Ich bin ein Glückspilz. Nicht nur, dass ich das schönste kleine Hutzelhäuschen bekommen habe, es hat sogar eine kleine Sauna im Keller. Meine eigene Sauna, wow! Klingt super, ist aber in der Umsetzung gar nicht so einfach. Damit muss man erst mal umgehen lernen.

Ich ging versuchsweise in die unbeheizte Sauna. Und muss sagen, mir war etwas beklommen zumute. Ich war noch nie allein in so einem Ding. Was wäre, wenn ich die Tür nicht aufbekäme und die Sauna sich immer weiter aufheizt bis auf 130 Grad, 140 Grad, 150 Grad … wie in einem James Bond Film, in dem 007 beinahe zu Tode geheizt wird, weil der Schurke die Tür verschließt. Ich muss mir den Film unbedingt noch mal anschauen, um zu sehen, wie er sich befreien konnte.

Ich testete also, ob sich die Tür leicht öffnen lässt. Auf. Zu. Auf. Zu. Auf. Zu. Ging einwandfrei. Wie aber verhält sich die Tür bei Hitze? Verzieht sich das Holz und dann klemmt sie … Aha, da ist noch ein kleines Fenster, das man im Notfall öffnen kann. Und da noch ein anderes. OK. Wage ich es also. Zwei Knöpfe gedreht. Ein Stündchen gewartet. Ab in die Hütte.

Meine Vermieterin hat mir ein kleines Fläschchen Saunaaufguss bereitgestellt, wie nett! Ich ergoss es großzügig über die Heizsteine und erzeugte damit eine große Stichflamme.

Um Himmels Willen, beinahe hätte ich meine Sauna in Brand gesetzt! Später las ich, dass man eine Kappe in ein bis zwei Liter Wasser verdünnen muss. Klar, weiß doch jeder, dass je kleiner die Fläschchen, desto gefährlicher der Inhalt. Ist grad noch mal gut gegangen.
Beim zweiten Saunagang fiel mir auf, dass ich immer brav mein Handtuch mitnahm, um nicht den Platz zu belegen, und mich in den Bademantel hüllte. Begeistert stellte ich fest, dass ich das ja in meiner eigenen Sauna gar nicht brauche, hurra, ich bin ja ganz allein, wie schön!
So richtig entspannend war das erste Mal nicht, weil ich vor lauter Aufregung so rumzappelte. Um es richtig auszukosten, machte ich vier Saunagänge statt drei. Und weil ich das Heizsystem noch nicht richtig verstanden habe, waren es mal 60 Grad, dann über 100 – totaler Stress für den Körper. Aber – die eigene Sauna!

Anstatt mich zwischen den Saunagängen zu entspannen, schrieb ich stolz meinen Freunden, dass ich grad meine eigene Sauna nutze. Gut, das erste Mal ist immer alles besonders und anders. Und lange werde ich das nicht mehr allein genießen können, da ca. 98 Prozent der angeschriebenen Freunde Saunafans sind und sich darin drängeln werden. Auch gut.

Mein Kollege Vedat merkte an, ich müsse mich mit dem Saunieren eingehend beschäftigen, was man beachten müsse und so. Was müsse man denn da beachten, fragte ich. Das wisse er auch nicht, aber sicher müsse man was beachten. Ich solle mir mal ein Buch kaufen. Tja, ein Buch liegt mir fern, aber ein kleiner schneller Blick ins Netz kann ja nicht schaden.

Aha, da ist schon was: Fünf Regeln. Übersichtlich. 1. Regel: den Hausarzt fragen. Tja, das hätte ich wohl versäumt. 2. Regel: vorher duschen. Oh, auch nicht gemacht. Allerdings ist die Regel etwas widersprüchlich, denn sie besagt, dass man duschen soll, um mit trockener Haut in das Ding zu gehen. Häh? Wenn man mit Wasser duscht, wie soll die Haut dann trocken bleiben?! Egal, Regel 3: Wer vorher Sport … keine Relevanz. Derzeit ist die Sauna mein einziger Sport. Regel 4: Sauna ist kein Sport. Oh! Man soll auf sein Wohlbefinden achten und sich nichts beweisen, z.B. nicht oben sitzen, nur weil andere das machen. Entfällt. Da ich allein in meiner Sauna bin, komme ich nicht in die Verlegenheit, mich dem Gruppenzwang zu beugen. Regel 5: Zeit mitbringen, um zu entspannen. Nicht hetzen. Ja, das schaff ich wohl. Das war es auch schon. Na bitte, dann kann ja nichts mehr schief gehen!

Apropos, ich fühle mich vom vielen Sitzen und Schreiben doch ein klein wenig verspannt, ich denke, ich muss jetzt unbedingt in die Sauna, um mich zu entspannen. Vorher kein Sport, trocken duschen, Zeit mitnehmen und los!

Julia Siebert

12/03/10