In Kasachstan hat Schmelzwasser weitreichende Flächen überschwemmt. Besonders bedrohlich ist die Situation im Gebiet Karaganda. Dort wurden bereits ganze Dörfer evakuiert. Unter den Hochwasser-Opfern sind auch kasachstandeutsche Familien.

Konserven, Kindernahrung und Kleidung zum Wechseln, alles was nötig ist für die ersten Wochen. In Astana sammelten hilfsbereite Bürger Hilfsgüter für die Hochwasseropfer. Auch im Deutschen Haus Almaty können Spenden abgegeben werden. Unter den Opfern des Hochwassers im Norden Kasachstans sind auch Angehörige der deutschen Minderheit.

Seit dem 23. März sind in Nord– und Zentralkasachstan Flüsse über die Ufer getreten. Grund dafür ist ein zu warmer Frühlingsanfang. Nach Angaben des Katastrophenschutzes wurden die plötzlichen Wassermassen durch einen unerwarteten Temperaturanstieg auf bis zu 20 Grad Celsius verursacht.

Das Schmelzwasser hatte die Flüsse Schagalal, Sile, Nura und Ischim geflutet. Der Ischim fließt auch die Hauptstadt Astana. Zuvor war bereits bekannt, dass die Menge der Schnee– und Eismassen auf den Flüssen und Straßen bis zu 40 Prozent über der Norm gelegen hatte. Auf einen Schlag überflutete das zu schnell abgetaute Wasser 50 Siedlungen. Dies sei so noch nie vorgekommen, beteuerte der Leiter des Katastrophenschutzes, Wladimir Boschko gegenüber dem Nachrichtenportal „tengrinews“. Mehr als 4.000 Menschen aus den Gebieten Akmola, Nord-Kasachstan und Karaganda haben ihre Häuser verlassen müssen.

Warten auf Rettung

Unter den Hochwasser-Opfern sind auch Angehörige der deutschen Minderheit aus dem Gebiet Karaganda. Dort hat die Schmelzwasserflut die Menschen am härtesten getroffen. Hier fließen die Flüsse Nura und Schurubai-Nura. Besonders im Gebiet Karaganda seien laut Boschko noch weitere 20 Siedlungen von dem Hochwasser bedroht. Die Stauanlagen könnten die Wassermassen dauerhaft nicht vollständig halten, heißt es in der Lokalpresse. Die Situation ist angespannt:

„Das Dorf Mustafino musste vollständig evakuiert werden. Dort leben 22 deutsche Familien“, berichtet Galina Woronina, die Leiterin der Sozialstation der deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“ in Karaganda. Ebenso sind die Dörfer Trudowoi, Agadyr, Bakatora, Kiewka-Zaretschni überflutet. Unter den Dorfbewohnern sind 26 deutsche Familien. Sie sind derzeit von der Stadt Karaganda abgeschnitten, weil Brücken eingebrochen und zahlreiche Straßen überspült wurden. „Die Bewohner der überschwemmten Dörfer sitzen auf gepackten Koffern und warten auf ihre Evakuierung. Eine Diesellock ist die einzige Verbindung, die ihre Versorgung garantiert“, erzählt die Sozialarbeiterin.

„Die Menschen haben auf den Dächern gesessen und sind im Laufe des Tages heruntergeholt worden.“, berichtet Irina Netschetowa von der Evakuierung des Dorfes Mustafino. Sie ist die stellvertretende Vorsitzende der Karagandaer Gesellschaft der Deutschen. Seit Beginn der Schmelzwasser-Flut bringen Kargandaer Bürger Hilfsgüter zur der „Wiedergeburt“-Gesellschaft. Dort werden Kleidung, Konserven, Babynahrung, Decken Wäsche und viele andere nötige Dinge für die Hochwasser-Opfer gesammelt. „Wir freuen uns über jede Spende“, sagt Irina Netschetowa.

Auch in Almaty können die Bürger Hilfsgüter abgeben. Dort sammelt die Abteilung für Sozialarbeit der Assoziation der gesellschaftlichen Vereiniungen „Wiedergeburt“ im Deutschen Haus (Samal 3, Haus 9) Spenden für die Hochwasser-Opfer.

Dominik Vorhölter

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