie Beraterin (interculture.management) im Auftrag der GIZ.

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