Das Friedensstiftende Projekt der Robert-Bosch-Stiftung ermuntert junge Menschen aus dem Ferghanatal dazu, die Generationen ihrer Eltern und Großeltern als Zeitzeugen blutiger Konflikte in der Region zu befragen. Diesmal ein Kurzporträt der Studentin Nargisa Taschijewa aus Osch. (Foto).

Nargisa hat lockige Haare, das ist im Ferganal etwas Außergewöhnliches. Alle interessieren sich dafür. „Ich bin das einzige lockige Mädchen in meiner Familie. Meine Geschwister, mein Vater und meine Mutter haben alle glattes Haar“ sagt Nargisa.

Aber es macht sie besonders. Sie hat etwas, das sie von anderen abhebt. Das stimmt nicht nur für ihr Aussehen, auch ihre Mimik und Gestik sind besonnen. Obwohl sie mit ihren 24 Jahren Studentin an der Oscher Staatlichen Universität ist, hat sie schon viel erreicht.

Sie hat an Sommerschulen teilgenommen, als Au-Pair gearbeitet und viel Interessantes erlebt. Ihre Großeltern kommen aus Özgönd, zwei Stunden von Osch entfernt. Noch lebt sie bei ihren Eltern. Und doch ist sie eine Weltwanderin: Sie war bereits in Deutschland, Frankreich, Spanien. Stets sagt sie: „Ich bin immer unzufrieden“. Vielleicht rührt es daher, dass sie sehr große Erwartungen an sich selbst hat. Es bedeutet, dass sie immer mehr erreichen will. Sie spricht sehr offen – nach einer kurzen Unterhaltung hat man das Gefühl, sie schon ewig zu kennen.