Design aus Schweden muss nicht nüchtern, klar und funktionstüchtig sein. Auch wenn der Titel ihrer gemeinsamen Ausstellung „KK + TF“ erstmal recht sachlich klingt, entführten Klara Källström und Tobias Fäldt die Besucher der Galerie Tengri-Umai in Almaty Ende August in eine nordische Fantasiewelt. Die schwedischen Fotografen zeigten, wie es aussieht, wenn man das alltägliche Leben neu zusammensetzt.

/Bild: Christine Karmann. ‘Fotograf Tobias Fäldt: „Der Zauber eines Augenblicks“ ‘/

Es ist immer wieder faszinierend, wie schnell das Kunstvolk von Almaty die Galerie Tengri-Umai bei einer Vernissage erobert. Ob gut behütet, im roten Stretchkleid posierend oder an der Hand des Papas – spätestens eine Viertelstunde nach Ausstellungseröffnung sieht man vor lauter Menschen die Kunst nicht mehr. Wer Ende August rechtzeitig zu der Vernissage der schwedischen Fotografen Klara Källström und Tobias Fäldt „KK + TF“ kam, den erwarteten Fotos, die sich durch eine solche Ausdruckskraft auszeichnen, dass eine Besucherin fragte, ob die beiden spezielles Fotopapier benutzen.

Nachts in einer Tempelruine

Dabei liegt die Faszination der Bilder weniger am Material als an den Bildkompositionen der beiden Fotografen, die seit 2005 zusammenarbeiten. „Wir nennen unseren Stil ‚documentary fiction‘, dokumentarische Erfindungen“, sagt Klara Källström. „Um vom Zauber eines Augenblicks zu erzählen, lösen wir alltägliche Bilder aus ihrem Zusammenhang und setzen sie neu zusammen.“

Das sieht dann so aus: Er, in rotem Pullover und beigen Hosen, steigt gerade auf sein Mountainbike, als ob er von der Arbeit nach Hause fahren möchte. Aber warum befindet er sich dann mitten im Wald, in einer offensichtlich nachgebauten griechischen Tempelruine? Und wer versucht gerade unter dem Tempelfundament hindurchzukriechen, so dass nur noch seine silbernen Beine herausschauen? Vor einem tiefschwarzen Himmel komponieren die schwedischen Fotografen eine neue Welt zusammen.

Viel Raum für Geschichten

„Als wir erkannten, dass wir ähnlich darüber denken wie ein Bild aussehen soll, haben wir angefangen zusammenzuarbeiten“, sagt Klara Källström. „Wir reisen viel und fotografieren dabei, aber letztendlich ist es für den Betrachter nicht wichtig, wo die Bilder aufgenommen worden sind.“ Vielmehr geht es darum, Fragmente von Fotos zu neuen Bildern zusammenzusetzen, die eine neue Wirklichkeit zeigen. Als ob es so und nicht anders passiert sei.

Gedanken zu einem weiteren Ausstellungsbild: Wahrscheinlich möchte sich der Mann morgens nach dem Aufstehen anziehen, aber warum schlüpft er dann in einen blauen Müllsack und warum passiert das alles auf einer Wiese? Und was hat der auf die Fahrbahn gestürzte Baum auf dem Nachbild damit zu tun? Ihre rätselhaften Bilder wollen Klara Källström und Tobias Fäldt nicht erklären.

Hinweise wie Bildunterschriften sucht man in der Ausstellung vergeblich. Auch der Titel „KK + TF“ verweist lediglich auf die Anfangsbuchstaben der Künstler. Das einzige, was die Fotografen aus Schweden verraten, ist, dass sie ihre Bilder im Internet und in Galerien immer wieder neu zusammenstellen, um einen Rahmen für weitere Geschichten zu schaffen.

Mehr über „KK + TF“

Klara Källström wurde 1984 in Östersund (Schweden) geboren. Mit einem Bachelor in Fotografie schloss sie im Mai 2009 die Universität von Göteborg ab. In der Stockholmer U-Bahn zeigte sie 2008 eine Kunstinstallation an den Wänden einer Haltestelle. Sie arbeitet auch an Fotografien für Bücher; ihr erstes selbst herausgegebenes Buch „Gingerbread Monument“ erschien im Oktober 2008. Ihre Arbeiten wurden für die New Nordic Photography Ausstellung 2009 in Göteborg ausgewählt.

Tobias Fäldt wurde 1978 in Gävle (Schweden) geboren. 2006 bekam er die Auszeichnung „Schwedischer Fotograf des Jahres“ für sein Projekt „Year One“ von der Bildagentur Scanpix verliehen. 2009 zeigte er erstmals seine Arbeit „581c“, welche nun in 10 Bänden herausgegeben wird. Für diese Arbeit wurde er vom Schwedischen Kunstrat ausgezeichnet. Tobias Fäldt ist Mitglied der Bildagentur Tinker Street in New York.

Von Christine Karmann

Teilen mit: