Gemeinsam mit sieben Berliner Vereinen, lud das „Humboldt Forum“ dazu ein, den Frühlingsbeginn mit internationalen Künstlerinnen, Künstlern und mit exotischen Traditionen zu feiern. Das Nouruzfest, auch Newroz, Nauros, Nauryz oder Navro’z genannt, markiert seit über 3.000 Jahren den Beginn des Frühlings. Man feiert es zur Tag-und-Nacht-Gleiche am 20. oder 21. März. Der Name bedeutet „Neuer Tag“ und steht für Erneuerung, das Erwachen der Natur und die Rückkehr des Lichts. Nowruz wurde 2009 von der UNESCO in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Weltweit begehen ca. 300 Millionen Menschen Nouruz entlang der Seidenstraße. In manchen Ländern wird dem Nouruz-Fest neben dem Wiedererwachen der Natur noch eine zusätzliche Bedeutung gegeben, wie beispielsweise das kurdische Volk, das bei dieser Feier auch an die wieder erstarkende Widerstandskraft denkt, oder das turkmenische Volk, das den Beginn des landwirtschaftlichen Jahres begeht.

In der Zeit einer globalen und fortdauernden Polykrise, einer Phase des strukturellen Umbruchs, die von einer tiefgreifenden Neuordnung der globalen Machtverhältnisse, hoher Unsicherheit und der gleichzeitigen Wirkung verschiedener Krisen geprägt ist, in der viele Familien getrennt sind oder in Unsicherheit leben, schafft das gemeinsame Begehen des Nourusfestes Raum für Verbundenheit, Gemeinsamkeit und Geborgenheit.

Die Gäste des Humboldt-Forums erwartete ein Programm aus Musik, Tanz, Vorträgen, Workshops, Marktangeboten und kulinarische Spezialitäten. Das Forum bot einen lebendigen Rahmen, um die Vielfalt und Bedeutung dieses traditionsreichen Neujahrs- und Frühlingsfestes erfahrbar zu machen. Mit 9000 Gästen war das Fest der bisher größte Erfolg einer Veranstaltung im „Humboldt-Forum“ und die beste Werbung für vorderasiatische, zentralasiatische sowie andere Kulturen.

Buchara in Berlin

Vertreten wurde Zentralasien durch Usbekistan, mit Unterstützung des Vereins „San’at – Forum für Kunst, Kultur und Wissenschaft e.V.“, der eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Berlin ist und der sich für diese Veranstaltung die Mitwirkung von Zukhra Rakhmatova gesichert hatte. Der Verein hat es sich generell zur Aufgabe gemacht hat, kulturelle Brücken zwischen Usbekistan und Deutschland zu bauen.

Neben althergebrachten Bräuchen wie dem Eierbemalen, dem Zöpfeflechten und dem Binden von Blumenkränzen, trat als Höhepunkt der Veranstaltung das Ensemble „Milliy Meros“ („Nationales Erbe“) auf, das extra aus Buchara angereist war, und präsentierte ein Konzertprogramm mit traditioneller Musik aus Usbekistan. Alle Künstler, die im Humboldt-Forum auftraten, sind Mitglieder der Staatlichen Philharmonie Usbekistans. Das Programm umfasste traditionelle Karnay- und Surnay-Melodien, klassische Maqom-Gesangstraditionen, regionale Volkslieder aus Buchara sowie virtuose Perkussionsperformances auf Doira und Qayroq.

„Kagan“ – Ethnofolk aus Kasachstan

Anlässlich des Nationalfestes Nauryz lud S. E. Nurlan Onzhanov, Botschafter der Republik Kasachstan, in das Rathaus in Berlin-Mitte zu einem Konzert des Ethno-Folklore-Ensemble „Kagan“ ein, an das sich ein Empfang anschloss, der von Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kunst, Kultur und Zivilgesellschaft besucht wurde. Einige einleitende Worte sprach zudem Christian Görke, der Vorsitzende der Deutsch-Zentralasiatischen Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag.

Das Ensemble „Kagan“ wurde im Jahr 2018 unter der Leitung von Nurbolat Zhanbaev als eigenständiges künstlerisches Kollektiv gegründet. Heute gehört es zu den renommierten Ensembles der Konzertorganisation „Shymkent Konzert“.

Das ethnografisch, folkloristisch ausgerichtete Ensemble verbindet in seinem künstlerischen Schaffen auf eindrucksvolle Weise die zeitgenössische Interpretation der traditionellen kasachischen Musik mit militärisch geprägten, aufrufenden Klangmotiven der frühen Turkvölker. Das Wirken des Ensembles leistet einen bedeutenden Beitrag zur kulturellen Bildung und Identitätsstärkung der jungen Generation, und es kann als Ausdruck einer lebendigen, geistigen Erneuerung der kasachischen Gesellschaft verstanden werden.

Unter der Leitung von Sanat Abilkhan vereint das Ensemble hochqualifizierte Multiinstrumentalisten, die nationale Musikinstrumente auf höchstem Niveau beherrschen. Ihr Repertoire umfasst traditionelle Instrumente wie Dombyra, Sherter, Qylqobyz, Shanqobyz, Sazsyrnai und Shinkildek sowie Perkussionsinstrumente wie Dabyl und Dauylpaz. Ein Großteil der aufgeführten Werke sind Eigenkompositionen der Ensemblemitglieder.

Besondere Aufmerksamkeit verdiente die Komposition „Al-Farabi“, die das Publikum musikalisch in die historischen Zentren Yassy, Buchara und Samarkand entführte. Das Werk „Uly Kagan“ zeichnet sich durch seinen kraftvollen, heroisch-programmatischen Charakter aus. Die instrumentalen Bearbeitungen von Stücken wie „Aiken-ai“, „Nauryz“, „Turan“, „Zheldirme“ sowie des Liedes „Közimnin qarasy“ von Abai erreichen eine besondere poetische Ausdruckskraft. Letzteres zeichnet den Lebensweg Abais von der Kindheit bis zur Reife musikalisch nach.

Zum Repertoire zählen zudem Werke, die gemeinsam mit traditionellen Sängern aufgeführt werden. Ergänzt wurde das Programm durch traditionelle Küi sowie Kompositionen zeitgenössischer Autoren.

Ein herausragendes Merkmal des Ensembles ist die Vielseitigkeit seiner Mitglieder. Jeder Musiker beherrscht fünf bis sechs Instrumente und trägt damit maßgeblich zur klanglichen Vielfalt und Authentizität des Ensembles bei. Das Publikum war begeistert und belohnte den Auftritt mit tosendem Applaus.

Nauryz an historischer Stätte

Ein weiteres Nauryzfest wurde im berühmten Rathaus Schöneberg gefeiert. Musikensembles und Musiker aus Kasachstan („Kagan“), Tadschikistan, Kirgistan und extra aus Taschkent angereiste Künstler aus Usbekistan brachten ihre Darbietungen in einem voll besetzten Saal dar. Mitunter hielt es die Gäste nicht mehr auf ihren Plätzen. Die Rhythmen motivierten die Menschen zum Tanzen.

Gleichzeitig haben die Teilnehmerländer mit Ständen Werbung für ihr jeweiliges Land gemacht. Bei einem Rundgang mit Diplomaten aus den Ländern Zentralasiens, an dem S.E. Nurlan Onzhanov (Botschafter Kasachstan), S.E. Dilshod Akhatov (Botschafter Usbekistan), S.E. Dr. Imomudin Sattorov (Botschafter Tadschikistan) als auch mit Ashkat Ryskulov (Botschaftsrat Kirgistan) teilnahmen, gab es einen Austausch der Botschafter mit ihren Landsleuten und zahlreichen Gästen.

Es herrschte eine wunderbare und ausgelassene Atmosphäre vor, in der viel gelacht wurde. Darüber hinaus gab es spezifische kulinarische Spezialitäten der Teilnehmerländer. Besonders gespannt waren die Gäste auf den Plov aus Usbekistan, der ganz zum Ende der Veranstaltung gereicht wurde.

Nauryzfest der turksprachigen Botschaften

Ein weiteres besonderes Ereignis war das Nauryzfest der turksprachigen Botschaften, das in der türkischen Botschaft in Berlin stattfand und zu dem S.E. Nasimi Aghayev, der Botschafter der Republik Aserbaidschan, gemeinsam mit dem Botschafter der Republik Türkei, S.E. Gökhan Turan, am 30. März eingeladen hatten.

An dem mehr als dreistündigen Programm nahmen Gäste aus Diplomatie, Politik, Wirtschaft, Kunst, Kultur und Zivilgesellschaft teil. Das künstlerische Repertoire mit Tänzern, Musikern und Sängern war beeindruckend, abwechslungsreich, lebendig und musikalisch auf höchstem Niveau.

Es gab unterschiedlichste Darbietungen mit fantastischen Künstlern, die auf teils sehr alten und landestypischen Instrumenten ihr Können aufgezeigt haben. Die Kostüme waren farbenfroh und wurden extra für dieses besondere Ereignis bestickt und genäht. Die Künstler kamen aus Aserbaidschan, Kasachstan (“Kagan“), Kirgisistan, der Türkei, Turkmenistan, Usbekistan und Nordzypern.

Auch hier konnten sich die Länder mit Ständen, kulinarischen Köstlichkeiten sowie mit traditionellen Trachten präsentieren und gleichzeitig Werbung als Tourismusdestination machen. Abschließend gab es einen großen Empfang, auf dem Gerichte der landestypischen Küche vorgestellt wurden.

Christian Grosse

Teilen mit:

Hinterlasse eine Antwort

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein