Graffiti ist in Taschkent eine wenig be- und noch weniger geachtete Kunst. Die usbekische Graffiti-Szene ist äußerst klein und noch sehr jung und kann nur mit Mühen existieren.

Derzeit gibt es in Taschkent genau zwei Akteure, die sich auf professionellem Niveau mit Graffiti befassen. Diese zwei Graffiti-Künstler (In der Szene: Writers), die im Duo arbeiten, heißen SAIF ONE und SIN SAM. SAIF ONE hat sein erstes Stück (Piece) 2003 gemacht. Dazu inspiriert haben ihn Graffitis ausländischer Writers. SIN SAM hat seit 2006 mit Graffiti zu tun. Wie für viele andere Writers, war auch für ihn die Leidenschaft zum Hip-Hop ein Beweggrund.
Den Startpunkt für die gemeinsame Arbeit bildete für beide ihre Teilnahme an der Gestaltung der Tanzfläche der Diskothek „Utopie“ wärend einer Graffitishow. In der Folge schlossen sie sich zum Duo „Free crew“ zusammen. „Free crew“ ist eine der wenigen Graffiti-Gruppen Usbekistans, die nach Weiterentwicklung der so genannten Wandkunst strebt. Ihre Pieces sind in einem auffällig grellen Stil gemalt. Die bis dato von SAIF und SAM gefertigten etwa 40 Pieces dekorieren hauptsächlich Wände im Chilansar-Bezirk Taschkents. Die beiden versuchen, Kontakte mit Künstlern aus der ganzen Welt zu knüpfen. Teilweise gelingt das schon. „Das gibt’s auch hier!“ stellten verwunderte Writers fest, die zu Besuch aus Russland nach Taschkent gekommen waren.

Von legalisierten Graffiti kann hier keine Rede sein – man braucht sie einfach nicht. Ihre Existenz kann aber zum Ärgernis werden. Wenn SAIF und SAM etwas kreieren – eine Wand, Mauer oder Fassade zu besprühen beabsichtigen, fragen sie stets nach der Erlaubnis der Bewohner oder Besitzender der Häuser.

„Gefährliche Waffen“

Hierzu lohnt es sich, eine lustige Anekdote zu erwähnen: „Free Crew“ sollte dem Jugendclub „Dutch-Club“ laut Vertrag eine Wand mit Graffiti besprühen. Diese Wand war sichtbar und auffällig, so, dass die Arbeiten die Aufmerksamkeit eines Polizisten auf sich zogen. Er zögerte nicht lange und verhaftete SAIF und SAM.

„Stellen Sie sich vor, wie komisch es war, als er uns überzeugen wollte, dass die Leiter, die Säge und die Sprühdosen, die wir für die Arbeit benutzt hatten, gefährliche Waffen seien. So ein Unsinn!“ – ereifern sich SAIF und SAM. Nach der Freilassung entschloss man sich eine andere, weniger öffentlich sichtbare Wand zu besprühen.

„Da die Subkultur bei uns nicht angesagt ist, machen sich die meisten keinen Reim darauf und erkennen keinen Unterschied zwischen echten Graffiti und in den Putz gekratzten Schimpfworten oder sinnlosen Schmierereien. Die Leute halten die Graffiti-Sprüher für Rowdys und Tagediebe, die absichtlich Höfe schänden“, meint SAIF ONE.  Das sei der eine Punkt, der Jugendliche vor der Beschäftigung mit Graffiti zurückschrecken ließe. Der zweite habe natürlich mit den Kosten für die notwendigen Materialien zu tun.

Dazu, wie es unter diesen Voraussetzungen  um die Zukunft der Graffiti-Kunst in Usbekistan bestellt ist, meinen „Free Crew“ selbstbewusst: „Wir sind diese Zukunft“.

Von Elena Tsay

23/01/09

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