An der Nationalen Kasachischen Medizin– Universität fand erneut ein internationaler Workshop rund um die Untersuchungen von Krankheitserregern statt. Das Training einer Erbinformations-Bestimmung könnte sich nicht nur für den Menschen positiv auswirken.

Immer wieder war die Rede von Rickettsien. Hierbei handelt es sich um parasitäre Organismen, die sich beispielsweise in Zecken finden, und welche beim Menschen eine ganze Reihe von Krankheiten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern verursachen. Bei dem vierten Workshop im Rahmen eines vom Auswärtigen Amt geförderten Projektes untersuchten die 15 TeilnehmerInnen mithilfe von hochtechnisierten Geräten die Erbinformation in Zecken aus drei unterschiedlichen Gebieten in Kasachstan. Es ging im Besonderen darum, einen routinierten Umgang mit der hochmodernen und komplizierten Technik zu bekommen.

Die Projektleiterin PD Dr. Sandra Eßbauer erklärte: „Mit unserem Projekt verfolgen wir das Ziel, eine genauere Diagnostik von Krankheitserregern durchzuführen. Dem Patienten soll nicht lediglich per Handauflegen gesagt werden: Du bist krank, leg dich mal drei Tage hin, und dann geht es schon wieder.“ Bei diesem Workshop sollten die Teilnehmenden, die als Wissenschaftler, Ärzte oder in Gesundheitszentren arbeiten, das Erbmaterial der Organismen genau untersuchen, damit sie diese Untersuchungen in Zukunft auch auf ihre Arbeit anwenden können. So sollen Krankheiten besser und schneller erkannt werden.

Dr. Sandra Eßbauer und ihre Kollegen aus Deutschland freuten sich über die interessante Zusammenarbeit mit den 15 Workshop-Teilnehmenden. | Bild: Maria Manowski

Der Workshop fand im Rahmen des „Deutschen Partnerschaftsprogramm für biologische Sicherheit und Gesundheitssicherstellung“ statt. Wie die DAZ schon im April berichtete, besteht seit zwei Jahren eine intensive Kooperation des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München mit dem Zentrum für Gesundheits-Epidemiologische Expertise sowie der Kasachischen Nationalen Medizinischen Universität.

Die eigentliche Spurensuche begann bei der genauen Untersuchung des Erbmaterials, bei der sogenannten „Sequenzierung“. Mit den besonders modernen Geräten, die hierfür notwendig sind, wurde es den Teilnehmenden möglich gemacht, in diesem Falle die DNA von Rickettsien genetisch zu untersuchen, was aber dann auf unterschiedlichste Erreger angewendet werden kann. Gastreferent Dr. Dirk Höper verglich die Zusammensetzung des Erbmaterials mit einer Kombination von Buchstaben. „Jeder DNA-Abschnitt weist eine Basenabfolge – also Buchstabenfolge – auf. Die Sequenzierung beinhaltet die Entschlüsselung dieser Basen, also der Kombination der Buchstaben.“

Der Gastreferent war besonders begeistert von der Motivation der Teilnehmenden, mit der sie an die Arbeit gegangen sind. Bei deutschen Studenten beispielsweise sei das leider nicht immer so. Innerhalb von drei Tagen hat die Gruppe das Zeckenmaterial vorbereitet und auf Rickettsien untersucht. Die Nachbearbeitung bestand darin, die Ergebnisse mit den in den Datenbanken hinterlegten Informationen zu vergleichen. Mit dem Vergleich konnten die Workshopteilnehmenden feststellen, welche Erreger in den Zecken vorkommen und ob diese gefährlich für den Menschen sind.

Mit der Sequenzierung kann der Experte theoretisch alle Informationen herausbekommen. Nur was wird gemacht, wenn diese Informationen noch nicht in einer Datenbank hinterlegt sind, man sie also auch nicht vergleichen kann?

So wäre es beispielsweise mit Material von Saiga-Antilopen möglich, herauszufinden, woran die Tiere derzeit in Kasachstan in Massen verenden.

Doch auch hierfür gebe es ein spezielles Gerät im Labor. Die Handhabung ist kompliziert. Die Proben müssen genau vorbereitet werden, also bedarf es Experten im Labor.

„Die Durchführungen der Sequenzierung dieser Proben kosten sehr viel, pro Probe umgerechnet etwa 2000 Euro, damit das Gerät gestartet werden kann. Außerdem erweist sich die Datenauswertung als Hinderungsgrund. Man braucht leistungsfähige Rechner, um Daten auszuwerten. Hinsichtlich dieser Auswertung gibt es in der Bioinformatik hier in Kasachstan einen Engpass. Man braucht bestimmte Hardware. Noch gibt es Vorbehalte, biologische Proben herauszugeben. Wenn wir Proben der Antilopen hätten, könnten wir bei uns möglicherweise der Ursache auf die Spur kommen.“, so Dr. Dirk Höper.

Diese Untersuchungen würden ein Ende des Mysteriums zumindest in Aussicht stellen.
Die trainierten Techniken sind somit nicht nur für den Menschen ein Fortschritt bei der Bestimmung von Krankheitserregern.

Von Maria Manowski