Ewgenij Kolesnik, Direktor der CMT GmbH, ist spezialisierter technischer Händler für Lager-, Linear-, und Antriebstechnik, Werkzeuge und Schmiermittel. Die Nische ist zwar nicht groß, aber sehr interessant. Denn alles, was sich dreht, bewegt und kreist, sind Kugellager. In einem Auto zum Beispiel gibt es im Durchschnitt 120 Kugellager, in einem Flugzeug ungefähr 3.000.

Das Büro der CMT GmbH befindet sich in Gevelsberg (Nordrhein-Westfalen). Der Verkauf erfolgt über Handelsplattformen, das Internet und über verschiedene Arbeitsprozesse mit Kunden in der Region. Die Bandbreite an Zielregionen für die Produktauslieferung ist groß, umfasst Deutschland und Europa, Russland und fast alle GUS-Länder, Nord- und Südamerika. Das Unternehmen arbeitet mit den führenden Herstellern auf der ganzen Welt zusammen.

Ewgenij, was ist die Vorgeschichte Ihres Unternehmens? Wie hat Ihr Weg in die Geschäftswelt begonnen?

Eigentlich war das, als die Jahre 2008 und 2009 vor der Tür standen: Die globale Bankenkrise brach aus, alles ging abrupt pleite, alles wurde trostlos und kompliziert. Ich habe den Beruf Kaufmann im Groß- und Außenhandel gelernt, in Kombination mit dem Fachabitur hat dies den Weg an die Universität eröffnet. Damals habe ich also in einem Unternehmen gelernt, das sich auf den Export von technischen Produkten, Kugellagern und Lineartechnik spezialisiert hatte. Ich war der verantwortliche Manager für den russischen Markt. Damals gelang es mir ziemlich gut, eine Datenbank zu entwickeln und mit den Daten neuer Kunden aufzufüllen – nicht nur Kunden aus Russland, sondern auch aus Belarus und der Ukraine.

Und hier beginnt die Geschichte meines Geschäfts. Als Kunden und Käufer erfuhren, dass ich das Unternehmen verlassen habe, fingen sie an, ihre Anfragen an mich persönlich zu richten – sie hatten meine Kontaktdaten und wollten weiterhin mit mir zusammenarbeiten. Schließlich habe ich einen Antrag gestellt, um ein eigenes Geschäft zu eröffnen, welches so schnell wuchs, dass ich es nach drei Monaten nicht mehr geschafft habe, die Vorlesungen an der Fachhochschule Düsseldorf zu besuchen. Ich musste Bestellungen entgegennehmen, Waren zusammenstellen und versenden, Ausfuhrbescheinigungen und Herkunftszeugnisse erstellen usw.

Waren Sie von einer derart rasanten und dynamischen Entwicklung Ihres Geschäfts überrascht?

Irgendwann ja. Allerdings hatte ich ja bereits bestimmte Erfahrungen gesammelt, daher musste ich mich nur neu orientieren und meine Fähigkeiten einsetzen. Nach einer Weile nutzte ich die finanzielle Unterstützung des Staates, für die ich sehr dankbar bin. Fast ein Jahr lang erhielt ich finanzielle Hilfen für die erfolgreiche Entwicklung meines Geschäfts. Eine Freundin hat mir sehr dabei geholfen, die Sache aktiv voranzutreiben – heute ist sie meine Ehefrau und die Mutter meiner Kinder. Sie hat einen Abschluss in Wirtschaft, Steuerrecht und Besteuerung.

Ihre Qualifikationen haben perfekt mit meiner Erfahrung und meinen Kenntnissen als Manager zusammengepasst: Einkauf, Verkauf, Export usw. Später haben wir einen weiteren Mitarbeiter eingestellt, haben Räumlichkeiten angemietet. Nach einigen Umstrukturierungen und anderen Prozessen verfügt unser Unternehmen heute aus meiner Sicht über ein recht gutes Umsatz- und Rentabilitätsniveau. Eigentlich ist es selbstverständlich, aber: Wir haben ein attraktives Sortiment an hochwertigen Produkten. Deshalb ist die CMT GmbH für einen breiten Verbraucherkreis interessant.

Und in Kasachstan? Anscheinend sind Sie ja von hier?

Absolut richtig. Ich bin im Gebiet Konstanaj geboren, in Komsomolets – das heißt heute Karabalyk. Aufgewachsen bin ich nicht weit von dort, in dem Dorf Smirnowka. In die Schule bin ich in Katschara gegangen – das ist ein kleines Städtchen im gleichen Gebiet. Heute werden dort Magnetiterze abgebaut. Von dort sind meine Familie und ich 1998 nach Deutschland gegangen. Ich war da fünfzehn Jahre alt. Dann habe ich die Sprache gelernt. Die deutsche Grammatik habe ich mir in etwa sechs Monaten praktisch selbst beigebracht – da ist absolut nichts Kompliziertes dran. Dann wurde ich nach Köln zu einem Intensivsprachkurs geschickt, wo ich meinen Wortschatz erweitert habe.

Am Morgen habe ich gearbeitet, am Nachmittag habe ich eine Schule für Erwachsene besucht. Und dann wurde ich in die Armee eingezogen. Die Militäreinheit, für die ich mich beworben und wo ich im Prinzip auch einen Platz bekommen habe, waren die Panzerabwehrtruppen. Das heißt, die Landetruppen, die den Fortschritt feindlicher Panzer aufhalten. Das klingt draufgängerisch und böse. Aber die Einheit wurde aufgelöst. Daher kam ich in die Luftlandeeinheit, in der Fallschirme vorbereitet wurden, dort war es grau und langweilig. Ich habe deshalb meinen Vertrag gekündigt, obwohl ich ehrlich gesagt immer davon geträumt habe, in der Armee Karriere zu machen.

Warum gerade in der Armee? Das ist doch heutzutage ein sehr ungewöhnlicher Wunsch.
Ich habe immer geglaubt, dass ein Mann sein Heimatland verteidigen können muss. Anscheinend kommt das noch aus der sowjetischen Kindheit. Für mich sind solche Überlegungen selbstverständlich, vernünftig und nach meinem Geschmack. Mit der militärischen Karriere hat es leider nicht geklappt, in dieser Zeit fand eine gewaltige Reduzierung der Armee statt.

Was Kasachstan betrifft, so habe ich noch nicht ausgeredet: Vor einigen Jahren, 2014-2015, haben wir versucht, unsere Repräsentanz mit den Kollegen in Almaty zu eröffnen. Diese Idee wurde zunächst nicht schlecht in die Realität umgesetzt. Wir hatten sogar ein Lager mit bestimmten Ersatzteilen, und wir haben mit bekannten Marken gearbeitet. Dann brach der Ölpreis ein, die Produkte auf dem russischen und kasachischen Markt verdoppelten sich sofort im Preis und die Konsumenten hatten kein Interesse mehr.

Wie hat sich die Situation mit dem Coronavirus auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Wir arbeiten gut eingespielt und in höherem Tempo, aber ohne besondere Probleme. Es ist offensichtlich, dass die Pandemie eine Medaille ist, die auch eine andere Seite hat. Trotz all ihrer Nachteile gibt es auch positive Eigenschaften: zum Beispiel die Tatsache, dass sich das Geschäft auf das Internet übertragen hat. Der Raum des Internets wird greifbarer und effektiver. In jedem Fall können wir dank einer stabilen Basis an Lieferanten, eines globalen Netzwerks an Käufern und einer durchdachten Strategie ein breites Spektrum an Lösungen realisieren. Die Suche nach Alternativen und die Entwicklung neuer Lösungen ist für uns selbstverständlich. Grob gesagt, erregt der wirtschaftliche und soziale Wandel, wie auch immer er aussehen mag, nicht nur das Bewusstsein, sondern treibt uns auch dazu an und zwingt uns dazu, noch effizienter zu arbeiten und uns auf fundierte Berechnungen zu verlassen.

Die Pandemie wirkt für kleine und mittelständische Unternehmen also nicht nur als Einschränkung, sondern auch als eine Art Impuls zur Leistungssteigerung. Bieten ihrerseits die Regierungsbehörden den Unternehmen Zugeständnisse an?

Sicher! Insbesondere werden verschiedene steuerliche Anreize gegeben. Bis zu einem gewissen Grad ist das richtig.

Sie sind einer der Leiter der Union der Unternehmer aus Russland und Kasachstan. Hat die Situation mit Covid Ihre sozialen Aktivitäten beeinflusst?

Was mich selbst betrifft, größtenteils nicht, unabhängig von den Märkten und der sozialen Stimmung. Leider ist dies aber keine Standardphrase. Unsere Mischung aus politischen, unternehmerischen und aktiven kulturellen Aktivitäten ist eingefroren. Das sind die Kosten dieser schwierigen Zeit. Generell muss man verstehen, dass die Union russischsprachige Kollegen umfasst, die im sowjetischen und postsowjetischen Raum geboren sind. Ich zum Beispiel komme gebürtig nicht aus Russland, sondern aus Kasachstan.

Was die Zeit „vor Covid“ betrifft, so muss man anmerken, dass wir früher regelmäßig Treffen nicht nur zu unternehmerischen, sondern auch zu rechtlichen und anderen Themen durchgeführt haben. Die Veranstaltungen wurden auch im größeren Rahmen angeboten. Teilgenommen haben Politiker, Botschaftsvertreter, Sportler und Handelskammern. Auch haben wir uns mit Jugendlichen getroffen. Sie sind auch daran interessiert, zuzuhören und ihre Fragen zu stellen.

Übersetzung: Philipp Dippl.

Marina Angaldt

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