Der Leiter des Informationszentrums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Kasachstan, Michael Jaumann, hat bei einem Arbeitstreffen über Erwartungen von kasachischen Stipendien-Bewerbern, über deren Interesse an den Programmen sowie über verschiedene Fördermöglichkeiten berichtet. Das Treffen fand an der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty statt.

Stipendienbewerber haben oft zu hohe Erwartungen an den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Das hat jüngst Michael Jaumann, der Leiter des DAAD-Informationszentrums in Kasachstan, im Rahmen seines Vortrags „DAAD-Stipendiaten aus Kasachstan“ an der Deutsch-Kasachischen Universität (DKU) in Almaty berichtet. So nähmen einige Bewerber für einen Studienaufenthalt in Deutschland an, dass die Organisation sie automatisch an einer der sogenannten Eliteuniversitäten wie der Ludwig-Maximilians-Universität in München platziere. Zudem sei die Meinung weit verbreitet, dass Studienaufenthalte komplett vom DAAD organisiert würden, so Jaumann weiter.

Anlass von Jaumanns Ausführungen war das von der DKU in Zusammenarbeit mit Vertretern der Universität Trier veranstaltete Arbeitstreffen „Brain Circulation (Gedankenaustausch) – Development (Entwicklung) – Nexus (Verbindungen) zwischen Deutschland und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Ziel des Treffens mit dem Untertitel „Transnationale Karrieren, Wissenstransfer und Netzwerke“ war es, Formen und Ausprägungen des Austausches von hochqualifizierten Fachkräften zwischen Deutschland und Kasachstan zu diskutieren und Probleme zu beleuchten.

Konkret erfolge die Auswahl von Stipendiaten für einen Studienaufenthalt in Deutschland in zwei Stufen, erläuterte Jaumann genauer. Zunächst seien alle Bewerber dazu aufgefordert, schriftliche Unterlagen abzugeben. „Danach sind die Erwartungen oft übersteigert hoch“, kommentierte der Chef des Informationszentrums der Organisation. Doch nach der Papierbewerbungsrunde finde zunächst eine Vorauswahl statt, nach welcher sich die Auserwählten einem Bewerbungsgespräch unterziehen müssten“, fügte er hinzu. Das Gespräch werde von wechselnden Mitgliedern einer unabhängigen Kommission geführt.

Die Teilnehmer des Arbeitstreffens hören aufmerksam zu. | Foto: Elke Kögler

In den Gesprächen würden die Aspiranten vor allem über ihre jeweiligen Bezüge zu den gewählten deutschen Hochschulen sowie den dortigen Studienfächern, ihre persönlichen Studien– und Zukunftsziele und ihre Fach– und Sprachkenntnisse befragt. „Dabei stellen die Kommissionsmitglieder immer wieder fest, dass Grundlagen fehlen und falsche Erwartungen existieren“, sagte Jaumann. So würden Bewerber nicht vom DAAD platziert. Stattdessen müssten sich diese ebenso wie jeder andere Student an der Wunschuniversität bewerben. Der DAAD sei schließlich keine Marketing-Agentur, die Studienplätze vertreibe, sondern finanziere Studienaufenthalte vor allem. Eine nicht sonderlich stark ausgeprägte Eigenwerbung von Universitäten sei allerdings eher ein deutsches Phänomen, räumte Jaumann ein. Länder wie zum Beispiel die Vereinigten Staaten von Amerika betrieben hingegen ein sehr aggressives Marketing.

Die höchste Anzahl an Deutschland-Stipendien wird von der Organisation im Rahmen des Hochschulsommer-Programms vergeben. Nachdem – ebenso wie in anderen DAAD-Programmen – die Platzanzahl reduziert und die Anforderungen geändert wurden, sank ebenso die Anzahl der kasachischen Interessenten. Während 2013 noch 225 Bewerbungen auf die 89 Plätze eingingen, verzeichnete die Organisation 2016 lediglich 195 Aspiranten auf die übrig gebliebenen 47 Stipendien. „Der Grund dafür sind vor allem unzureichende Sprachkenntnisse“, erklärte Jaumann. So müssten die jungen Deutschlerner neuerdings ein Sprachzertifikat der Niveaustufe B1 vorlegen. Eine Ursache für die mangelnden Kenntnisse sei, dass viele Studenten Englisch als erste, aber Deutsch lediglich als zweite Fremdsprache erlernten, erläuterte Jaumann. Somit erkläre sich wohl ebenso die Tatsache, dass 80 Prozent aller Anfragenden ein Studium in englischer Sprache absolvieren wollten.

Den größten Ansturm auf DAAD-Stipendien gebe es von kasachischen Bachelor-Absolventen. Insbesondere gefragt seien verschiedene ein– sowie zweijährige Master-Studienprogramme in Deutschland, war weiter zu erfahren. Konkret ist im Jahr 2016 im Vergleich zu 2013 die Zahl der Bewerbungen von 207 (zwölf Plätze) auf 237 (zehn Plätze) gestiegen.

Ein erfreulicher Aspekt in Bezug auf den Vergleich der Jahre 2013 und 2016 sei, dass inzwischen nicht mehr hauptsächlich Studenten aus Almaty nahezu alle Stipendien erhalten. Stattdessen waren 2016 ebenso junge Bewerber aus Kostanai, Ust-Kamenogorsk und der kasachischen Hauptstadt Astana zum Zuge gekommen.

Elke Kögler