Seit Anfang Februar hat das Goethe-Institut eine neue Leiterin der Sprachabteilung. Die 33jährige Dr. Alix Landgrebe hat die Nachfolge von Dr. Wolf Dieter Ortmann angetreten, der Ende vergangenen Jahres in Rente gegangen war. Die ausgebildete Slavistin und Historikerin erzählt im DAZ-Interview von ihren Plänen. Cornelia Riedel hat mit ihr gesprochen.

Seit Anfang Februar hat das Goethe-Institut eine neue Leiterin der Sprachabteilung. Die 33jährige Dr. Alix Landgrebe hat die Nachfolge von Dr. Wolf Dieter Ortmann angetreten, der Ende vergangenen Jahres in Rente gegangen war. Die ausgebildete Slavistin und Historikerin erzählt im DAZ-Interview von ihren Plänen. Cornelia Riedel hat mit ihr gesprochen.

Frau Landgrebe, wie lief Ihre erste Zeit hier?

Ich habe mich schon gut eingewöhnt. Es ist toll, in Almaty zu leben, mir gefallen die Berge und ich war schon Ski- und Eislaufen und wandern. Ich bin überrascht, wie groß Almaty ist, das hätte ich nicht erwartet. Auch, dass hier so viel gebaut wird und man so jeden Tag etwas Neues entdecken kann, hat mich überrascht. Schade ist natürlich, dass deshalb so viele Bäume gefällt werden.

Wie sind Sie zum Goethe-Institut gekommen, und seit wann arbeiten Sie für die deutsche Kultureinrichtung?

Eigentlich hatte ich zwei Berufsideen für mich. So wollte ich gern wissenschaftlich arbeiten oder etwas im interkulturellen Bereich tun. Nach meiner Doktorarbeit habe ich dann nach einer neuen Aufgabe gesucht, und den Sprachunterricht fand ich sowieso schon immer interessant. Seit September 2004 arbeite ich für das Goethe-Institut, habe dort als Trainee angefangen. Während der Ausbildung war ich in der Goethe-Zentrale und im Institut in Prag. Danach war ich in Warschau in der Sprachabteilung. Wegen meiner Sprachkenntnisse war ziemlich schnell klar, dass ein Einsatzort im Osten am wahrscheinlichsten ist. Die Goethe-Institute Moskau und Almaty waren im Gespräch, jetzt bin ich sehr glücklich, dass es Almaty geworden ist.

Frau Landgrebe, Sie sind jetzt Leiterin der Sprachabteilung des Almatyer Goethe-Instituts. Was haben Sie sich für Ihre Zeit hier vorgenommen?

In der Sprachabteilung arbeiten 15 Mitarbeiter. Wir sind für die Sprachkurse, für fünf Sprachlernzentren, die Fortbildungen für Deutschlehrer sowie Stipendien und kulturelle Projekte verantwortlich. Mir persönlich sind die Deutschkurse sehr wichtig, und ich will das Goethe-Institut als Kursanbieter bekannter machen. So wird es im Herbst einen Tag der offenen Tür geben und mehrere Konferenzen zur deutschen Sprache sind geplant. Weiter wollen wir auch das Kulturangebot für die Schulen und Universitäten bereichern, und natürlich auch die deutsche Minderheit fördern. Ganz wichtig ist mir die Zusammenarbeit mit kasachischen Partnern hier vor Ort.

Das Interesse an der deutschen Sprache sinkt, immer mehr junge Leute lernen nur Englisch. Sie haben eine neue Arbeit in einem Bereich angetreten, der mit stark nachlassendem Interesse zu kämpfen hat. Wie gehen Sie damit um?

Ich sehe dieses Problem durchaus. Im deutschen Kultur- und Bildungsbereich wird gespart, und im Ausland lernt man immer weniger Deutsch. Ich war zugegebenermassen schockiert, dass die deutsche Sprache in Kasachstan eine nachlassende Bedeutung hat. Doch ich bin mit vielen Ideen gekommen und schätze die Lage auf keinen Fall als hoffnungslos ein. Es lohnt sich, Deutsch zu lernen, nicht nur wegen der wirtschaftlichen Kontakte zu Deutschland. Auch sucht Deutschland immer mehr junge Spezialisten aus anderen Ländern. Immer noch sprechen die meisten Leute in der EU Deutsch und das wird so bleiben, und auch für das Schöngeistige, um Kultur, Musik und Literatur besser zu verstehen, ist unsere Sprache unersetzlich. Doch mir ist durchaus bewusst, dass das für die meisten nicht der Hauptgrund ist, Deutsch zu lernen.

Was haben Sie vorher gemacht?

Ich bin in Köln geboren und habe in Tübingen, Berlin, Moskau, Bonn und Krakau Slavistik und Geschichte studiert. Danach war ich sechs Jahre in Polen, in Warschau und Krakau, dort promoviert und an der Universität unterrichtet.

Frau Landgrebe, als Mitarbeiterin des Goethe-Instituts verpflichtet man sich, fast sein ganzes Leben lang unterwegs zu sein und an verschiedenen Standorten in der Welt zu arbeiten. Wie geht man damit um?

Es kann schon sein, dass das eventuell später schwierig wird, das Umziehen. Aber genausowenig kann ich mir 30 Jahre am selben Ort vorstellen. Ich bin das Reisen und Umziehen gewöhnt, man hat dann einfach mehrere Heimaten und Dinge und Menschen, die man an den verschiedenen Orten mag und gern sieht. Ich kann mich schnell an fremden Orten zu Hause fühlen und bin das auch gewöhnt. Meine Mutter ist Schweizerin, und ich bin zweisprachig in Belgien aufgewachsen und mit Beginn des Gymnasiums nach Deutschland gezogen.

Frau Landgrebe, wir danken für das Gespräch!

24/03/06