Die Martin-Luther-Universität Halle (MLU) hat vom 23.-25. Februar das erste „Deutsche Hochschul- und Wissenschaftsforum Zentralasien“ ausgerichtet. Im Format „from lunch to lunch“ wurde über bestehende und zukünftige Formen der Zusammenarbeit informiert und beraten, mittels Vorträgen, Ständen und Workshops. Über 180 Teilnehmer aus Forschung, Politik und Forschungsförderung tauschten sich aus und knüpften neue Kontakte.
Dabei waren hochrangige Vertreter von Hochschulen, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), des DAAD und des Projektträgers PT-DLR des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Themenschwerpunkte waren Wasser- und Landwirtschaft sowie Ausbildung und Nachwuchsförderung. Angesichts ihres erfolgreichen Verlaufs soll diese Veranstaltung vom 22.-24.02.27 fortgesetzt werden. Das Deutsche Hochschul- und Wissenschaftsforum Zentralasien war ein bedeutender Treffpunkt für internationale Kooperationen.
Zum Beispiel untersucht die Hallenser Professorin Johanna Mierendorff in internationalen Vergleichen, wie Kindheit in einer Gesellschaft ermöglicht und gestaltet wird. Sie analysiert auch, wie sich Kindheit im Verlaufe gesellschaftlicher Wandlungsprozesse verändert. Wie tragen gesellschaftliche Normen und staatliche Regulierungen dazu bei, dass Kindheit als gesellschaftliche Erscheinung in unterschiedlichen Kulturen eine spezifische Gestalt annimmt?
In Kasachstan wie in Deutschland gehen alle Kinder eine gewisse Zeit in die Schule. Dennoch gibt es dabei viele Unterschiede, von der Schulkleidung über den Alltag bis zu den Lehrinhalten. Wie finden Kinder in dünn besiedelten Gebieten Spielkameraden und Freunde? Welche Rolle spielen die Alterspyramide und die Familienbeziehungen? Zusätzlich bietet das Deutsches Hochschul- und Wissenschaftsforum Zentralasien eine Plattform für wissenschaftliche Diskussionen zu diesen Themen.
Die Sitzungen fanden in einem Gebäude der ehrwürdigen Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina statt, die am 1. Januar 1652 als Academia Naturae Curiosorum gegründet wurde. Sie ist heute die weltweit älteste ununterbrochen bestehende naturwissenschaftlich-medizinische Akademie. Ihr Wahlspruch lautet „Nunquam otiosus“ („Niemals müßig“). Von 1949 bis 1990 war sie die einzige gemeinsame wissenschaftliche Einrichtung im geteilten Deutschland.
Im Rahmenprogramm standen die Moritzburg, die Franckeschen Stiftungen, das historische Hauptgebäude der Universität und die Altstadt. Zudem wurden das Museum für Haustierkunde, die Zoologische Sammlung (u.a. mit Wirbeltieren aus Zentralasien) und das Geiseltalmuseum präsentiert. Letzteres zeigte seine sensationellen Fossilfunden aus dem Eozän (vor ca. 45 Mio. Jahren). Darunter waren ein vollständiges Skelett des Urpferds, der Riesenlaufvogel Diatryma und das landlebende Krokodil Boverisuchus. Insbesondere das Deutsches Hochschul- und Wissenschaftsforum Zentralasien setzte neue Impulse für zukünftige Kooperationen.
Auslandsvertretung in Almaty
Die MLU arbeitet seit langem mit Kasachstan, Kirgisistan, der Mongolei, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan zusammen. 2019 wurde ihre Auslandsvertretung in Almaty gegründet. Eine zentrale Aufgabe besteht in der Leitung des angegliederten Central Asia Sustainable Innovation Bureau (CASIB). Dieses wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. Ziel ist, die Forschungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Zentralasien (einschließlich der Mongolei) zu stärken.
Die zentralasiatischen Staaten sind aufgrund ihrer geografischen Lage, ihrer reichen Ausstattung mit natürlichen Ressourcen und als besonders stark Betroffene des Klimawandels von hoher geopolitischer Bedeutung. Das CASIB konzentriert sich vor allem auf Projekte zur Unterstützung von Reformprozessen bei der ökologischen, ökonomischen und sozialen Transformation. Im Mittelpunkt steht dabei die nachhaltige Entwicklung. Weiterhin ist das Deutsches Hochschul- und Wissenschaftsforum Zentralasien ein wichtiger Partner für die Vernetzung von Forschenden.
Aufgaben des CASIB
Das CASIB unterstützt das BMFTR vor Ort in seiner Zusammenarbeit mit Zentralasien. Zu seinen zentralen Aufgaben gehört die Vernetzung der in Zentralasien mit deutscher Finanzierung agierenden Projekte und Einrichtungen in den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie Bildung. Darüber hinaus schafft CASIB an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine Austauschplattform für die Hochschulzusammenarbeit Deutschlands mit Zentralasien.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Kommunikation der internationalen Zusammenarbeit mit Zentralasien innerhalb der deutschen Forschungslandschaft. Ziel ist es, erfolgreiche Projekte sichtbar zu machen. Außerdem sollen neue Möglichkeiten für Kooperationen mit der Region eröffnet werden und wissenschaftlicher Nachwuchs in Deutschland gewonnen werden.
CASIB unterstützt zudem Projektverbünde, Einrichtungen und Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit der Region. Ebenso hilft es bei der Sichtbarmachung von Projektergebnissen sowie bei der Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Außerdem koordiniert das Zentrum übergreifende Vernetzungs- und Transferaktivitäten in und zwischen den Republiken Zentralasiens sowie der Mongolei. Ein weiteres Ziel besteht darin, ein Konzept zur Verstetigung des CASIB nach Auslaufen der BMFTR-Förderung zu entwickeln.
Die MLU-Vertretung und das CASIB beraten und informieren Studierende sowie Lehrkräfte über die Besonderheiten der Hochschullandschaften Deutschlands einerseits und der zentralasiatischen Länder andererseits. Zudem informieren sie über bestehende Fördermöglichkeiten, sowohl in individuellen Beratungen als auch im Rahmen von Veranstaltungen wie Konferenzen und Messen. Darüber hinaus unterstützen sie die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und organisieren das Zentralasienforum in Halle an der Saale.
Forschungsberatung und -unterstützung
Im Bereich der Forschungsberatung informiert und berät das CASIB über Forschungsmöglichkeiten in Zentralasien und wirkt an der Vorbereitung von Fördermaßnahmen mit. Darüber hinaus unterstützt das Zentrum die Anbahnung von Projekten, etwa durch die Vermittlung geeigneter Partnereinrichtungen und durch Informationen über Fördermöglichkeiten.
Das CASIB trägt zur Sichtbarkeit von Forschungsvorhaben bei und begleitet Projekte von der Koordination bis hin zur langfristigen Implementierung, etwa durch Maßnahmen zur Struktur- und Kompetenzentwicklung oder zur Kommerzialisierung. Zudem unterstützt das Zentrum die Vernetzung von Projekten sowie den Wissenstransfer.

























