Das Deutsche Generalkonsulat Almaty und die Deutsche Botschaft Astana veranstalten mit Unterstützung des Goethe-Instituts seit Juni das Kinofestival „KINOgerMANIJA 2011“. In 16 Städten Kasachstans werden erfolgreiche Filme sowie Neuerscheinungen aus Deutschland und der Schweiz in deutscher Sprache gezeigt. Die DAZ hörte sich um und präsentiert ein Feedback unserer Kultur- und Sprachmittler aus Karaganda zu den bereits gezeigten Filmvorführungen im Rahmen der deutschen Kino-Wochen.

 

DAZ sprach mit Olga Stein, Leiterin des „Knotenpunktes Bildungs- und Informationszentrum“ in Karaganda über den Film „Poll“. Diese deutsch-österreichische Produktion vom Regisseur Chris Kraus aus dem Jahre 2010 wurde in Karaganda mehrheitlich positiv aufgenommen. Der Film erzählt die Geschichte der vierzehnjährigen Oda von Siering, die aus einer adligen deutschbaltischen Familie stammt. Im vom Zerfall bedrohten russischen Zarenreich lernt Oda kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges einen estnischen Anarchisten kennen und lieben. Regisseur Kraus beschreibt das historische Drama der Deutschbalten unter der Hegemonie des russischen Zarenreiches und bettet es in die wechselhafte Geschichte der russischen Ostseeprovinz Estland 1914 ein.

DAZ: Frau Stein, auf welcher Veranstaltung haben Sie „Poll“ gesehen?

Olga Stein: Der Film wurde bei uns in Karaganda im Rahmen des Kinofestivals „KINOgerMANIJA“ am 6. Juni 2011 gezeigt. Zur offiziellen Eröffnung waren auch Vertreter des Deutschen Generalkonsulats und der Botschaft anwesend.

Welche Erwartungen hatten Sie im Vorfeld, was wussten Sie von Chris Kraus’ neuem Film?

Im Prinzip wusste ich nur, dass „Poll“ bereits mehrere Preise auf Kinofestivals erhalten hatte, unter anderem den Deutschen Filmpreis 2011. Ich hatte mir vorher ein paar Informationen auf der Homepage der Botschaft durchgelesen. Da hatte ich schon einige Erwartungen, die letztendlich aber übertroffen wurden.

Was hat Sie besonders beeindruckt?

Der Film ist ein tragischer und schwieriger Film mit historischem Bezug. Vor allem eine Familientragödie. Die Schauspieler spielten sehr eindrucksvoll, insbesondere die künstlerisch begabte Oda. Die Handlung spielt 1914 vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges bzw. während des Krieges. Wie die geschichtlichen Ereignisse und das Schicksal der Familie dargestellt wurden, hat mich sehr beeindruckt.

Welche Rolle spielte für Sie die deutsche Sprache im Film?

Dazu muss ich sagen, dass der Film mit relativ wenig Sprache auskam, was für mich manchmal etwas unklar war. Es wurde wenig gesprochen, im Gegenteil eher viel Musik eingesetzt. In dem Fall lebte der Film nicht von spannenden Dialogen, sondern eher vom ausdrucksstarken Spiel der Schauspieler.

Welche Botschaft wollte der Film Ihrer Meinung nach vermitteln?

Der Film hat deshalb auf mich einen starken Eindruck gemacht, weil er gezeigt hat, dass das Leben eines gewöhnlichen Menschen angesichts solcher dramatischen Ereignisse fast unwichtig wird, das Schicksal des einzelnen Menschen geht in der Masse unter. Das war sehr tragisch und ergreifend.

DAZ sprach außerdem mit Mitarbeiterinnen des SLZ (Sprachlernzentrum) des Goethe-Instituts in Karaganda über die Bedeutung des Kinofestivals KINOgerMANIJA, aber auch über die Rolle der deutschen Sprache im Film. Die Zuschauer konnten sich im Kino „Saryschailau“ die Filme „Poll“, „Prinzessinnenbad“, „Gulias Verschwinden“ und „Chiko“ anschauen.

Swetlana Gorbatschowa, Leiterin des SLZ Karaganda: „Es ist mittlerweile schon eine gute Tradition geworden, die deutsche Filmwoche in Karaganda durchzuführen. Und KINOgerMANIJA war für unsere Stadt eine unschätzbare kulturelle Veranstaltung, sowohl für die Studenten als auch für die Kursteilnehmer. (BiZ-Seminar für SprachkuratorInnen und MethodikerInnen der themenbezogenen Kindersprachzirkel, Anm. d. Red.) Diese Veranstaltung hat den Karagandaern die deutsche Kultur und deutsches Leben nähergebracht. Das ist meines Erachtens ein Gewinn für die Zusammenarbeit beider Länder – Deutschland und Kasachstan.“

Marina Geckmann, SLZ-Lehrerin: „Ich denke, dass es für die Vertreter der deutschen Botschaft sehr interessant und günstig für ihre weitere Arbeit im Kulturbereich war, die Reaktion des Karagandaer Publikums zu sehen. Für uns Zuschauer war dieses Kinofestival eine Art „Geschenkgutschein“. Wir nutzten die seltene Möglichkeit, uns die neuesten und bereits preisgekrönten deutschen Filme anzuschauen und die deutsche Kultur besser kennenzulernen. Bei der Vorführung der Filme genoss ich persönlich die echte deutsche Sprache, außerdem verglich ich als Deutschlehrerin verschiedene Sprachstile, wie die Jugendsprache und die alltägliche Umgangssprache. Diese Filme warfen viele Fragen für die Diskussion auf, die wir danach in den Gruppen besprachen.“

Alija Rasagujewa, SLZ-Multiplikatorin: „Die vielfältigen Arten der deutschen Sprache, ihre kommunikative Gestaltung sind nicht nur für die Studenten, sondern auch für die Deutschlehrer zur Erweiterung ihrer sprachlichen Kenntnisse hilfreich und praktisch!“

Die DAZ dankt allen Teilnehmern der Umfrage und wünscht allen Lesern und Kinogängern ein interessantes und unterhaltsames Kinoerlebnis bei KINOgerMANIJA!

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Weitere Termine!
AKTAU – 26.-29.09.2011 –
„Das Leben der Anderen“ (26.09.),
„Jericho“ (27.09.),
„Gegen die Wand“ (28.09.),
„Vier Minuten“ (29.09.)