Eigentlich wollte ich mit meiner Kolumne ein paar Ausgaben aussetzen, da mir zuletzt das Lachen vergangen ist und ich mir in den Kopf gesetzt hatte, dass eine Kolumne lustig sein muss. Ich habe krampfhaft versucht, den jüngsten Ereignissen etwas Lustiges abzuverlangen. Aber wie ich es auch betrachte, es bleibt: gar nicht lustig. Jetzt kommt mir in den Sinn, dass eine Kolumne nicht um jeden Preis lustig sein muss. Nun der Versuch, einen unlustigen Beitrag zu schreiben.

Was geschah: Ich wurde überraschend, unschön und hochkant aus meinem geschätzten Orgelunterricht und – was das eigentliche Drama ist – aus der Kirche inklusive Kirchenorgel geworfen. Ich bin bei meinem Orgellehrer in Ungnade gefallen. Warum genau, kann ich dem langen bösen Brief nur vage entnehmen. In mindestens einem der drei Vorwürfe erahne ich mit ziemlich großer Sicherheit ein massives Missverständnis. Ein Klärungsgespräch war und bleibt jedoch unerwünscht. Peng – traf mich der Schuss mit der Kanonenkugel. Aus die Maus! … bzw. das Känguru.

Jedenfalls vermute ich, dass es etwas damit zu tun hat, dass ich im Kängurukostüm geübt habe. Wobei meine investigativen Nachforschungen dies nicht bestätigen. Mein Bekenntnis gegenüber gläubigen Menschen, dass ich im Kostüm geübt habe, hat kein Entsetzen ausgelöst, maximal Schulterzucken. Außerdem stimmt mich die seltsame Zusammenstellung der Vorwürfe skeptisch, so dass ich kombiniere: Es scheint etwas Grundsätzlicheres zu sein. Das Ganze könnte ganz lustig sein, wäre es nicht so ernst.

Bis ich eine neue Kirche inklusive Orgel und neuen Lehrer gefunden habe, nutze ich die unplanmäßig frei gewordene Zeit für meine anderen alten und neuen Hobbys. Schließlich will ich Imkerin werden und warte ungeduldig auf meinen eigenen Schwarm fürs Probeimkern. In diesem Zeitloch, nicht mehr orgeln aber noch nicht imkern könnend, fuhr ich zuletzt mit meinem Rad durch die Nachbarschaft, als sich just mein Imker-Nachbar an seinen Bienenstöcken zu schaffen machte. Ich lud mich selbst ein, ihm als Imkerlehrling zu assistieren, schaute ihm über die Schulter und wurde prompt von einer Biene durch den dicken Handschuh hindurch in die Hand gestochen. Mit allergischer Reaktion. Erst flogen sie so putzig umher und dann – hinterrücks wie aus dem Nichts – der giftige Stachel.

Ja, was ist denn das! Der Mensch versucht, in den Ereignissen Strukturen, Muster und Botschaften zu erkennen und so überlege auch ich, ganz Mensch seiend, was mir das sagen will. Stets gehe ich zwar mit etwas Ungeduld aber großer Freude unbeschwert auf neue Dinge zu und zack! kommt nach kurzer Zeit die Ohrfeige. Ich überlege ernsthaft, meine lang gehegten Träume und Interessen sein zu lassen. Eigentlich wollte ich noch Sprengmeisterin werden, aber meine Chancen stehen derzeit gut, mich mit einer Fehlzündung in die Luft zu jagen. Ich wollte mich mit Physiotherapie wieder fit für die Akrobatik machen, habe mich jedoch schon bei den ersten kleinen Übungen schmerzlich ausgebremst. Erst machte mir die Krankengymnastin Mut, dann stritten wir uns, dann hat sie mir die Übungen verboten. Wie lautet die Botschaft? Soll ich es bleiben lassen oder nicht aufgeben? Sollen es andere Aktivitäten sein oder ist das alles nur Zufall? Wahrscheinlich letzteres. Ich habe nur zu viel Zeit, die ich mit Grübeln und pseudo-sinnfüllenden Interpretationen verbringe. Ich fürchte, so dramatisch ist das alles gar nicht. Aber lustig ist es auch nicht.

Julia Siebert