Georg Nonnenmacher, ehemaliger Schauspieler und Regisseur des Deutschen Theaters in Kasachstan, kam nach Deutschland, um seiner Familie bessere Zukunftschancen bieten und neue Horizonte eröffnen zu können. Ein Beitrag der Kollegen von Volk auf dem Weg.

Dank seiner großartigen Ausbildung und Zielstrebigkeit bekam er sehr schnell ein Engagement am Bayerischen Staatsschauspiel (bekannt als Residenztheater mit einer jahrhundertelangen Geschichte) in München. Einerseits war er glücklich, die Gelegenheit zu haben, an einer renommierten Theaterstätte Deutschlands einzusteigen und seine schauspielerische Qualität unter Beweis zu stellen, andererseits aber ließ sich der Drang, sich unerschlossenen Herausforderungen zu stellen, nicht abschütteln.

Irgendwann holte ihn der Traum, die in Kasachstan neu eingeschlagene Berufslaufbahn als Kameramann in Deutschland fortzusetzen, ein. Erfahrungen hatte er bereits beim staatlichen Fernsehen in Kasachstan gesammelt, wo er seine ersten Dokus für die deutsche Redaktion „Guten Abend!“ drehte und mit der Fernsehkamera Streifbilder der Perestroika-Periode festhalten konnte. 1991 ergab sich die Gelegenheit, als Dolmetscher des Regisseurs Arend Agthe an der deutsch-turkmenischen Filmproduktion „Karakum“ mitzuarbeiten.

Die Dreharbeiten zu diesem Film spielten auch die ausschlaggebende Rolle bei Nonnenmachers Wahl, Kameramann zu werden, und verstärkten seinen Wunsch, etwas selbst zu produzieren. Ein Jahr später schrieb der bekannte Agthe das Drehbuch für Georg Nonnenmachers Film „Abschied von Alma-Ata“, der 1994 im ZDF ausgestrahlt wurde.

Erfolgreicher und gefragter Kameramann

Ihm wurde klar, dass er sich als Kameramann besser entfalten könnte als auf der Bühne. Die Gelegenheit, näher am Weltgeschehen dran zu sein, wollte er sich nicht entgehen lassen. Ohne lange nachzudenken, verließ Georg das Staatsschauspiel und fing beim regionalen Sender „Chiemgau TV“ an. Die ersten Erfolge stärkten sein Selbstbewusstsein, und schon bald bekam er Angebote von größeren Fernsehanstalten, die er nicht ignorieren konnte. Ab 2000 drehte er für SAT1, RTL, AZ-Medien (Doku Soap: „Meine Hochzeit“, „Mein Baby“ und längere Reportagen) sowie bei ProSieben, Galileo und dem ZDF.

Georg Nonnenmacher in der Rolle des Präsidenten in „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller.

Als erfolgreicher und gefragter Kameramann dreht Georg Nonnenmacher heute in der halben Welt: „Ich habe außergewöhnliche Menschen kennengelernt und hatte vor meiner Kamera viele bekannten Persönlichkeiten stehen, unter ihnen Barack Obama und Angela Merkel. Ich habe Weltstars wie die „Skorpions“ Backstage getroffen, Prominente wie Lara Fabian, die Brüder Klitschko, den Tennisspieler Boris Becker, die Eiskunstläuferin Tanja Szewczenko, zahlreiche Fußballspieler und sogar Papst Franziskus“, antwortet er, wenn man ihn nach seinen Erfolgen, auf die er stolz zurückschaut, fragt.

Seine beiden Berufe haben viel gemeinsam: Als Kameramann trägt er die Verantwortung für die Bildkomposition sowie den dramaturgischen Aufbau eines Beitrags. Als Schauspieler kann er durch die psychologischen Zusammenhänge die Handlungen vor der Kamera vorhersehen und ihre Entwicklung beeinflussen. Für Georg Nonnenmacher sind Bühne und Kamera eng miteinander verbunden; ein beliebiger Drehort wird zur größten Bühne, wenn die Bilder, die das Kameraauge aufnimmt, aussagekräftig und eindrucksvoll sind.

Ein Theater, das Geschichte schrieb

Georg Nonnenmacher schätzt sein Leben als glücklich und erfolgreich ein, die spannenden Momente seines Berufs sowie die stetige Unterstützung der Familie und eigenes Selbstvertrauen haben für ihn das scheinbar Unmögliche möglich gemacht. Seiner Familie ist er besonders für das Entgegenkommen und die Akzeptanz seines anstrengenden Berufs dankbar. Und seine Töchter haben schon im frühen Alter begriffen, dass es noch nicht den Weltuntergang bedeutet, wenn Papa mit ihnen nicht in den Zoo gehen möchte, weil er nach einer längeren Reportage, die er eben dort drehte, diesen Ort einfach nicht mehr sehen will.

Wenn Georg Nonnenmacher sich an Kasachstan und seine Laufbahn am Deutschen Theater erinnert, denkt er an seine Rollen und Regiearbeiten, die er aus heutiger Erfahrung sicher anders gestalten und ausarbeiten würde. Doch der Uhrzeiger lässt sich nicht zurückdrehen.
Was von der Vergangenheit bleibt, sind die Augenblicke, die fest im Gedächtnis gespeichert sind und uns manchmal einen kurzen Rückblick in das Gestern gewähren. Und in diesem Gestern stand ein Theater, das Geschichte schrieb. Und jedes neue Kapitel stammte von kunstbesessenen jungen Menschen, die sich als Autoren der russlanddeutschen Theatergeschichte bezeichneten.

Ein besonders glücklicher Tag

„Wir waren alle jung, hatten gerade unser Schauspielstudium an der Theaterhochschule abgeschlossen. Es waren romantische Zeiten. Es war ein besonderes Gefühl, die Tränen in den Augen des Publikums zu sehen, wenn sie nach langer Zeit wieder die deutsche Sprache von der Bühne hören durften. Nach jedem Auftritt, an jedem Ort hat man uns abends zu Tisch eingeladen. Wir haben großartige Menschen kennengelernt und unvergessliche Zeiten erlebt“, beschreibt Georg Nonnenmacher seine damaligen Gefühle.

Das Leben des Kameramanns und Schauspielers enthält viele glückliche Tage, von denen jeder wiederholenswert ist, aber es gibt auch einen besonders glücklichen Tag, an den er sich immer wieder erinnert: der Tag, an dem der Brief aus Moskau eintraf, in dem schwarz auf weiß stand, dass man ihn an der Theaterhochschule erwartet…

Rose Steinmark, Münster