Die globale Finanzkrise traf Kasachstan in diesem Jahr nicht unvorbereitet. Das Land erlebt seine Bankenkrise bereits seit Herbst vergangenen Jahres. Banken und Aufsichtsbehörden haben im Verlauf des Jahres 2008 durchaus unter Beweis gestellt, dass sie die Situation im Griff haben. Trotzen Kasachstans Banken auch weiterhin der Krise?

/Bild: Bodo Thöns. ‚Bislang alles unter Kontrolle: Kasachstans Zentralbank.’/

Viele Analysten schätzen heute ein, dass im internationalen Vergleich „die Banken Kasachstans zu denen gehören, die am besten auf die Krise vorbereitet sind.” Hier gelten die neuen Spielregeln der globalen Krise bereits seit Ende vorigen Jahres. Der Strategiewechsel seit Anfang 2008 hinsichtlich Liquiditätssicherung und Schuldendienst, Kunden- und Produktprofil zeigt erste Erfolge. Ihre Neuausrichtung auf die Privat- und Firmenkunden zeigen alle führenden Banken in einem entsprechenden Rebranding. Die Einlagen, vor allem juristischer Personen, stiegen in den ersten zehn Monaten um über 30 Prozent. Die Kreditvergabe wurde deutlich restriktiver. Im Umgang mit problematischen und notleidenden Kreditforderungen hält langsam die notwendige Professionalisierung Einzug. Die hohen Margen der Vergangenheit (und Gegenwart) federn bislang die Verluste aus den Wertberichtigungen ab. Vor allem aus internationaler Sicht ganz wichtig: Kasachstans Banken haben alle ihre 2008 anstehenden Verbindlichkeiten – bislang über 11 Milliarden US-Dollar – bedient. Zuletzt hat Mitte Dezember die Kazkommertsbank einen von mehreren westlichen Banken syndizierten Großkredit über 1,3 Milliarden US-Dollar fristgerecht zurückgezahlt.

Es wird schwieriger

Die aktuelle Krise begrub in Kasachstan allerdings die bei der einen oder anderen Bank noch gehegte Illusion, dass es vor allem gilt, 2008 zu überstehen und die internationalen Märkte dann wieder zur Normalität zurückkehren. Hier lautet die Botschaft: Der aktuelle Zustand ist die Normalität und wird es noch geraume Zeit bleiben. Die zeitweiligen Schwierigkeiten sind vorbei, es beginnen die schwierigen Zeiten. Das ist aber heute kein nur auf Kasachstan beschränktes Phänomen und wie weltweit wird auch hierzulande das Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft, von Regierung, Finanzaufsicht, Nationalbank und Banken zu einer entscheidenden Komponente der erfolgreichen Krisenbewältigung.

Die schützende Hand des Staates

Mit ihrem ersten Krisenpaket Ende 2007 zeigten Nationalbank und Bankenaufsicht bereits den notwendigen Weitblick für die auf Kasachstans Banken zukommenden Probleme. Die Maßnahmen der letzten Wochen schaffen den im internationalen Vergleich bereits „krisenerprobten“ Bankern Almatys die heute so wichtige staatliche Rückendeckung und gewährleisten die Stabilität des Bankensystems. Die wichtigste Komponente ist sicherlich die Bereitstellung von 4 Milliarden US-Dollar zur Eigenkapitalstärkung der größten Banken des Landes, an denen sich der Staat beteiligen und maximal 25 Prozent der Stimmrechte bekommen wird. Die Beteiligung ist auf drei bis fünf Jahre angelegt. Der Ausstieg des Staates ist dann zu Marktkonditionen vorgesehen, wobei den Altaktionären ein Vorkaufsrecht eingeräumt wird. Den vier größten kasachstanischen Banken wurde ein Angebot unterbreitet, das sie analog Großbritannien und Frankreich, aber im Unterschied zu Deutschland, nicht ablehnen konnten.

Mit diesem Paket für die vier wichtigsten Banken stehen knapp 70 Prozent des gesamten Bankensystems unter der schützenden Hand des Staates. Die Eigenkapitalspritze bringt frisches Geld, verbessert die Liquidität und die Bilanzstruktur und stärkt das Vertrauen in das lokale Bankensystem. Gleichzeitig erhöht die Kapitalerhöhung das Polster für eventuell noch in Zukunft abzuschreibende Forderungen. Dem gleichen Ziel dient auch der neu etablierte Fonds für so genannte Stress-Aktiva, also Kredite, deren Rückzahlung der Bank mehr Stress als Geld einbringt und dem die Banken nun solche Kredite mit einem gewissen Abschlag verkaufen können.

Daneben wurde der Einlagensicherungsfonds deutlich aufgestockt, so dass jetzt pro Konto nicht mehr nur 700.000 KZT, sondern 5 Millionen KZT versichert sind. Über 98 Prozent aller Konten in Kasachstan sind damit zu 100 Prozent versichert. Das ist vor allem auch für die nicht zu den vier größten Banken gehörenden Kreditinstitute von Bedeutung. Für die kleineren Banken, deren Anzahl mit 35 im Vergleich zu Russland bereits heute überschaubar ist, wird ebenfalls eine weitere Konsolidierung forciert. Die Mindesteigenkapitalausstattung wird im kommenden Jahr auf umgerechnet circa 40 Millionen US-Dollar und 2011 auf circa 80 Millionen US-Dollar erhöht. Diese künftige Eintrittsbarriere erfüllen bis heute nur 20 der 35 Banken des Landes.

Allerdings kann man die schützende Hand auch zerreden. Umschuldungsvisionen für Kasachstan zu Lasten von Investoren und Gläubigern, wie sie kürzlich der Chef der neuen Superholding Kazyna-Samruk skizzierte und damit westliche Banken verwirrte, sind eher kontraproduktiv und wurden schnell durch die Zentralbank dementiert. So ist auch der Pressemitteilung der Kazkommertsbank zur bereits erwähnten Kredittilgung zu entnehmen, dass sie keine Restrukturierung ihrer Auslandsverbindlichkeiten plant.

Im Schatten Russlands

Es zeigt sich an den Finanzmärkten einmal mehr, dass die internationalen Kapitalströme Kasachstan in guten wie in schlechten Zeiten im Windschatten Russlands suchen oder meiden und das eigenständige Profil der hiesigen Wirtschaft zu wenig bekannt ist. Die Herabstufung zunächst des Staates Kasachstan und nachfolgend der Banken durch die Ratingagentur Fitch ist ein weiteres Indiz. Kasachstans Wirtschaftskraft und sein fast einzigartig differenzierter Rohstoffreichtum verleihen dem Land nach wie vor uneingeschränkt positive Wachstumsperspektiven. Seine im Vergleich zu Russland sehr geringe Verschuldung und die in den letzten Jahren aus den Exporten akkumulierten Staatsreserven in Höhe von knapp 50 Milliarden US-Dollar gewähren dem Land, ohne neue Schulden aufnehmen zu müssen, ausreichend Spielraum für umfassende Wirtschaftsmaßnahmen einschließlich des aktuellen Stabilisierungsprogramms.

Das Jahr 2009 wird dabei allerdings sicherlich schwieriger als 2008. Im Schatten der Weltfinanzkrise wird das jetzige Jahr wohl auch als Jahr der extrem hohen Rohstoffpreise von Öl über Erze bis Weizen in die Geschichte eingehen. Nachdem die Rohstoffpreise in den letzten Wochen gefallen sind, wird diese Quelle für Kasachstan 2009 nicht mehr ganz so üppig sprudeln, aber die Quellen beziehungsweise das viel zitierte Glas bleiben allemal mehr als halbvoll. Eine entsprechende Haushaltsdisziplin vorausgesetzt, sollte das Wort Umschuldung dann selbst in der Möglichkeitsform nicht mehr auftauchen. Das Land muss sich auf das Trinkröhrchen im Glas konzentrieren und nicht vom Halt an anderen Strohhalmen träumen.

Der Autor ist Leiter der Commerzbank-Repräsentanz in Almaty.

Von Bodo Thöns

19/12/08